Damenbesuch erwünscht

Haltern Am 12. August 1907 wurde in Haltern der neoklassizistische Neubau des Römisch-Germanischen Museums eröffnet - Vorgänger des heutigen Westfälischen Römermuseums in der Trägerschaft des Landschaftsverbandes.

31.07.2007, 18:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

In den nächsten Wochen soll über die Geschichte des Museums berichtet werden, das nach seiner Zerstörung im Jahr 1945 bis 1993 an fünf verschiedenen Orten untergebracht war.

Schon bald nach der Gründung des Altertumsvereins im Jahre 1899 wussten die Herren im Vorstand nicht wohin mit den zahlreichen Fundstücken, die bei den Ausgrabungen ans Licht kamen. Noch im Gründungsjahr wurden zur Bewahrung und Ausstellung der Gegenstände Schaukästen in Bestellung gegeben. So konnten zum ersten Mal die Ausgrabungsstücke besichtigt werden.

Alte Knabenschule

Im März 1900 stellte die Stadt Haltern zwei Räume in der 1795 erbauten alten Knabenschule am Markt zur Verfügung, in der auch die Rektoratschule ihren Sitz hatte. Dort wurde die bei den Grabungen gefundene Ausbeute notdürftig untergebracht.

Haltern wurde bekannt. Auswärtige Blätter schrieben über das zukünftige "Aliso- Museum". Die Mitgliederzahl des Altertumsvereins hatte sich bis August 1902 verdreifacht. Es gab ein Hotel "Römerhof" und ein "Hotel Aliso". Das Interesse für die Ausgrabungen muss auch in der Bevölkerung groß gewesen sein. Halterner Bürger nutzten die Gelegenheit, sich an Ort und Stelle auf der Hovestatt die Spuren der römischen Befestigungen und Wohnanlagen anzusehen.

Es waren aber wohl nicht nur Männer unter den zahlreichen Besuchern, was die ehrenwerten Herren im Vorstand des Altertumsvereins überrascht haben dürfte.

"Da verschiedentlich auch von den Damen ein großes Interesse für die Altertumssachen an den Tag gelegt worden ist, so glaubt der Vorstand die günstige Gelegenheit nicht vorübergehen lassen zu dürfen, um auch den hiesigen Damen durch Einladung zu den Vorträgen einen Einblick in die klassische Zeit des Römerlebens zu gewähren" (Halterner Anzeiger vom 1. August 1902). Professor Dragendorff, der Leiter der Ausgrabungen auf der Hovestatt, hielt einen Vortrag im Hotel Hennewig am Markt mit dem Thema: "Anlage und Einrichtungen eines Römerlagers". Mit Hilfe von Tafel, Kreide und einem Lageplan versuchte er, den anwesenden Damen und Herren die Geschichte der Römer in Haltern näher zu bringen.

Männersache

Archäologie war damals Männersache. Den Frauen blieb die Wohltätigkeit. Während Sanitätsrat Dr. Conrads dem Altertumsverein vorstand, wurde seine Frau zur Vorsitzenden des ebenfalls 1907 gegründeten Vaterländischen Frauenvereins gewählt (wird fortgesetzt). Rudolf Marwitz

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