Die Einsturzstelle ist weiträumig abgeriegelt und darf wegen der noch folgenden Untersuchungen nicht betreten werden. Die Trümmer, teilweise mit Glasfaserstaub benetzt, müssen als Sondermüll entsorgt werden. © Guido Bludau
Windpark AV 9

Das sagt der Windturbinenbauer Nordex zum Windrad-Einsturz in Haltern

Die Windturbine Nordex N149 gilt als sehr robust. Warum ein Windrad diesen Typs in der Hohen Mark eingestürzt ist, will das Unternehmen jetzt klären. Solch ein Unfall sei sehr, sehr selten.

Der Einsturz des 1200 Tonnen schweren Windrades in Haltern-Lippramsdorf ist auch in Hamburg Thema. Denn dort befindet sich der Firmensitz von Nordex SE. Jenem Unternehmen, das sich auf die Fertigung, Errichtung und Wartung von Windkraftanlagen spezialisiert hat und das die beiden Windräder vom Typ N149 für den Windpark AV 9 lieferte. Die beiden Zwillinge stehen nahe des früheren Wetterschachtes AV 9 gut 450 Meter auseinander. Auf Nachfrage äußerte sich Nordex zum Unfall mit Millionenschaden.

In der über 35-jährigen Unternehmensgeschichte sei es bereits zu Havarien gekommen. Bei einer weltweiten Errichtungskapazität von über 35 Gigawatt lägen diese im Promillebereich. „Somit sind solche Unfälle sehr, sehr selten“, erklärte ein Unternehmenssprecher.

Nordex: Das ist die erste Havarie dieses Turbinenmodells

Die N149 sei eine sehr robuste Turbine. „Insgesamt hat Nordex weltweit 1222 Windräder beziehungsweise 5,7 Gigawatt dieses Modells errichtet oder baut sie aktuell auf. Die Turbinen haben aber zum Teil unterschiedliche Konfigurationen. Dies ist die erste Havarie dieses Modells“, heißt es in der Mitteilung. Insgesamt gibt es 23 Anlagen diesen Typs.

Die Geschäftsführer des Windparks AV 9: Dr. Bernhard Klocke (Stadtwerke Haltern) und Jessica Meier (RAG Montan Immobilien).
Die Geschäftsführer des Windparks AV 9: Dr. Bernhard Klocke (Stadtwerke Haltern) und Jessica Meier (RAG Montan Immobilien). © Schrief © Schrief

Ein Nordex-Team aus Service-Technikern vor Ort und der Zentrale in Hamburg arbeite in Absprache mit dem Kunden, der Windpark-Gesellschaft, daran, die Situation zu evaluieren.

Eine Aussage über die Ursache kann das Hamburger Unternehmen aktuell aber noch nicht treffen. Man versuche zurzeit, den Grund für den Einsturz zu ermitteln. Das könne durchaus längere Zeit in Anspruch nehmen.

Zwillings-Windrad wird erst auf seine Sicherheit geprüft

Das zweite Windrad steht seit dem Einsturz still, wie auch deutschlandweit alle Windenergieanlagen diesen Typs erst einmal ausgeschaltet sind. Zum jetzigen Zeitpunkt kann Nordex noch nicht konkret sagen, wann eine Wiederinbetriebnahme erfolgen kann. „Sicherheit geht hier vor. Eine Netzzuschaltung erfolgt erst dann, wenn unsere Sicherheitsprüfung abgeschlossen und ein sicherer Betrieb gewährleistet werden kann“, betont der Unternehmenssprecher.

„Wir haben jedenfalls im Moment keine Lust, es wieder anzustellen“, Dr. Bernhard Klocke (Stadtwerke Haltern) und Jessica Meier (RAG Montan Immobilien), die beiden Geschäftsführer des Windparks, sind ziemlich verärgert. „Wir hoffen, Nordex ist sich seiner Verantwortung bewusst. Wir können einen solchen Vorfall nicht akzeptieren“, richtet Dr. Klocke nahe der Einsturzstelle klare Worte an das Hamburger Unternehmen.

„Wir erleben eine riesengroße Enttäuschung“

Er sagt auch, RAG Montan Immobilien und Stadtwerke wollten weiterhin in Windenergie investieren. Die Frage sei nur, so Dr. Bernhard Klocke, ob neue Windräder immer höher und leistungsfähiger sein müssten.

Die Wahl für die beiden Windräder im Windpark Hohe Mark sei wegen des besten Preis-Leistungsverhältnisses auf Nordex gefallen, sagen die Geschäftsführer. Das Unternehmen habe zudem größten Windertrag versprochen. „Jetzt erleben wir eine riesengroße Enttäuschung.“

Der Trupp, der das Windrad aufgebaut hatte, kam am Donnerstag auch zur Unglücksstelle, um sich die Ausmaße anzusehen. „Das ist brutal“, schüttelte einer der Männer den Kopf darüber, dass alle Mühen umsonst gewesen sind.

Beton-segmente mit achteckigem Grundriss

Die beiden Anlagen gehören derzeit zu den größten Onshore-Windrädern in Deutschland. Der untere Turmabschnitt ist bis auf die Höhe von 98,5 Meter aus einzelnen vorgefertigten Beton-Segmenten mit achteckigem Grundriss zusammengesetzt.

Auf diesen wurden dann noch zwei Stahlturm-Segmente mit 28,5 m und 35 m Länge aufgesetzt. Bis zur Gondel, in der sich der Rotor mit der Nabe befindet, erreicht der Turm die Gesamthöhe von 164 Metern.

Das größte eingebaute Betonsegment hat ein Einzelgewicht von 17 Tonnen. Das Gesamtgewicht eines der baugleichen Türme inklusive der zwei Stahlturm-Segmente liegt bei etwa 1200 Tonnen. Die Fundamente der beiden Anlagen haben ein Gewicht von je rund 2100 Tonnen, die die Standsicherheit auch bei großen Windbelastungen gewährleisten.

Je nach Windverhältnissen können die beiden Anlagen bis zu 23 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen und etwa 6600 Drei-Personen-Haushalte mit Strom versorgen. Die CO2-Einsparung wird auf ca. 15.000 Tonnen pro Jahr beziffert.

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Redaktion Haltern
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Elisabeth Schrief