Corona beim Haustier: Das sagen Halterner Tierärzte zur Meldepflicht

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Schon ab Freitag könnte es eine Meldepflicht für Haustiere geben, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Das wirft auch für Halterner Tierärzte Fragen auf.

Haltern

, 28.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Um besser erforschen zu können, wie bestimmte Haus- und Zootiere sich mit dem Coronavirus anstecken, beschließt der Bundesrat möglicherweise am 3. Juli eine Meldepflicht für Corona-Fälle bei Tieren. Die Meldepflicht sieht vor, dass Tierärzte Fälle bei den Behörden anzeigen müssen. Das soll für alle vom Menschen gehaltenen Tiere gelten. Was sagen Halterner Tierärzte und das Friedrich-Loeffler-Institut zum Thema Corona und Meldepflicht?

? Können Haustiere ihre Halter anstecken?

„Es könnte möglich sein“, sagt die Halternerin Dr. Kirsten Olivier. Zum aktuellen Zeitpunkt jedenfalls sei das nicht auszuschließen. „Positiv getestete Tier haben immer einen positiv getesteten Besitzer“, erklärt Dr. Volker Beyer. Es gebe aber keinen Nachweis, dass Tiere den Menschen anstecken können, betont der Halterner Veterinär. Die Pandemie werde getrieben durch die Übertragung von Mensch zu Mensch, sagt auch Thomas Mettenleiter, Leiter des Friedrich-Loeffler-Instituts, des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit. Man müsse aber auch die Lage bei Tieren im Blick haben.

? Welche Infektionsfälle sind bei Haustieren bekannt?

Bekannt sind vor allem Fälle von Katzen, die sich mit Corona infiziert haben. In einem New Yorker Zoo haben sich auch Löwen und Tiger angesteckt. Infektionen gibt es laut Mettenleiter auch bei Hunden. Diese seien aber weniger empfänglich für das Virus und zeigten meist keinerlei Symptome.

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Auch Volker Beyer verweist auf eine Studie, nach der Katzen sich untereinander anstecken konnten - „allerdings unter Laborbedingungen und nicht in freier Laufbahn“. Zudem ließen sich Frettchen in Experimenten gut anstecken. In den Niederlanden soll es Fälle in der Pelztierzucht bei Nerzen gegeben haben, bei denen sich Menschen angesteckt haben könnten.

? Wann muss ich mein Tier testen lassen und wie teuer ist das?

Die Bundesregierung plant keine Test-Pflicht für Haustiere. Sinnvoll könne es aber sein, Katzen testen zu lassen, die in Haushalten mit Corona-Infizierten leben. Nur wenn ein Veterinäramt den Test anordnet, werden die Kosten übernommen. Wie Tierarzt Volker Beyer erklärt, belaufe sich der Labortest einschließlich Gebühren auf etwa 90 Euro. Einschließlich der Probenentnahme und der Voruntersuchung komme man schnell auch auf Kosten zwischen 130 und 150 Euro.

? Wie wird der Test durchgeführt?

Ein Abstrich muss laut Beyer „tief aus dem Rachen“ entnommen werden. „Das kann bei dem betreffenden Tier einen Würgereiz auslösen.“ Auch lasse nicht jedes Tier ohne weiteres eine Probenentnahme zu. Beyer: „Im Extremfall muss mit einer leichten Narkose gearbeitet werden.“

? Wie erkenne ich eine Corona-Infektion bei meinem Tier

Oft verläuft die Krankheit ohne Symptome. Thomas Mettenleiter vom Friedrich-Loeffler-Institut weiß aber auch von Atemwegserkrankungen. Für Katzenbesitzer seien diese aber nicht von einem normalen Katzenschnupfen zu unterscheiden.

? Haustiere und Coronavirus - ist das für Halterner Tierbesitzer oft ein Thema?

Die Halterner, die mit ihren Tieren in die Sprechstunden von Dr. Kirsten Olivier und Dr. Volker Beyer kommen, stellen nur vereinzelt Fragen zu diesem Thema. „Das liegt sicher auch daran, dass sich die Gesamtsituation der Corona-Infektionen in Haltern vergleichsweise gut darstellt“, mutmaßt Kirsten Olivier. Überhaupt beobachte sie einen sehr umsichtigen Umgang der Bürger mit den Corona-Schutzmaßnahmen. „Die Menschen halten Abstand und tragen Mund-Nasen-Schutzmasken.“ Volker Beyer stellt fest: „Mich hat noch niemand in der Praxis gefragt, ob er sein Haustier bei mir testen lassen kann.“ Möglich sei das natürlich.

? Welche Behandlung ist bei einer Corona-Infektion eines Haustiers angezeigt?

„Einen Impfstoff gibt es ja nicht“, so Beyer. Die Virusvermehrung könne aber medikamentös reduziert werden. Unklar sei derzeit auch noch, ob eine 14-tägige Quarantäne für infizierte Tiere erforderlich ist. Auch Kirsten Olivier merkt an: „Es gibt noch keine Behandlungsregeln für solche Fälle.“ Mit Cortison, Interferon und Antibiotika könne medikamentös auf die Entzündung eingewirkt werden. Die Veterinärin geht davon aus, dass die weitere Vorgehensweise im Fall eines mit Corona infizierten Tiers behördlich geklärt werde und der Amtstierarzt dann eingreift.

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