Die Bundestagskandidaten in der Arena: Dafür stehen sie

Bundestagswahlen 2021 - Mit Video

Fünf Kandidaten und eine Kandidatin unseres Wahlkreises Recklinghausen II haben sich den Fragen unseres Moderationsteams Martina Möller und Frank Bergmannshoff gestellt. Wer hat überzeugt?

Marl

, 17.09.2021, 21:50 Uhr / Lesedauer: 3 min
Wahlarena mit den Bundestagskandidatinnen und -kandidaten aus dem Wahlkreis 122 im Medienhaus Bauer mit (v. l.) den Moderatoren Frank Bergmannshoff und Martina Möller sowie Robin Conrad (Grüne), Lars Ehm (CDU), Ulrike Eifler (Linke), Robert Heinze (FDP) sowie Bernard Keber (AfD) und Brian Nickholz (SPD).

Wahlarena mit den Bundestagskandidatinnen und -kandidaten aus dem Wahlkreis 122 im Medienhaus Bauer mit (v. l.) den Moderatoren Frank Bergmannshoff und Martina Möller sowie Robin Conrad (Grüne), Lars Ehm (CDU), Ulrike Eifler (Linke), Robert Heinze (FDP) sowie Bernard Keber (AfD) und Brian Nickholz (SPD). © Meike Holz

Angriffe blieben in der Wahlarena die Ausnahme. Fünf Bundestagskandidaten und eine Kandidatin der großen Parteien haben sich den Fragen unserer Redaktion gestellt - und zumeist sachlich, auf die Zukunft gerichtet geantwortet. MZ-Lokalchefin Martina Möller und Frank Bergmannshoff, Leiter der Lokalredaktion der Hertener Allgemeine, fühlten ihnen auf den Zahn.

Klimaschutz

Auf dieses Thema hat sich Robin Conrad (Grüne), mit 24 Jahren jüngster Kandidat, im Politikstudium spezialisiert: Er stehe für einen Dialog mit der Industrie. In der Übergangszeit der Energiewende brauche Deutschland eine Entfesselung der Wind- und Solarenergie. Conrad: „Auf jedes Dach gehört eine Solaranlage.“

Lars Ehm (CDU), als NRW-Ministerialrat und Beigeordneter ämtererfahren, will Deutschland mit seiner Partei bis 2045 zum klimaneutralen Industrieland machen - unter Beibehaltung der Arbeitsplätze in dieser Region. Ehm: „Der Kohlekompromiss, vereinbart mit Gewerkschaften und Unternehmen, steht.

Ulrike Eifler (Linke) geht es um den Umbau, nicht den Abbau von Industrie und Arbeitsplätzen. Emscher-Lippe habe Potenzial als Wasserstoff-Industrieregion.

Für den erfahrenen Kommunalpolitiker Robert Heinze (FDP) ist grüner Wasserstoff ein Zukunftsthema. Er setzt auf Bürokratie-Abbau und Innovation: „Tempolimit ist eine Bauchfrage, hat aber mit der Einsparung von CO2 nichts zu tun.“

Bernard Keber (AfD) will weiter eine Versorgung mit Atomenergie: „ So lange bis man sichere Energielieferanten hat.“

Brian Nickholz (SPD) hofft auf eine rot-grüne Koalition, die Klimaschutz und Industriepolitik vereinigt: „Wir wollen Industrieregion bleiben, dafür brauchen wir Wasserstoff und Potenzial wie gate.ruhr.“ Mit den Menschen müsse ehrlich und offen über den Energiebedarf gesprochen werden.

Verkehr

Robin Conrad geht es um die Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer. Teils werde es zu Einschränkungen für den Autoverkehr durch mehr Fahrradstreifen kommen. Das sei eine Chance: „In Innenstädten haben wir ein Parkproblem. Viele Parkflächen können wir anderes nutzen - für Wohnungen, Spielplätze, Grün!“

Lars Ehm, selbst oft mit dem Fahrrad unterwegs, sieht eine unzureichende Radwege-Infrastruktur. „Dass große Städte in unserer Region keinen eigenen Bahnhof haben, ist ein Treppenwitz. Da müssen wir ran - mit ganz viel Geld.“

Ulrike Eifler (Linke) geht es um ein neues Mobilitätskonzept und den Ausbau von Bus und Bahn: „Wir brauchen kurze Wege zum Job und zur Freizeit.“

Robert Heinze warnt davor, „dass wir die Verkehrswende und neue Zugverbindungen ruckzuck geregelt kriegen“. Er fragt: „Warum kann man nicht ein Einheitsticket für verschiedene Verkehrsverbünde machen?“

Bernard Keber (AfD) regt kostenfreie Busfahrten an - auch damit Frauen abends sicher nach Hause kommen.

Brian Nickholz wünscht sich zumindest für Kinder und Jugendliche ein kostenfreies Bus- und Bahnangebot. Er will den ÖPNV stärken - „damit man sich wie in Berlin darauf verlassen kann: In zehn Minuten kommt der nächste Zug.“

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Schulen und Kindergärten

„Wir Grünen hätten mehr Geld für Digitalisierung in Schulen gefordert“, sagt Robin Conrad. Damit auch finanzschwache Städte Ganztagsplätze finanzieren können, müsse der Bund in die Kitas investieren.

Für Lars Ehm ist die Schule auch ein Ort, in dem Sozialkompetenz erlernt wird, deshalb sei Präsenzunterricht wichtig. Auch Ehm sieht den Bund in der Pflicht, digitale Bildung zu finanzieren.

Ulrike Eifler fordert ebenfalls mehr Mittel für Schulen: „Digitalisierung ist wichtig, aber es braucht auch mehr Schulpsychologen. Erzieherinnen bekommen wir, indem wir sie gut bezahlen.“

Robert Heinze erinnerte daran, dass nur 2,8 Prozent der Mittel für den Digitalpakt Schulen abgerufen worden seien. Grund sei die Bürokratie. Der Bund sollte Verantwortung für die Infrastruktur und Bausubstanz der Schulen übernehmen.

Bernard Keber ist für ein bundesweit einheitliches Schulsystem. Von Kitas hält er nicht viel: „Wenn sich eine Familie gründet, sollte man Kinder zu Hause betreuen.“

Brian Nickholz will mehr Investitionen in die Digitalisierung. Beim Offenen Ganztag gehe es auch um Bildung. Fachkräfte müssten besser vergütet werden. Nickholz: „Ich möchte, dass Kinderrechte ins Grundgesetz geschrieben werden.“

Finanzen

Robin Conrad warnt vor bankrotten Kommunen: „Wir sollten über den Vermögenssteuersatz reden.“

Das will auch Gewerkschafterin Ulrike Eifler: „Wer Millionäre nicht besteuern will, hat alles andere als ein seriöses Steuerkonzept.“ Sie hofft auf eine rot-rot-grüne Koalition, die die „Umverteilung von unten nach oben“ rückgängig macht.

Lars Ehm stört das kommunale Ungleichgewicht: „In Städten mit Haushaltsnot und sozialen Herausforderungen kann man viel weniger machen als in der Rheinschiene. Da müssen wir was ändern.“

Robert Heinze will darauf drängen, dass Steuern nicht erhöht, der wahnsinnige Schuldenkreislauf gestoppt wird. Er fordert die Insolvenzfähigkeit von Kommunen.

Auch Bernard Keber (AfD) ist gegen Steuererhöhungen. „Man kann nicht einfach mit Altschulden weiter machen, muss einen Kassensturz machen.“

Brian Nickholz (SPD) meint, dass ein kommunaler Altschuldenfonds den Städten hilft: „Aber damit haben wir uns an der Union und Armin Laschet die Zähne ausgebissen.“ Die SPD habe einen Kanzlerkandidaten, der den Fonds will.

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