Dachdeckermeister Herbert Rohlf steigt vom Dach und schließt seine Firma

rnFirma in Lavesum

Herbert Rohlf ist Handwerker durch und durch. Im März 2005 machte er sich deshalb mit einem Dachdeckerbetrieb in Lavesum selbstständig, im April gibt er ihn schweren Herzens wieder auf.

Lavesum

, 11.01.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Herbert Rohlf stammt aus einer traditionellen Handwerkerfamilie. Sein Vater Josef gründete eine Schreinerei am Sundernweg, die später Bruder Markus übernahm. Für Herbert Rohlf war von Anfang an klar, dass seine Zukunft ebenfalls im Handwerk liegen würde. Er lernte Dachdecker bei der Halterner Firma Overhaus, legte 1997 die Meisterprüfung ab, arbeitete einige Jahre im Büro einer Ruhrgebiets-Firma und machte sich schließlich 2005 in seinem Heimatort Lavesum mit einem Dachdeckerbetrieb selbstständig. Doch es hat sich etwas verändert im Leben von Herbert Rohlf.

Ein schwerer Arbeitsunfall bremste den Meister aus

Im Februar 2018 erlitt der heute 48-Jährige einen schweren Arbeitsunfall, dessen Folgen ihm heute noch zu schaffen machen. „Schweren Herzens habe ich mich deshalb entschlossen, den Betrieb aus gesundheitlichen Gründen aufzugeben“, sagt der Dachdeckermeister im Gespräch mit der Halterner Zeitung. Die Arbeit auf dem Dach wird wegen der damals schwersten Beinverletzung zu riskant und mühselig.

Dachdeckermeister Herbert Rohlf steigt vom Dach und schließt seine Firma

Die Auszubildenden von Herbert Rohlf zählten immer zu den Innungsbesten. So wie Tobias Grote Westrich (r.) , der jetzt zur Meisterschule wechselt. © Jürgen Wolter

Zum 1. April schließt der Lavesumer seinen Betrieb am Sundernweg. In Spitzenzeiten beschäftigte Herbert Rohlf fünf Mitarbeiter, zuletzt waren es noch zwei. Ein guter Ruf eilt ihm seit jeher voraus. Dazu gehört auch, dass seine Auszubildenden immer zu den Innungsbesten zählten. So wie auch Tobias Grote Westrich; er geht jetzt zur Meisterschule. Der zweite Mitarbeiter wechselt in einen anderen Betrieb.

Herbert Rohlf und sein Team arbeiten vorwiegend in Haltern

Herbert Rohlf hat seinen Beruf mit Leidenschaft ausgeübt. „Das Schöne an diesem Handwerk ist, dass man am Ende des Tages sieht, was man mit den eigenen Händen geschaffen hat“, sagt er. Mit seiner Firma war er hauptsächlich in Haltern tätig und hat für private Bauherren gearbeitet. An Bauträger hat er sich nie gebunden.

Die größte Herausforderung während der vergangenen Jahre war ein Auftrag von Gelsenwasser. An der Hauptstelle in Gelsenkirchen deckten er und seine Mitarbeiter eine Dachfläche in der Größe von 1600 Quadratmetern ein.

Am Ende sagt der Lavesumer Firmenchef „danke“

Der Lavesumer liebt sein Handwerk. Aber als Betriebsleiter musste er auch erleben, dass es immer schwerer wird, geeignete Auszubildende zu finden. Das Handwerk floriere, aber der Drang der Schulabsolventen zum Studium sei meistens größer. Auf der anderen Seite sind die Auftragsbücher voll, weil viele den Mut haben, in Zeiten des Niedrigzinsniveaus zu bauen. „Dabei steigen Lohn-, Material- und damit Baukosten kontinuierlich Jahr für Jahr um gut 7,5 Prozent.“

Was bleibt am Ende? Ein großes Dankeschön, sagt Herbert Rohlf. An seine Mitarbeiter, seine Kunden und nicht zuletzt an seine verständnisvolle Ehefrau und die beiden (inzwischen erwachsenen) Kinder. Gerade die Familie habe oft zurückstecken müssen.

Zum 1. April tritt Herbert Rohlf eine neue Arbeitsstelle an, einen Büroarbeitsplatz - mehr will er noch nicht preisgeben. In seiner Firma bleibt alles wie es ist. „Vielleicht findet sich noch ein Nachfolger.“

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