Die Geschichte der Heimatfestspiele in Haltern

1920er-Jahre

Die „Deutschen Heimatfestspiele“ in Haltern: Unter diesem Namen fanden 1925 die Vorstellungen des „Götz von Berlichingen“ auf der Freilichtbühne im „Hundegraben“ statt. 5000 Besucher konnten zusehen. Theateraufführungen gab es in Haltern schon zu Beginn des vorigen Jahrhunderts.

HALTERN

von Von Uli Backmann

, 10.12.2016, 06:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Theaterabteilung der Kolpingsfamilie Haltern oder auch der Bergknappenverein waren früh dabei. Sie spielten hochdeutsche wie auch plattdeutsche Theaterstücke. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde 1920 der „Theaterverein Haltern“ gegründet, der nur Stücke in Hochdeutsch aufführte. Ob und wie dieser Verein an der Gründung der Freilichtbühne im „Hundegraben“, gelegen in einem Talkessel der Hohen Mark stadtauswärts rechts an der B 58 kurz hinter der Autobahn, beteiligt war, konnte ebenso wenig noch festgestellt werden wie die Beteiligung weiterer Geldgeber für die großzügig angelegte Naturbühne. Das Fassungsvermögen der Anlage mit einer großen Sitzplatz-Tribüne wurde mit insgesamt 5000 Besuchern angegeben. Von daher scheint nicht nur ein einzelner Verein oder auch nicht die Stadt Haltern allein Investor dieser Anlage gewesen zu sein.

Dass es sich hierbei um ein überregionales Projekt gehandelt haben muss, wird bei einem Blick in den Prospekt „Deutsche Heimatspiele“ Juni – September 1925, von dem sich eine Originalausgabe im Stadtarchiv Dülmen befindet, deutlich. Die Auflistung der Namen weist als Mitglieder des Ehrenausschusses unter anderem die Regierungspräsidenten von Münster und Düsseldorf, den Landeshauptmann der Provinz Westfalen, den Oberpräsidenten der Provinz Westfalen, die (Ober-)Bürgermeister von Bochum, Bottrop, (Gelsenkirchen-)Buer, Gladbeck, Haltern, Dortmund, Herne, (Oberhausen-)Osterfeld und Recklinghausen sowie die Landräte von Coesfeld, Dortmund, Gelsenkirchen, Münster und Recklinghausen, die Amtmänner von Datteln, Haltern, Marl und Recklinghausen aus. Dazu kamen weitere Honoratioren wie der Rektor der Universität Münster und auch die evangelischen und der katholischen Pastöre von Haltern, Arnsmeier und Helweg.

Gymnasiallehrer hatte die Leitung

Bei den Arbeitsausschüssen gab es noch verschiedene Untergruppierungen, die mit einheimischen aber auch auswärtigen Vertretern besetzt waren. Die organisatorische Gesamtleitung lag bei Regierungsrat Dr. Schmidt in Münster, die Spielleitung in den Händen von Dr. Konrad Maria Krug, einem Gymnasiallehrer aus Münster, der sich neben seinem Lehramt auch in der Erwachsenenbildung engagierte. Er hatte das Goethe-Drama „Götz von Berlichingen“ für die Aufführung auf der Halterner Freilichtbühne bearbeitet. Hier wirkte er auch als Regisseur, wie auch bei der Freilichtbühne in Tecklenburg, die er 1923 gegründet hatte, und an den Bühnen in Oelde-Stromberg und Kalkar.

Wie in dem Prospekt weiter zu lesen ist, hatte das Laienspiel seit dem Frühjahr 1923 einen gewaltigen Aufschwung genommen. 1924 nahmen 240 Interessenten an einem zweitägigen Laienspiellehrgang in Münster teil. Im Sommer 1924 wirkten bei Schillers „Wilhelm Tell“ auf der Freilichtbühne in Tecklenburg 320 Laienspieler unter der Regie von Krug mit. Für Haltern hatte er für 1925 den „Götz von Berlichingen“ inszeniert. Zur Frage, warum es gerade eine Freilichtbühne in Haltern geben sollte, schreibt er: „Haltern liegt am Rand des Industriegebiets, wo Millionen Menschen in angespanntester Arbeit tätig sind. Ihnen soll das Spiel ein Ruhepunkt sein in der Hast der Tage und eine Besinnung im Jagen der Räder….“

Premiere am 21. Juni 1925

Offenbar war er von einer großen Resonanz und damit auch vom wirtschaftlichen Erfolg überzeugt. Die Premiere fand am 21. Juni 1925 unter schlechten Wetterbedingungen statt. Der immer stärker werdende Regen zwang die Veranstalter zum Abbruch der Aufführung im zweiten Akt. Weitere Vorstellungen fanden bis zum 13. September mittwochs, samstags und sonntags um 16 Uhr statt. Die Rollen, überwiegend mit Darstellern aus Haltern, waren wegen des hohen Zeitaufwands gleich zwei- oder dreifach besetzt. Den Götz verkörperte Andreas Viehöfer, seine Frau Elisabeth stellte Antonia Strickling geb. Reckmann dar. Die Endabrechnung zum Saisonschluss wies ein so großes Minus aus, das man in den Folgejahren keine weiteren Aufführungen mehr im „Hundegraben“ anbot.

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