Die Mensa am Schulzentrum ist nicht bei allen Jugendlichen beliebt, die Suppenbar Sopas geschlossen. Viele Schüler wünschen sich mehr Auswahl, doch eine Expertin sieht die Lage positiver.

Haltern

, 21.01.2019, 17:26 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als kurz vor Weihnachten das Ende der Suppenbar Sopas am Schulzentrum verkündet wurde, war die Anteilnahme groß. „Wir werden euch vermissen“ war von den Kunden oft zu hören, genau wie: „Das ist ein echter Verlust“. Auf der Facebook-Seite von Sopas schrieb zum Beispiel Uta Fricke: „Wie traurig für unsere Kinder! Ihr wart das gute Gewissen der Eltern, den Kindern bei langen Schultagen Essensgeld mitzugeben.“

Es gab Salate, Sandwiches, Joghurt und eben vor allem selbst gemachte Suppen - und das alles zu sehr günstigen Preisen. Die Betreiber der Suppenbar mussten aus finanziellen Gründen aufgeben, weil der Laden zu den Stoßzeiten bei Schulschluss und in den Pausen zwar rappelvoll war, ansonsten aber zu wenig Kunden kamen.

Die Krux mit dem gesunden und günstigen Mittagessen für Schüler in Haltern

Die Suppenbar Sopas hat kurz vor Weihnachten für immer die Türen geschlossen. © Kevin Kindel

Nach acht Jahren war vor Weihnachten Schluss zwischen Schulzentrum und Bahnhof Haltern am See. Und für viele hinterlässt das Ende von Sopas ein Vakuum im Essensangebot der Innenstadt.

„Wieso müssen immer die leckersten Läden mit den liebsten Menschen schließen?“, fragt sich Nick Kutzinski via Facebook-Kommentar. Und Björn Bowinkelmann ergänzt darunter: „Dabei ist Haltern sowieso schon eine kulinarische Wüste!“ Die Pizza-Pommes-Döner-Dichte sei tatsächlich „hart am Limit“, schreibt Kutzinski weiter.

Acht Imbissbuden auf etwa 500 Metern

Die Fußgängerzone der Rekumer Straße ist knapp 400 Meter lang. Nimmt man die angrenzenden Merschstraße und Lippstraße hinzu, trifft man auf diesem überschaubaren Stück auf acht Imbissbuden oder kleine Restaurants mit Döner, Pommes oder Pizza. Dazu kommen Cafés und Restaurants, die aber kaum ein Hauptgericht für unter 5 Euro bieten. Sonst bleiben Bäcker, hinzu kommt für viele Schüler ein echtes Zeitproblem.

„Sopas war für Schüler der Oberstufe die einzige Möglichkeit, ein warmes Mittagessen zu bekommen“, sagt etwa Matthis Mühlenbrock. Diese älteren Gymnasiasten hätten ohne Freistunden nur 15 Minuten Mittagspause. Seit der Schließung der Suppenbar werde es mittags stattdessen beim Bäcker im Halterner Bahnhof extrem voll. Mittelstufenschüler haben zwar vor dem Nachmittagsunterricht eine ganze Stunde Pause, aber sie dürfen das Schulgelände offiziell nur für den Weg nach Hause verlassen. Allerdings ist es ein offenes Geheimnis, dass auch die Jüngeren in der Innenstadt essen.

Am Gymnasium soll‘s weniger Nachmittagsunterricht geben

Doch auch mit dem Angebot in der City sind viele Schüler unzufrieden. Gesundes günstiges Essen gebe es wenig, antworten sie uns auf einen Aufruf über Instagram. Einigen fehlt ein Laden spezialisiert auf verschiedene Salate. Andere wünschen sich asiatisches Essen, Ketten wie Subway und KFC mit Hähnchenfleisch oder Cafés speziell mit Frühstück oder Brunch. „Die Angebote, die es bislang gibt, passen nicht“, meint eine Schülerin. Die Mensa auf dem Schulgelände, so sagen es viele ältere Jugendliche, sei eher etwas für die Kleinen.

Die Krux mit dem gesunden und günstigen Mittagessen für Schüler in Haltern

Etwa 13.000 Portionen sind in der Mensa im Kalenderjahr 2018 über die Theke gegangen. © Jürgen Wolter

Am ersten Tag nach den Weihnachtsferien seien in der Mensa dreimal so viele Tagesangebote über den Tresen gegangen wie vor der Sopas-Schließung, berichtet der Mensa-Chef Kay Esser. Ulrich Wessel, der Leiter des Joseph-König-Gymnasiums hatte bereits im November gesagt, dass sich für den Mensabetrieb Änderungen ergeben könnten, weil es in Zukunft weniger Nachmittagsunterricht an seiner Schule geben soll. Konkrete Pläne gebe es dazu aktuell noch nicht, so Esser.

Neben der Essensausgabe sei die Nachmittagsbetreuung der Schüler ein großer Bestandteil der Mensa: „Die Jugendlichen kriegen hier nicht nur ein warmes Essen. Wir sind auch Ansprechpartner für Probleme und suchen den Kontakt zu den Eltern.“ Er beobachte aber auch, dass manche Schüler sogar in der Pause mit dem Fahrrad schnell zu McDonald‘s nach Hamm-Bossendorf fahren.

In vielen Imbissbuden gibt es auch Salat

Eine neutrale Sicht auf die Lage hat Birgit Brusdeilins, Ernährungsberaterin aus Haltern am See. Und sie findet das Angebot in der Stadt gar nicht so schlecht: „Jugendliche, die wollten, hätten die Möglichkeiten, sich zum Beispiel in der Pizzeria einen Salat zu holen.“ Doch wenn sie die Wahl haben, tendieren viele halt zu fetthaltigeren Produkten, weil Fett eben ein Geschmacksträger sei. Da sind die gesunden Möglichkeiten häufig gar nicht im Bewusstsein.

Die Qualität der Mensa könne Brusdeilins nicht beurteilen, sie sagt aber klar: „Gutes Essen kostet Geld.“ In einigen Restaurants der Innenstadt gebe es einen richtig guten Mittagstisch, diese sprächen aber keine Jugendlichen an. „Gesundes Fastfood kann auch toll sein“, sagt die Expertin: „Man kann auch einen Burger mit Vollkornbrötchen und tollem Rindfleisch machen.“ Das gibt es auch bereits in Haltern, doch das kostet eben mehr als 4 Euro, deutlich mehr als die Schüler in den Imbissläden zahlen.

Zur Person

Birgit Brusdeilins

Die Krux mit dem gesunden und günstigen Mittagessen für Schüler in Haltern

© Jürgen Wolter

Die Praxis der Diplom-Ökotrophologin und Heilpraktikerin befindet sich an der Lippstraße 32. Sie ist erreichbar unter Tel. (02364) 96 87 75.

„Ich finde es auch total schade, dass Sopas geschlossen hat“, sagt die Ernährungsberaterin: „Dort hat man es lange gesund versucht, ist aber so leider pleite gegangen.“ Birgit Brusdeilins wünscht sich von den Eltern, den Kindern etwas mehr Geld mitzugeben, allerdings mit klaren Regeln verknüpft. „Wenn ich den Kindern die Wahl lasse, wo sie ihr Essen holen, möchten 90 Prozent zu McDonald‘s.“

Ihr Vorschlag: Einmal pro Woche dürfe es ja ruhig einen „Cheat Day“ mit fettigerem Essen geben, aber grundsätzlich solle man darauf achten, wo die Jugendlichen ihre Mittagspause verbringen. Die Expertin sagt: „Als Elternteil darf ich die Auseinandersetzung nicht scheuen - und bin selbst natürlich mit meiner Vorbildrolle in der Pflicht.“

Kommentar von Redakteur Kevin Kindel:

Man muss kein Schüler mit geringem Taschengeld sein - auch Berufstätige können die Optionen fürs günstige Mittagessen in der Innenstadt an einer Hand abzählen. Es ist schon schwierig, nur fünf verschiedene Anlaufstellen für fünf Wochentage zu finden. Am Ende landet man dann doch häufig genug immer beim selben Bäcker.

Vielleicht bewegt die ganze Diskussion ja eine der vielen zentralen Dönerbuden, Pizzerien oder griechische Restaurants zu anderen Akzenten im Sortiment. Haltern könnte eine größere Auswahl durchaus vertragen.

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