Die Mär von den Zeche prellenden Flüchtlingen

Gerücht in Haltern

Ein Gerücht zieht weite Kreise: Angeblich sollen Flüchtlinge im Restaurant "Pfeiffers Sythener Flora" die Zeche geprellt haben. Anschließend, so geht die Mär weiter, habe Bürgermeister Bodo Klimpel die offene Rechnung beglichen. Doch was ist wirklich an dieser Geschichte dran?

SYTHEN

, 29.01.2016, 17:03 Uhr / Lesedauer: 1 min
Haben Flüchtlinge im Restaurant „Pfeiffers Sythener Flora“ erst gegessen und getrunken und sind dann anschließend ohne zu bezahlen abgehauen? Nein, sagt der Restaurant-Besitzer.

Haben Flüchtlinge im Restaurant „Pfeiffers Sythener Flora“ erst gegessen und getrunken und sind dann anschließend ohne zu bezahlen abgehauen? Nein, sagt der Restaurant-Besitzer.

Nachrichten über zechprellende, klauende oder gewalttätige Flüchtlinge machen in sozialen Netzwerken immer häufiger die Runde. Selbst von Mord und Totschlag ist dort teilweise zu lesen. Die Schilderungen klingen erschreckend. Sie vermitteln das Bild: Flüchtlinge seien grundsätzlich kriminell, brutal und gefährlich.

"Völliger Quatsch"

Und auch in Haltern brodelt die Gerüchteküche: Mehrere Flüchtlinge hätten im Restaurant "Pfeiffers Sythener Flora" gegessen und getrunken und seien anschließend ohne zu bezahlen gegangen. Der zufällig anwesende Bürgermeister Bodo Klimpel habe anschließend die Rechnung beglichen. "Völliger Quatsch", sagt Stadtsprecher Georg Bockey. Auch Restaurantbetreiber Matthias Pfeiffer sagt hörbar genervt: "Alles erstunken und erlogen."

Das Gerücht kursiere seit vielen Wochen, eigentlich schon seitdem die Landesnotunterkunft am Stockwieser Damm in Sythen bezogen wurde. "Ich bin schon aus München und von sonst wo angerufen worden, was an der Sache mit den zahlungsunwilligen Flüchtlingen dran sei", berichtet der Gastronom.

Ganz im Gegenteil hätten er und seine Mitarbeiter nur gute Erfahrungen mit den Flüchtlingen gemacht. "Erst Anfang der Woche tranken einige hier ihren Kaffee. Sie haben natürlich auch bezahlt", sagt Matthias Pfeiffer. "Hier ist alles in Ordnung. Wir haben überhaupt keine Probleme!"

Sicherheitskonferenz

Bei einer Sicherheitskonferenz, an der auf Einladung der Recklinghäuser Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen auch die Bürgermeister des Kreises Recklinghausen teilnahmen, standen unter anderem die Auswirkungen auf den Kreis Recklinghausen aus den Vorfällen an Silvester in Köln im Mittelpunkt. Friederike Zurhausen: "Das Vest ist nicht Köln! Wir haben bislang keine Hinweise oder Anzeigen zu gleich gelagerten oder ähnlichen Straftaten wie in Köln."

Sie plädiert für einen umfassenden Informationsaustausch zwischen Städten, Behörden und Polizei, ohne "alle Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen."

So könne man aber ein "Gefühl für die Situation in den Unterkünften" bekommen und insbesondere eine Einschätzung über die dort lebenden Menschen gewinnen.

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