Coronavirus: „Die Leute wollen keine Handwerker mehr ins Haus lassen“

rnCoronavirus

Das Coronavirus trifft auch die Handwerksbetriebe. Der private Markt ist zusammengebrochen. Es ergeben sich aber auch ungeahnte neue Aufträge. Und die sind eine Folge der Corona-Krise.

Haltern

, 21.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Restaurants haben geschlossen, Einzelhändler die Türen zugemacht. Das Corona-Virus trifft aber auch die Halterner Handwerksbetriebe. Der private Markt ist eingebrochen.

„Da läuft nichts mehr“, sagt Glasermeister Hermann Fimpeler. „Die Leute wollen keine Handwerker mehr ins Haus lassen, weil sie Angst haben, sich anzustecken. Es werden nur noch die allernotwendigsten Reparaturen durchgeführt.“ Materialbeschaffung sei dagegen kein Problem.

Neue Aufträge ergeben sich bei Arztpraxen, Apotheken und Einrichtungen, bei denen Kundenkontakt besteht. „Da gibt es eine starke Nachfrage nach Glasschutzflächen und Abdeckungen, die als Tröpfchenschutz dienen und helfen können, Ansteckungen zu vermeiden“.

„Die Auswirkungen der Krise werden wir noch lange spüren“

Hermann Fimpeler beschäftigt zehn Mitarbeiter. „Diese Krise wird Auswirkungen haben, die wir noch lange spüren werden“, sagt er.

Mehr Kundenzurückhaltung im privaten Bereich spürt auch Elektroinstallateur Oliver Schmülling. „Da werden Aufträge zum Teil verschoben, weil man zum Einen den Kontakt mit den Monteuren nicht möchte, aber auch, weil beispielsweise die neue Küche jetzt nicht geliefert wird und deshalb auch noch keine Elektroinstallation durchgeführt werden kann.“ Keine Einbrüche gibt es dagegen auf den Baustellen. „Da spreche ich mit den Kunden die Elektroinstallation ab und dann sind unsere Monteure ja allein auf der Baustelle“, sagt Schmülling. Auf Anraten der Großhändler kauft er zurzeit etwas mehr Material ein, um mögliche Engpässe überbrücken zu können.

Malermeister Thomas Lohle führt zurzeit keine privaten Aufträge mehr aus.

Malermeister Thomas Lohle führt zurzeit keine privaten Aufträge mehr aus. © Ingrid Wielens (Archiv)

Auch Malermeister Thomas Lohle führt zurzeit keine privaten Aufträge mehr aus. „Ich habe die letzte Baustelle abgeschlossen, es standen noch weitere Renovierungen bei Senioren an, aber die sind abgesagt. Ich habe mit allen Kunden telefoniert“, sagt er. Im Moment nutzt er die Zeit, um auf einer privaten Baustelle zu arbeiten.. „In der nächsten Woche wird es richtig flau“, sagt er. Lohle wartet auf besseres Wetter. „Dann kann ich mit den Außenbaustellen anfangen, das ist dann kein Problem.“

Privataufträge und Wartungen werden auch bei Heizungs- und Sanitärinstallateur Ludger Daldrup zurückgestellt. „Wartungen kann man verschieben, unser Notdienst ist aber nach wie vor im Einsatz“, sagt er.

55 Prozent der Betriebe sind betroffen

Laut einer Blitz-Umfrage der Handwerkskammer (HWK) Münster bei 1198 der 28.444 Betriebe geben 55 Prozent an, dass sie direkt von der Krise betroffen sind. In der Umfrage sehen sich die Betriebe am meisten betroffen von nachlassenden Kundenanfragen und Aufträgen. Regional ist die Betroffenheit unterschiedlich stark ausgeprägt: Gelsenkirchen 50 Prozent, Kreis Recklinghausen 42 Prozent, Kreis Warendorf 32 Prozent, Bottrop 30 Prozent, Münster und Kreis Borken 29 Prozent, Kreise Coesfeld und Steinfurt 27 Prozent.

Friseure, Kosmetiker und Fotografen

Die nachlassende Kundennachfrage und damit Umsatzrückgänge spüren die privaten Dienstleister wie Friseure, Kosmetiker und Fotografen am deutlichsten von allen handwerklichen Gewerbegruppen. Es folgen das Nahrungsmittelgewerbe und das Kraftfahrzeuggewerbe. Am wenigsten betroffen ist das Bauhauptgewebe.

Kammerpräsident Hans Hund betont, dass das heimische Handwerk hinter den ergriffenen Maßnahmen zur Verlangsamung der Virusausbreitung stehe. Er betont aber auch, dass diese Einschnitte zahlreiche Unternehmen existenziell gefährden und direkte Zuschüsse nötig seien.

„Jetzt kommt es auf schnelle und unbürokratische Soforthilfen für Handwerksbetriebe an. Es ist gut, dass nun auch Soloselbstständige einbezogen werden sollen, die bislang unberücksichtigt blieben.“ Mit Zuschüssen in Höhe von mindestens 5.000 bis 25.000 Euro müssten die Betriebe in die Lage versetzt werden, ihren Zahlungsverpflichtungen weiterhin nachkommen zu können, heißt es in einer Pressemitteilung der HWK.

Lesen Sie jetzt