Das sagen Halterns Wahlkandidaten zu Rente, Diesel und Co.

Bundestagswahl 2017

Mehr als 120 Zuschauer, fünf Wahlkandidaten, 90 Minuten Diskussion: Die Halterner Vertreter von SPD, CDU, Grüne, Linke und FDP diskutierten am Donnerstagabend ihre Ziele für die Bundestagswahl. Hier lesen Sie die wichtigsten Aussagen des Abends.

HALTERN

, 15.09.2017, 12:24 Uhr / Lesedauer: 4 min
Das sagen Halterns Wahlkandidaten zu Rente, Diesel und Co.

Die Direktkandidaten zur Bundestagswahl mit den Organisatoren der Podiumsdikussion.

"Es bedarf bei jedem Menschen nur eine Eigenschaft, um nicht die AfD zu wählen - und das ist Anstand!" - Karlheinz Auerhahn, IG BCE, in seiner Begrüßung. In Haltern am See gibt es keinen Direktkandidaten der AfD.

"Menschen mit mittleren und niedrigen Einkommen müssen am Reichtum teilhaben. Meine Partei hat da auch schlechte Reformen auf den Weg gebracht. [...] Ohne Gas und Kohle wird es lange nicht gehen. Die Energiewende müssen Leute bezahlen und das muss sozial ausgewogen sein. Das darf man nicht dem Markt überlassen." - Michael Groß, SPD.

"Kohlekraftwerke sind sicherlich nicht von heute auf morgen abzuschalten. Aber die 20 dreckigsten müssen abgeschaltet werden. Wir können einigermaßen saubere Kraftwerke bauen lassen. Das geht. [...] Feinstaub ist ein Thema, das uns alle betrifft. Unser Ziel ist, CO2-neutral Energie zu erzeugen, aber wir müssen über die Speicherung reden." - Rita Magdalena Nowak (Grüne)

 "Bei der Energie kann man nie einen Plan für die Ewigkeit aufstellen. Wir benötigen einen Mix und müssen offen sein für neue Technologien. Elektroautos sind zum Beispiel für Pflegedienste oder die Post eine Alternative, aber nicht für alle. Ich sträube mich energieintensive Betriebe zu verbieten und dafür Dinge aus dem Ausland einkaufen zu müssen." - Rita Stockhofe (CDU)

"Wir brauchen nicht mehr Windräder, sondern bessere Netze. Über Speicherkapazitäten hätte man vor Jahren nachdenken müssen. Wir brauchen einen Mix aus regenerativen Energien und Braunkohle. [...] Wir müssen Konzernen die Möglichkeit geben, offen weiterzudenken. Der Diesel ist eine gute Technik, die funkioniert. Man muss die Kriminellen bestrafen, aber nicht die Technik. Wir müssen da ideologiefrei rangehen." - Dr. Andres Schützendübel (FDP)

„Ich halte es für einen Riesenskandal, was die Autoindustrie mit den Verbrauchern gemacht hat, aber auch was wir in Berlin mit den Verbrauchern gemacht haben. Manager, die für den Schaden verantwortlich sind, müssen in Haftung genommen werden. Die Elektrotechnologie ist auch nicht wirklich umweltfreundlich, da warne ich vor Schnellschüssen.“ – Groß (SPD)

„Ich halte überhaupt nichts von Elektroautos. Aber wo sind unsere Forscher, wenn es um die Wasserstofftechnologie geht?“ – Petra Willemsen (Linke)

„Wir haben in den letzten zwölf Jahren im Haushalt die Summe für Bildung und Forschung mehr als verdoppelt. Ich glaube, dass wir auf einem guten Weg sind, aber kein Allheilmittel haben. Es gibt noch ein Riesenpotenzial beim Energiesparen. Ich bin kein Freund von Dauersubventionen, aber von Anschubfinanzierungen auf jeden Fall. Wir müssen unsere Art des Lebens überdenken, dann müssen wir auch nicht so viel Energie produzieren.“ – Stockhofe (CDU)

Auf den folgenden Seiten geht es um die Themen Rente, Digitalisierung und Pflege.

„Ich halte die Rentenreformen von Franz Müntefering nicht für zukunftsfähig. Wir wollten ein Rentenniveau von mehr als 50 Prozent, haben jetzt 48 Prozent beschlossen. Aus meiner Sicht müssen alle einzahlen. [...] Keine Rente mit 70! Wir haben als SPD durchgesetzt, dass man nach 45 Versicherungsjahren abschlagsfrei in die Rente gehen kann. Es ist ein Skandal, wenn jemand nach 35 Jahren nur 600 Euro bekommt und noch arbeiten gehen muss.“ – Groß (SPD)

„Ich bin für das österreichische Konzept, sodass wirklich alle einzahlen. Es muss eine solidarische Mindestrente von 1050 Euro geben. Es ist beschämend, wenn ein Rentner Grundsicherung beantragen muss. [...] Mit 65 ist Schluss – oder mit 60, wenn man 40 Jahre lang eingezahlt hat.“ – Willemsen (Linke)

„Wir haben ein Rentenmodell aus der Zeit von Bismarck, immer weniger Leute sind heute 40 Jahre beim selben Arbeitgeber. Wir wollen eine steuerfinanzierte Grundrente, dazu eine Pflichtversicherung, in die alle einzahlen und außerdem eine betriebliche Vorsorge. Zusätzlich ist dann noch eine private Absicherung möglich. [...] Man muss flexibel in den Ruhestand gehen können, früher oder später, je nachdem wie man kann.“ – Nowak (Grüne)

 

„Wir von der CDU sagen, wir brauchen ein Drei-Säulen-Modell: auf der einen Seite aus gesetzlicher Rentenversicherung wie wir sie jetzt haben. Die zweite Säule ist die Betriebsrente, da haben wir ein neues Gesetz geschaffen. Und die dritte Säule ist die private Altersvorsorge. Dazu gibt es auf Landesebene die Diskussion, die Grunderwerbssteuer für privates Wohneigentum zu senken oder abzuschaffen. Das ist auch eine Form der Altersvorsorge. Dazu wollen wir das neue Baukindergeld. [...] Zurzeit ist es erklärtes Ziel, mit 67 in die Rente zu gehen, aber weiterzuarbeiten wenn man möchte.“ – Stockhofe (CDU)

„Wir sind für ein Drei-Säulen-Modell genau wie die CDU, dazu mehr Flexibilisierung beim Renten-Einstieg. Die Rente mit 67 ist keine Schallmauer. Vielleicht bin ich selbst mit 70 noch als Berater tätig, weil ich die Arbeit als Bereicherung sehe.“ – Schützendübel (FDP)

Lesen Sie hier mehr über Digitalisierung und Pflege.

„Eine Verteilung von Gewinnen durch Automatisierung würde ich ablehnen. Wir werden andere Arbeitsplätze haben, aber nicht weniger. Digitalisierung schafft auch Arbeitsplätze. Es ist aber richtig, dass der Reichtum auf der Welt ungerecht verteilt ist. Es ist aber nur Aufgabe der Politik, den Leuten die Ausgangsbedingungen zu schaffen, damit die Leute aus eigener Kraft Wohlstand erreichen können.“ – Schützendübel (FDP)

„Durch die Digitalisierung gibt es eventuell höhere Gewinne, dann zahlt derjenige auch mehr Steuern. Davon profitieren dann wieder alle. Derjenige trägt aber auch das unternehmerische Risiko und das muss belohnt werden, wenn das Unternehmen funktioniert.“ – Stockhofe (CDU)

„Die Bürgerversicherung bedeutet, alle zahlen ein, alle kriegen Leistungen heraus und es wird alles besteuert. Es gibt Selbstständige, die gut verdienen, aber auch die, die am Existenzminimum rumknabbern.“ – Nowak (Grüne)

„Wir fordern, dass wir mindestens 100.000 Pflegekräfte einstellen müssen. Wir wollen eine Bürgerversicherung, die unsere Zwei-Klassen-Medizin nicht mehr mitträgt.“ – Willemsen (Linke)

„Bürgerversicherung ja, alle zahlen ein, wir wollen die Zwei-Klassen-Medizin abschaffen. Jeder muss Zugang zur besten Medizin haben. Die Frage, wie wir das finanzieren, ist eine Frage der Verteilung von Reichtum und Armut in Deutschland. Man schätzt das Vermögen in Deutschland zwischen 6 und 10 Billionen Euro. Ganz wenige Menschen in Deutschland besitzen ganz viel. Wenn man die Superreichen belasten würde, wäre morgen die öffentliche Hand schuldenfrei. Das wäre doch mal ein Weg.“ – Groß (SPD)

 

„Martin Schulz ist deutlich weiter von Frau Merkel in den Umfragen entfernt als ich von dem Kandidaten hier.“ – Stockhofe (CDU)

„Dann reden wir doch über die Internationalistische Liste, die Leute beherbergt, die den Terror in Israel nicht so schlecht finden.“ – Moderator Martin Kaysh zu Sabine Leopold, Halterns sechster Direktkanditatin (Internationalistische Liste/MLPD), die nicht eingeladen war und sich aus dem Publikum zu Wort meldete. Leopold findet es undemokratisch, als einzige nicht eingeladen zu sein.

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