Die Jury erfolgreich provoziert

Hullern Zum krönenden Abschluss ihrer Ausbildung hat Tina Göcke noch einmal alle Register gezogen. Das Prüfungskomitee sollte staunen. "Und ein bisschen provozieren wollte ich auch", gesteht die 22-jährige Raumausstatterin.

26.07.2007, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rote Samtteppiche, flauschige Polsterbezüge, opulente Vorhänge - das ist der Stoff, aus dem die Requisite in Baz Luhrmanns Leinwand-Drama "Moulin Rouge" gemacht ist. Und der hat es Göcke angetan.

Bei ihrer praktischen Gesellenprüfung setzte sie die laszive Pracht des Pariser Varietés in Szene und stahl damit den sechs Mitstreitern aus ihrem Ausbildungsjahrgang die Schau: Die Auszubildende von Toddy Geldmann schloss als Beste im Kreis Recklinghausen ab.

Geldmann ist "mächtig stolz" auf die Überfliegerin. Zumal sie der erste Lehrling ist, den er in seinem Geschäft in Hullern fertig ausgebildet hat.

Klare Vorgaben

Tina Göcke hatte für die Abschlussprüfung klare Vorgaben, nach denen sie eine Kabine (kl. Foto) mit zwei Quadratmetern Grundfläche und zweieinhalb Meter hohen Wänden gestalten sollte: Ein Teppichboden mit Intarsie (eingelassene Musterung), eine Raffgardine mit Schnurzug, Tapeten und eine Mikrofaser-Wandbespannung waren Pflicht. Passend dazu einen Lehnstuhl zu polstern, zählte ebenfalls zu den vorgeschriebenen Aufgaben.

"Nur bei der Wahl des Themas, auf das alle Elemente abgestimmt werden mussten, hatten wir freie Wahl", erklärt die junge Sythenerin. Die passende Idee kam ihr vor dem Fernseher in den Sinn: Zweimal hat sie den Film "Moulin Rouge" gesehen, war von der Kulisse auf Anhieb beeindruckt. Frühzeitig machte sich Göcke Gedanken über die Umsetzung ihres Prüfungsmotivs, arbeitete die Varieté-Atmosphäre aus dem Film heraus, wollte "die Requisiten nicht einfach abkupfern".

Drei achtstündige Arbeitstage hatte Göcke für die Umsetzung unter strenger Aufsicht Zeit. "Die letzten Stunden waren die stressigsten", erinnert sie sich, "wenn einem plötzlich einfällt, was man alles hätte anders machen können."

Falsch hat sie jedenfalls nichts gemacht. "Die Prüfer haben sich gewundert und Tina mit Lob für ihre hervorragende Leistung überhäuft", erzählt Ausbilder Geldmann.

Als Prüfungsbeste darf Göcke jetzt am Wettbewerb des Kammerbezirks Münster teilnehmen. "Da werden zwar kleinere Werksproben verlangt, aber die Juroren schauen noch genauer hin", weiß Geldmann. Aus Erfahrung, denn 1995 war er selbst dabei. Üben darf Göcke in Geldmanns Betrieb. Im September will sie ein Studium zur Mediendesignerin in Dortmund aufnehmen, mit dem Schwerpunkt Szenografie. Lächelnd spekuliert Göcke: "Vielleicht werde ich eines Tages ja selbst mal echte Filmkulissen gestalten." Christoph Walter

Lesen Sie jetzt