Das sagen die Halterner zum geplanten G9-Abitur

Umfrage

Die Koalitionsrunde aus CDU und FDP im Düsseldorfer Landtag will die Prioritäten in Sachen Abitur umkehren. G9 soll wieder erste Wahl werden. Wir haben viele verschiedene Betroffene gesprochen - die Rückkehr zum alten System könnte die Stadt Haltern vor einige Probleme stellen.

HALTERN

, 09.06.2017, 16:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das sagen die Halterner zum geplanten G9-Abitur

Lernen könnte wieder entspannter werden hoffen (v.l.): Marc Hofschneider, Charlotte Kleine und Christopher Lenhart vom Joseph-König-Gymnasium.

Mehr Raum wird gebraucht:

Ulrich Wessel, Schulleiter des Joseph-König-Gymnasiums hat vor allem einen Wunsch: dass in die Diskussion der Unterrichtsformen wieder Ruhe einkehrt, wie er in einer Stellungnahme schreibt. Eine Rückkehr zu G9 bedeute, dass neue Schulbücher eingeführt werden müssen, dass die Kernlehrpläne seitens des Landes überarbeitet werden müssen, dass die Schulen die schulinternen Lehrpläne anpassen müssen. „Das kostet Kraft, das bindet Energie, das dauert“, so Ulrich Wessel.

Vorhandener Raum könne nicht einfach wieder genutzt werden, weil dort inzwischen andere Angebote untergebracht sind, wie Inklusionsklassen, Beschulung von Asylbewerberkindern oder Differenzierungsräume. „Man wird nicht umhinkommen, sich Gedanken über eine Erweiterung des Schulzentrums zu machen, werden doch jetzt schon Räume der Hauptschule vom Gymnasium mitgenutzt. Hier bedarf es sicherlich eines Landesprogramms zur Finanzierung der Mehrkosten“, so der Leiter des Gymnasiums weiter.

Voraussetzungen müssen stimmen:

Schulpflegschaftsvorsitzende Magdalene Fry erwartet von G9 ebenfalls eine Entlastung der Schüler, gibt aber genau wie Ulrich Wessel zu bedenken, dass dafür neue Voraussetzungen geschaffen werden müssen. „Es sind ja gerade für den Nachmittagsunterricht räumliche Veränderungen vorgenommen worden. Eine neue Mensa wurde errichtet. Eine Rückkehr wird nicht ohne Kosten zu bewältigen sein. Die Ideallösung wäre sicher eine individuelle Wahl an den Schulen, aber das ist natürlich nicht organisierbar. G8 war für einige Schüler gut zu bewältigen, aber G9 würde eher allen Schülern gerecht. Eine Umkehr wird sicher viel Geld und Geduld erfordern.“

Ich kenne bisher nur G8“, sagt Marc Hofschneider, Schülersprecher des Gymnasiums. „Aber es ist in der Tat so, dass wenig Zeit für anderen Interessen bleibt“. Mit Stufensprecherin Charlotte Kleine ist er sich einig: „Es macht nur Sinn zurückzukehren, wenn der Nachmittagsunterricht entfällt. Das ist die größte Belastung“.

Mehr Zeit für außerschulische Dinge:

Gregor Coerdt ist als Pastoralreferent der katholischen Gemeinde St. Sixtus unter anderem in der Firmvorbereitung tätig. „Nach G8 hat sich gezeigt, dass die älteren Schüler immer weniger Zeit hatten. Vorbereitungstreffen in der Woche waren nicht mehr möglich und am Wochenende konkurriert man dann mit anderen Interessen. Die Jugendlichen konnten immer weniger die Erfahrung des ehrenamtlichen Engagements machen.“ Coerdt befürchtet, dass dies auch Auswirkungen auf das Erwachsenenalter hat. „Wer die Erfahrung in der Jugend nicht macht, macht sie auch als Erwachsener kaum noch. Das hat Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft. Ich habe die Hoffnung, dass sich die Belastung wieder lockert, aber das wird dauern. Ein Zurück zu alten Verhältnissen von heute auf morgen ist sicher nicht zu erwarten“.

Auch die evangelische Jungendarbeit musste in den vergangenen Jahren feststellen, dass Jugendliche aufgrund von erhöhtem Druck in der Schule nicht mehr in der Lage waren, regelmäßig an den Angeboten teilzunehmen. „Viele haben zwar ein Interesse daran, sich zu engagieren, sagen aber oft spontan wieder ab, wenn wichtige Klausuren oder Referate anstehen“, berichtet Jugendreferentin Karolin Wengerek. Damit lernten Jugendliche kaum mehr Zuverlässigkeit gegenüber anderen Bereichen als Schule. „Zum anderen können sie so nur schwer Kontakt zu jüngeren Gemeindemitgliedern aufbauen“, ergänzt Pfarrer Bastian Basse.

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