Corona: Beim eigentlich agilen Heimatverein steht gerade alles still

rn25 Jahre Heimathaus

Monate haben Mitglieder des Heimatvereins damit zugebracht, die schönen Seiten eines alten Gemäuers wieder ans Tageslicht zu holen. 25 Jahre ist das her, seitdem gibt es das Heimathaus.

Lippramsdorf

, 25.04.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Heimatverein Lippramsdorf hat nach der Einweihung des Heimathauses im Juli 1995 die Hände nicht in den Schoß gelegt: Unablässig arbeiten Ehrenamtliche mit handwerklichem Geschick weiterhin im und am Haus, um die alte landwirtschaftliche Hofstelle in Lippramsdorf-Schabbrink zu pflegen und immer noch schöner erscheinen zu lassen. Besucher kommen gern zu diesem Kleinod.

„Eigentlich wollten wir bald das 25-jährige Jubiläum mit denen feiern, die damals aktiv an der Renovierung mitgewirkt haben“, sagt Heimatvereins-Vorsitzender Reinhold Wieschus. Aber wegen der Coronakrise wird daraus nichts werden. Doch verschoben ist nicht unbedingt aufgehoben.

Seit Ausbruch der Coronakrise sind alle Türen zu

Reinhold Wieschus dreht mit dem Aufsitz-Rasenmäher seine Runden über die Rasenflächen. Eine Stunde dauert es in der Regel, bis das Grün gemäht ist. Die Beete im Bauern- und Gemüsegarten sehen derweil schon tipptopp aus. Udo und Walburga Franzen sind mit der Frühjahrs-Gartenarbeit erst einmal fertig. Alles ist akkurat und sauber, auch Gilla Overhoff hat daran ihren Anteil.

Ein hübsches Arrangement: Der Hofraum des Heimathauses wirkt durch seine vielen Details sehr einladend.

Ein hübsches Arrangement: Der Hofraum des Heimathauses wirkt durch viele Details sehr einladend. © Elisabeth Schrief

Normalerweise sind die fleißigen Helfer dienstags und donnerstags am Heimathaus anzutreffen. Aber seit Ausbruch der Corona-Pandemie ruht alles, die Türen sind zu. Kein „Offener Dienstag“ für Besucher mehr, keine Schichten der Handwerkertruppe sowie der fleißigen Frauen, die das Haus innen sauber und staubfrei halten. „Alle sind im Home-Office“, schmunzelt Reinhold Wieschus. Für den Heimatverein bedeutet der Stillstand: Notwendige Außenarbeiten können nicht erledigt werden, auch das traditionelle Maibaumfest und das Familienfest an Christi Himmelfahrt fallen in diesem Jahr aus.

Der Heimatverein lebt momentan von den Rücklagen

Damit brechen für den Verein gleichzeitig die Einnahmen weg. „Wir leben vorübergehend von unseren Rücklagen. Die Energiekosten laufen schließlich weiter“, sagt Wieschus. Offene Dienstage und damit die Öffnung des Heimathauses als Begegnungsstätte immer dienstags von 14 bis 18 Uhr bei Kaffee und Kuchen wird es nach Einschätzung des Vorsitzenden erst wieder mit der Öffnung der Gaststätten geben.

Trotz des Einbruchs vor dem Hintergrund der Pandemie bleibt die Verpflichtung, Haus und Hof in Ordnung zu halten. Die Geschichte des Bauernhauses Tuttmann lässt sich bis auf das Jahr 1749 zurückverfolgen. Es drohte zu verfallen - bis der Heimatverein auf das kleine Anwesen aufmerksam wurde.

Theo Vierhaus reparierte die alten Fenster des Heimathauses.

Theo Vierhaus reparierte die alten Fenster des Heimathauses. © Bruno Lücke

Unter der Regie des inzwischen verstorbenen Bauunternehmers Theo Mertmann und des damaligen Vorsitzenden Karl-Heinz Paul entstand in mühevoller Arbeit und mit Unterstützung von unzähligen Spenden (Geld und Einrichtungsgegenstände) eine 240 Quadratmeter große Begegnungsstätte, die originalgetreu das alte bäuerliche Leben im Münsterland widerspiegelt. Zuschüsse von öffentlicher Hand gab es übrigens nicht. Kompromisse an die Moderne wurden nur in den Funktionsräumen gemacht.

Nach dem Haus restaurierten Ehrenamtliche Schritt für Schritt die Hofgebäude und legten mit viel Liebe zum Detail eine schmucke Grünanlage an. Schon bei der Eröffnung im Juli 1995 sprach der damalige Bürgermeister Erwin Kirschenbaum von einer „imponierenden Gesamtleistung des Lippramsdorfer Heimatvereins“. Dabei ist es bis heute geblieben.

Hier zeigt sich: Vergangenheit kann Spaß machen

Im und am Heimathaus finden heute zahlreiche Veranstaltungen statt: Kinder kommen zum Brotbacken in die historische Backstube, Weihnachten zeigen Familien ihre Krippen, Heimatabende erinnern an westfälische Traditionen, Familienfeste und Erntedank halten das dörfliche Zusammensein aufrecht - um nur einige Beispiele zu nennen.

Im Haus, das vielfältige Zeugnisse früherer Lebens- und Arbeitsweisen beherbergt, und bei einem Rundgang über den Hof stellen Gäste fest: Vergangenheit kann Spaß machen.

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