Das erste Halterner Reisebüro wird 50 - so wurden früher Urlaube gebucht

rnJubiläum

Vor 50 Jahren eröffnete Halterns erstes Reisebüro. Die Stadt war besorgt. Ursula Rentzsch und Angelika Schmäing, die schon viele Halterner von einem Ort zum anderen brachten, erinnern sich.

Haltern

, 20.03.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Fred Fischer gab sich am 1. März 1969 die Ehre, zur Eröffnung seines Reisebüros an der Rekumer Straße einzuladen. Die Honoratioren der Stadt gratulierten und stießen mit ihm auf eine neue Geschäftsidee an. Das Reisebüro befand sich in Haus Nummer 13 und war gerade einmal zwölf Quadratmeter groß.

50 Jahre später sitzen Ursula Rentzsch und Angelika Schmäing im Reisebüro Haltern auf dem roten Sofa und erzählen von damals und heute. Ursula Rentzsch erfüllte bis 2011 bescheidene bis luxuriöse Reiseträume, ab 1976 (nach dem Tod von Fred Fischer) übernahm sie im Alter von gerade 24 Jahren verantwortlich die Geschäfte. Ihre Nachfolgerin, Reiseverkehrskauffrau Angelika Schmäing, gehörte schon seit 1990 zum Team. Sie ist heute die Inhaberin des Reisebüros und ist - bedingt durch den Umbau des früheren Hotels Geldermann zum Modehaus van Buer - mit dem Büro von der Rekumer Straße zum Gantepoth 2 gezogen.

Das erste Halterner Reisebüro wird 50 - so wurden früher Urlaube gebucht

Das Reisebüro Haltern wird 50, Inhaberin Angelika Schmäing (Mitte) und ihr Team feiern das mit ihren Kunden. © privat

Ursula Rentzsch arbeitete zunächst im städtischen Verkehrsbüro. Dort erteilte sie Auskünfte zu allen Reisefragen sowie Empfehlungen zu Ausflugszielen. Hier kümmerte sie sich auch um die Versorgung von auswärtigen Besuchern. 1969 beschloss der Stadtrat nach hitzigen Debatten, Reisedienste privaten Initiativen zu überlassen: Der Stadt wurde die Aufgabe zu teuer. In fünf Jahren habe man einen Zuschuss von 187.000 DM leisten müssen, schrieb die Halterner Zeitung.

Fernweh und Reisefieber

Zu dieser Zeit hatte Fred Fischer schon das Reisebüro Haltern gegründet. Wenn schon ein Reisebüro in Haltern nicht aus den roten Zahlen käme, so gab er im April in der Ratssitzung zu bedenken, so sei erst recht nicht möglich, zwei Reisebüros in der Stadt zu halten. Wenn die Stadt ihr Reisebüro fortbestehen lasse, müsse er sich etwas anderes überlegen. Die Stadt zog die Reißleine.

Dafür blühte im Haus Nummer 13 eine Idee auf. „An den Wänden zauberhafte Fotos von Reisezielen in aller Herren Länder. Da wurden Wünsche wach, für deren Erfüllung ein Urlaubsgeld in der Lohntüte bestimmt nicht reicht, da drang durch die Netzhaut ein Bazillus ein, gegen den kein Kraut gewachsen ist: Fernweh mit heftigem Reisefieber. Ach bitte, ist irgendwo in Paris oder Rom noch ein Zimmer frei?“, formulierte die Halterner Zeitung. Fred Fischer vertrat 20 namhafte Reiseveranstalter und bot ein reichhaltiges Reise- und Urlaubsprogramm an. Reisen per Bahn, Schiff und Flugzeug in alle Kontinente konnten gebucht werden.

Das erste Halterner Reisebüro wird 50 - so wurden früher Urlaube gebucht

Ursula Rentzsch verkaufte Träume und reiste auch selbst rund um die Welt. © Bruno Lücke

Jahrzehnte verkaufte Ursula Rentzsch Träume und Sehnsüchte und schickte ihre Kunden rund um den Erdball. Sie stillte selbst das Fernweh zum Nord- und Südpol, nach San Francisco und Hawaii.

Die Anfänge allerdings waren spartanisch. Die Buchungen erledigte Ursula Rentzsch zunächst ausschließlich auf dem Postweg, Fahrkarten nach Oberstdorf oder Mittenwald füllte sie per Hand aus. Dann wurde Rimini schick, die ersten Flieger starteten nach Italien. Was heute wenige Sekunden dauert, brauchte Tage Vorlaufzeit. „Ich hatte zwei Kursbücher, in denen sämtliche Flugverbindungen aufgelistet waren. Monatlich wurden sie erneuert.“ Erst 1983 kaufte Ursula Rentzsch den ersten Computer.

Mehrmals um den Globus

In den 70er- und 80er-Jahren entwickelte sich ein Reiseboom. Flugreisen allerdings waren recht teuer. Ein Fußballfan, der 1970 einen Flug zur Weltmeisterschaft nach Mexiko mit Umweg über New York buchte, zahlte 3000 DM.

Ursula Rentzsch war permanent auf Reisen, umrundete mehrmals den Globus. Auch Angelika Schmäing und ihr Team halten das so. „Die Kunden fragen schließlich immer nach Erfahrungen“, erzählt Angelika Schmäing.

„Qualität setzt sich durch“

Die Ferne sei heute sehr gefragt, sagt sie. Besonders beliebt seien Reisen nach Australien oder Südafrika beispielsweise und unschlagbar populär sei es, mit Schiffen über die Meere zu kreuzen. Angelika Schmäing ist überzeugt, dass trotz Online-Konkurrenz die Reisebüros vor Ort eine Zukunft haben. „Qualität in Beratung und Betreuung setzt sich durch.“ Kunden, die zunächst wegen des Internets abgewandert seien, seien zum größten Teil wieder zurückgekehrt. „Die Kunden wissen eben, dass wir uns immer kümmern.“

Der Beruf ist Berufung, ist Leidenschaft: Sowohl für Ursula Rentzsch als auch Angelika Schmäing. „Wir wollten nie etwas anderes machen“, sagen sie unisono.

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