Der Abriss des einstigen Hotels Seestern am Halterner Stausee hat begonnen

rnFerien-Appartements geplant

Die Ära des Hotels Seestern begann 1958 mit einer furiosen Eröffnungsfeier, nun geht sie mit dem Abriss zu Ende. Für einen Neubau sind allerdings noch nicht alle Voraussetzungen geschaffen.

Haltern

, 05.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zu Füßen der Bauruine türmt sich das, was die Mitarbeiter einer Abbruchfirma aus Ahaus in den letzten Wochen beim Entrümpeln zu Haufen aufgeschichtet haben: Bretter, Fassadenverkleidung, Duschtassen, Fensterrahmen ... Was nicht auf dem Hof liegt, ist als Sondermüll in großen Säcken verpackt. Es sieht gerade wüst aus an der prominenten Stelle am See.

Das Abfallentsorgungskonzept ist rund 50 Seiten stark, es ist der Leitfaden für die Abbruchfirma. Das Konzept enthält eine Vielzahl von Auflagen. Wie zum Beispiel die Trennung des Mülls in unterschiedliche Fraktionen. Der Kreis wacht darüber, dass die Vorgaben eingehalten werden. Die ersten Arbeiten an der Ruine konzentrieren sich auf das Entkernen des Gebäudes bis auf das Betongerüst, dann folgt das Abfahren des Mülls.

Moderne Wohnungen

So sind die Tage des einst renommierten Hotels und Ausflugslokals an der Hullerner Straße 40 angezählt. Bis Ende Juni soll die Ruine abgerissen sein, erklärte die Eigentümergesellschaft auf Nachfrage. An gleicher Stelle soll dann ein modernes drei- bis fünfgeschossiges Appartementhaus mit Ferienwohnungen entstehen. Zum Baustart möchten sich die Eigentümer noch nicht äußern. Aus dem beteiligten Münsteraner Architekturbüro Maas hieß es, zurzeit liege eine Konzeptplanung vor, weitere Schritte würden mit der Stadt Haltern abgestimmt.

Der Abriss des einstigen Hotels Seestern am Halterner Stausee hat begonnen

So könnten die neuen Ferien-Appartements aussehen, die auf dem Seestern-Grundstück gebaut werden sollen. © Konzeptplanung Maas

Der Rat der Stadt Haltern hatte im Juni 2018 beschlossen, einen Bebauungsplan aufzustellen. Das Verfahren muss noch zu Ende geführt werden, erklärte Baudezernentin Dr. Andrea Rüdiger. Siegfried Schweigmann (Leiter für den Bereich Rechts- und Standesamtswesen der Stadt Haltern) geht davon aus, dass der Bebauungsplan Ende 2019/Anfang 2020 verabschiedet wird. Zwei bis drei Monate vor Satzungsbeschluss können die Bauanträge gestellt werden. „Zurzeit gibt es weder Plan- noch Baurecht“, betonte Schweigmann. Es müssten noch Gutachten in Auftrag gegeben werden, außerdem gehöre zum Verfahren eine weitere Bürgerbeteiligung. „Die Stadt arbeitet gut und vertrauensvoll mit dem Franz-Sales-Haus in Essen und der Seestern-Gesellschaft zusammen“, sagte er. Alle Beteiligten hätten ihre Ziele klar vor Augen.

Kein Dauerwohnen

In der Satzung ist festgelegt, dass ein Dauerwohnen in den neuen Ferienappartements nicht möglich sein wird. Das gilt eigentlich auch für das einst an den Seestern angekoppelte Appartementhaus. Hier blieb die Stadt jedoch nicht konsequent, sodass Dauerwohnen üblich ist und geduldet wird.

In direkter Nachbarschaft zu den Ferienappartements plant das Franz-Sales-Haus aus Essen auf städtischem Grund ein barrierefreies Drei-Sterne-Inklusions-Hotel mit 80 Betten, Tagungsräumen, Wellness-Bereich und Außen-Gastronomie. 25 Menschen mit Behinderungen sollen hier Arbeitsplätze finden. Den Abriss des Seesterns hatte das Franz-Sales-Haus zur Bedingung gemacht, als es sich für Haltern als Hotel-Standort entschied.

Architekten ausgewählt

Direktor Hubert Vornholt sagte auf Nachfrage zum Stand der Planungen: „Das Kuratorium des Franz Sales Hauses hat sich für den Entwurf eines Architekten entschieden und wird jetzt Gespräche über die Ausführung aufnehmen.“ Im nächsten Schritt werde es dann um die Detailplanung, um Grundrisse und die genaue Kostenkalkulation gehen, damit das Kuratorium bis Ende des Jahres den Bauantrag bei der Stadt Haltern einreichen könne. Sobald der Antrag genehmigt sei, werde mit dem Hotelbau begonnen. Geplant ist, so Hubert Vornholt, eine Investitionssumme im niedrigen zweistelligen Millionenbereich.

Die Erschließung beider Gebäude erfolgt über die Hullerner Straße, eine direkte Anbindung an die Bundesstraße 58 lehnt der Landesbetrieb Straßen.NRW bislang ab.

Internationale Gäste

Die Eröffnung des Seesterns am 30. April 1958 feierte das Ehepaar Maria und Walter Ridder mit lokaler Prominenz aus Politik und Verwaltung.

Der Abriss des einstigen Hotels Seestern am Halterner Stausee hat begonnen

Ein Bild aus dem Jahre 1967. Damals gab es neben dem „Seestern“ noch kein Wohnhaus und die Bundesstraße verlief noch direkt am See entlang. Hinter dem Hotel am Fußweg zur alten Steinbrücke über die Stever standen Behelfsheime. © Archiv Backmann

„Der Seestern ist neuer Mittelpunkt des Fremdenverkehrs am Halterner See“ titelte die Halterner Zeitung am 1. Mai. Tagungen wurden hier abgehalten, internationale Fußballteams bezogen im Seestern ihr Quartier, Tanzverstaltungen stifteten manche Ehe, Kegelclubs hatten hier ihr Stammlokal, selbst ein Spielcasino etablierte sich.

1991 wurde das Hotel an eine Schweizer Unternehmensgruppe verkauft, 2003 geschlossen und 2006 versteigert. Auf der Suche nach einem neuen Konzept gab es von da an unendliche Diskussionen und jahrelang großen Ärger um einen geforderten Abriss.

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