Die Digitalisierung aus Lehrersicht: „Ein Baustein von Unterricht“

rnDigitalisierung an Schulen

Ein erheblicher Teil der Kommunikation an der Realschule Haltern läuft über die eigene Schulcloud. Die Schule geht auch eigene Wege, um die Digitalisierung fortzusetzen.

Haltern

, 16.11.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Pro Monat werden über die Schulcloud der Alexander-Lebenstein-Realschule rund 40.000 Nachrichten versendet. Die Plattform, die tatsächlich den Namen „schul.cloud“ trägt, hat sich zu einem wichtigen Baustein für Kommunikation an der Schule entwickelt. Jeder, Lehrer, Schüler und Eltern, kann einzeln oder in Gruppen miteinander Kontakt halten.

Die Digitalisierung an den Halterner Schulen hat längst begonnen und erhielt durch die Corona-Pandemie einen Schub. Es habe Vorbehalte gegenüber der Nutzung digitaler Hilfsmittel für den Unterricht im Kollegium gegeben. Davon sei zweieinhalb Jahr nach Einführung der Schulcloud weniger zu spüren, erklären Schulleiter Frank Cremer sowie Konrektorin Christiane Bloch und Konrektor Thomas Sohn.

Die digitalen Hilfsmittel sind mit Mehrwert verbunden

„Das Interesse nimmt zu, die Unsicherheiten nehmen ab“, fasst Martin Rennemeier als Medienbeauftrager der Schule die Situation zusammen. Frühere Skeptiker hätten gemerkt, dass der Einsatz neuer Technik durchaus Mehrwert bringe und die Arbeit sogar erleichtern kann.

Wie bei der Schulcloud verfolgt die Realschule auch beim Thema Fortbildung einen eigenen Weg. Sie wartet nicht unbedingt auf Angebote des Landes, sondern wird selbst aktiv. Zum Konzept gehört, dass Kollegen, „die sich in ein Thema hereingefuchst haben“ (Frank Cremer), als Multiplikatoren für ihre Kollegen wirken.

So werde Wissen über Mikrofortbildungen weitergegeben. Diese kleinen Inputs seien schnell organisiert und gäben den Anstoß für die weitere Digitalisierung in die Breite.

Die Digitalisierung wird auf verschiedenen Leveln eingeführt

„Verglichen mit anderen sind wir auf einem guten Weg“, haben Martin Rennemeier und Thomas Sohn bei dem Besuch einer langfristigen Schulung der Uni Dortmund festgestellt. Natürlich sei das Kollegium heterogen und bringe ganz unterschiedliche Voraussetzungen mit. Als der Shutdown im Frühjahr die Ausweitung des digitalen Unterrichts erforderlich machte, sei es beispielsweise als Einstieg darum gegangen, Videokonferenzen einzurichten.

Fachspezifisch und auf höherem Level stehe die Einführung von Online-Lernsystemen wie Bettermarks in der Mathematik im Vordergrund. Frank Cremer ist sich sicher, dass die digitale Technik in der Schule in Zukunft eine noch größere Rolle spielen wird, weil sich aus ihrer Anwendung so viele Vorteile ziehen lassen.

Individuelle Fördermöglichkeiten

So ließen sich bei der Nutzung von Selbstlernprogrammen individuelle Förder- und Forder-Materialien für Schüler zusammenstellen. „Natürlich haben wir Fehlerquellen oder Stärken und Schwächen der Schüler bisher auch erkannt, aber nicht so automatisch“, erklärt er die Möglichkeiten.

Erleichtert würde die Entwicklung, wenn den Lehrern einheitliche Endgeräte zur Verfügung gestellt würden. Da sind sich die Verantwortlichen an der Halterner Realschule einig. Bisher nutzten die Kollegen ein privates Gerät, um den digitalen Weg an der Schule mitgehen zu können. Die Stadt Haltern hat entsprechende Fördermittel für die Anschaffung von Lehrergeräten beim Land beantragt.

Als Fernschritt sei anzustreben, dass auch alle Schüler ein einheitliches Gerät erhalten, damit Chancengleichheit und Kompatibilität gesichert würden. Es sei beispielsweise schwierig, digitale Schulbücher auf einem Handy zu lesen. Für wirklich kooperatives Lernen müssten alle über dieselben technischen Voraussetzungen verfügen.

Die Digitalisierung ist nicht die Lösung für alle Probleme

Ein Königsweg, der alle Probleme des deutschen Bildungssystems löse, sei das digitale Lernen allerdings nicht, betont Thomas Sohn. Und Frank Cremer ergänzt: „Die Digitalisierung ist eine wertvolle Ergänzung und ein wichtiges Werkzeug, mit dem Unterricht gestaltet und Kommunikation vereinfacht werden kann.“ Letztlich sei sie aber nur ein Baustein von Unterricht, der den Präsenzunterricht nicht ersetzen könne.

Wer hier einen völligen Paradigmenwechsel erwarte, überschätze die Möglichkeiten der Technik. Auch dürfe man die Schüler mit der Digitalisierung nicht allein lassen. Die Vermittlung von Medienkompetenz spiele in diesem Zusammenhang eine immer größerer Rolle.

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