Corona: Viel Hoffnung, aber auch Zukunftssorgen im Drüppel-Theater

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Das Lea-Drüppel-Theater bleibt geschlossen. „Wir werden alle Aufführungen des ersten Halbjahres absagen müssen“, kündigt Dr. Hans-Dieter Speikamp an. Finanziell ist das schwer zu verkraften.

Haltern

, 24.04.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wie nahezu alle öffentlichen Einrichtungen musste auch das kleine Lea-Drüppel-Theater wegen der Corona-Pandemie Mitte März schließen und das Kulturprogramm einstellen. Die Comedy-Night mit Freddy Allerdisse, der Chansonabend mit Tina Potsdawa und die Aufführungen der Schnupperbühne konnten und können nicht stattfinden. Aber auch für die Jugendgruppen - das „Junge Ensemble“, die „Story Kids“ und die „Schnupperbühne“ - fallen die Proben auf der Bühne an der Zaunstraße aus.

Hans-Dieter Speikamp ist im Lea-Drüppel-Theaterverein zuständig für die Finanzen. Rechts im Bild Henrik Drüppel, der Bruder der verstorbenen Lea.

Ein Foto mit Leas Logo an der Seite: Dr. Hans-Dieter Speikamp (er kümmert sich im Vorstand um die Finanzen), Henrik, Bernd und Anne Drüppel sowie Lena Meinhardt (2. Vorsitzende des gemeinnützigen Theatervereins und künstlerische Leiterin). © Elisabeth Schrief

Hans-Dieter Speikamp, verantwortlich für die Finanzen des Lea-Drüppel-Theatervereins, geht davon aus, dass alle Aufführungen des ersten Halbjahres 2020 abgesagt werden. Damit entfallen auch die Premiere und alle weiteren Aufführungen von „Momo?Greta?Wir!“. Das Junge Ensemble ist enttäuscht, hat es doch monatelang auf diese Aufführungen hin gearbeitet.

Auch der Spielplan für das zweite Halbjahr steht infrage

„Mit zunehmender Dauer der Ausnahmesituation wird die Finanzierung der laufenden Fixkosten für das Theater immer schwieriger“, erklärt Hans-Dieter Speikamp. Zurzeit werde sogar überlegt, ob es überhaupt Sinn mache, den für das zweite Halbjahr schon konkret ausgearbeiteten Veranstaltungsplan aufzulegen.

Kontaktadressen

Theater ist lebhaftes Kulturzentrum


Das Lea-Drüppel-Theater hat sich mit der Unterstützung unzähliger ehrenamtlicher Helfer, Spender und Mitglieder und nicht zuletzt der Begeisterung der Kinder- und Jugendensemble in den letzten drei Jahren zu einem lebhaften Kulturzentrum in Haltern am See entwickelt. Wer das Theater in der aktuellen Krise unterstützen möchte, melde sich dazu entweder unter vorstand@lea-drueppel-theater.de oder unter 01718106911. Weitere Informationen: www.lea-drueppel-theater

Da die Theater-Verantwortlichen für keine der ausfallenden Veranstaltungen Ersatztermine festlegen können, erstatten sie allen, die Tickets gekauft haben, den Ticketpreis. Hans-Dieter-Speikamp: „Wir würden uns aber auch sehr darüber freuen, wenn jemand den Beitrag ganz oder teilweise spenden möchte. Die daraus resultierenden Einnahmen möchten wir mit den betroffenen Künstlern teilen und auch für die Weiterführung der Proben unserer Kinder und Jugendlichen nutzen.“

Jasmin Pawlak: „Theater bedeutet auch Gemeinschaft“

Die Akteure stecken viel Herzblut in die gemeinsame Theaterarbeit. Zurzeit wird darüber nachgedacht, Präsenzproben in den nächsten vier Monaten durch interaktive Videokonferenzen zu ersetzen. „Weil wir das nicht durch die vorhandenen Fördermittel finanziell stemmen können, stellen wir derzeit beim Fonds Soziokultur einen Förderantrag“, erklärt dazu Hans-Dieter Speikamp.

Mit dem Musical "Honk - anders als der Rest" startete das Lea-Drüppel-Theater nach Eröffnung der Bühne 2017 in die Theatersaison.

Mit dem Musical „Honk - anders als der Rest“ startete das Lea-Drüppel-Theater nach Eröffnung der Bühne in die Theatersaison. © Elisabeth Schrief

Jasmin Pawlak (Leitung Story Kids und Schnupperbühne) vermisst die Kinder aus den Ensembles: „Wir tauschen uns weiterhin über Mails und WhatsApp aus und freuen uns schon auf ein Wiedersehen. Theater bedeutet nämlich nicht nur eine Bühne, sondern auch Gemeinschaft, die wir ungern missen wollen.“ Und genau deshalb sind schon Online-Proben in Planung, damit sich alle ein Stück Theater nach Hause holen können. Maya und Ina, beide elf Jahre alt, stehen beide gerne auf der Bühne, ihnen fehlen die Theater-Freunde. Ina versucht, das Positive zu sehen: „Ich kann trotz der aktuellen Lage viel Zeit mit meiner Familie und meinem Hund Carlo verbringen, das ist auch schön.“

Die jungen Darsteller vermissen die Proben

Silke Eumann, Theaterpädagogische Leitung & Regie, empfindet die gegenwärtige Situation als bizarr. „Die Stimmen jedes Einzelnen vom Jungen Ensemble fehlen mir.“ Sie gebe die Hoffnung nicht auf, dass alle gemeinsam die Premiere von „Momo?Greta?Wir!“ auf die Bühne bringen können. Wann? „Sobald es möglich sein wird!“

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Niclas Floer, Musikalische Leitung, findet es sehr schade, dass alle aus der Probenarbeit herausgerissen wurden. „Wir haben gerade in den letzten Wochen vor den behördlichen Einschränkungen sehr motiviert und produktiv gearbeitet. Nun versuchen wir mit Hilfe der digitalen Medien diesen engagierten Geist am Leben zu erhalten.“ Das Bedauern teilt Ronja Gouders (16) ebenso wie Felix Deitermann (18). Sie vermissen die anderen und den Austausch von Kreativität. Jule Brinkert (14) ergänzt: „Ich vermisse es, im Theater meinen ganzen Stress abzulegen und einfach eine andere Person (Figur) zu sein.“ Pauline Schroeter (15) vermisst ihre Theaterfreunde, weil man immer wieder was zum Lachen, aber auch zum Nachdenken habe.

Theater erinnert an Schülerin, die am 24. März 2015 starb

Für Wiebke Gülker (25) ist das Theater wie ein zweites Zuhause: „Am meisten fehlt mir die kreative Arbeit, die uns alle verbindet und durch die die Bühne und der ganze Spielraum zum Leben erweckt werden. Das gute Gefühl, sich den Kopf frei zu spielen, die Seele herauszusingen und den Alltag um sich herum zu vergessen, auch wenn es nur für ein paar Stunden ist.“

Anne Drüppel gründete das kleine Theater an der Zaunstraße in Erinnerung an ihre Tochter Lea. Diese starb mit weiteren 15 Schülerinnen und Schülern sowie zwei Lehrerinnen des Joseph-König-Gymnasiums am 24. März 2015 beim Flugzeugabsturz in den französischen Alpen.

Anne Drüppel gründete das kleine Theater an der Zaunstraße in Erinnerung an ihre Tochter Lea. Diese starb mit weiteren 15 Schülerinnen und Schülern sowie zwei Lehrerinnen des Joseph-König-Gymnasiums am 24. März 2015 beim Flugzeugabsturz in den französischen Alpen. © Jürgen Wolter

Das Theater mit den 72 Sitzplätzen war früher Kino-Saal. Benannt ist es nach Lea Drüppel, die am 24. März 2015 beim Flugzeugabsturz in den französischen Alpen mit Mitschülern und Lehrerinnen des Joseph-König-Gymnasiums ums Leben kam. Ihre Mutter Anne schuf mit Unterstützung der Lufthansa und vielen weiteren Sponsoren mit dem Theater ein lebendiges Andenken an Lea, die ihre große Begeisterung für die Musik und das Bühnenspiel nach dem Abitur auch beruflich nutzen wollte.

Entstanden ist eine Spielstätte für Kinder und Jugendliche, denen in Projekten, Kursen und Aufführungen die Freude an Musik und Bühenspiel vermittelt wird. Außerdem ist das Theater mit seinen vielfältigen Veranstaltungen ein bedeutender Kulturort Halterns geworden.

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