Die Piloten der in Sythen abgestürzten Segelflugzeuge kannten sich

rnSegelflugzeug-Unglück

Die beiden jungen Niederländer, die am 11. Juli in Sythen mit ihren Segelflugzeugen abgestürzt und dabei tödlich verletzt worden sind, haben sich gekannt. Sie galten als erfahrene Piloten.

Sythen

, 22.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie gehörten zur niederländischen Junioren-Kernmannschaft der Segelflieger. Die beiden 25 und 29 Jahre alten Piloten, die bei den Abstürzen ihrer Segelflieger am 11. Juli in Sythen ums Leben kamen, kannten sich. Der Ältere der beiden zählte sogar zu den Top-20-Segelflieger-Piloten der Niederlande. Beide Männer waren als versierte und geübte Segelflieger bekannt. Das hat die niederländische überregionale Tageszeitung AD berichtet.

Nach dem Bericht sei der 29-Jährige schon als Kind regelmäßig im Segelflieger-Club Salland am Flugplatz Lemelerveld, von wo er an dem Unglückstag auch gestartet war, gewesen. Der Vater und der ältere Bruder seien ebenfalls Flieger. Der 29-Jährige, der nach Aussage des Clubvorsitzenden ein „stets fröhlicher und sehr talentierter Junge auch im schnellen Fliegen war“, flog seit seinem 14. Lebensjahr.

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„Für ihn war das Fliegen besonders, weil ihm der Wettstreit gefiel“, wird der Vorsitzende von dem Blatt zitiert. Er habe sich auf 750 Kilometer lange Flüge vorbereitet. ,, Er konnte die Bedingungen sehr gut einschätzen und die richtigen Entscheidungen treffen. Er war außergewöhnlich gut“, so der Vorsitzende.

„Er flog auf sehr hohem Niveau“

Auch in Soesterberg sind die Mitglieder des Amsterdamer Segelflug-Clubs sich einig, wenn es um die Flugkünste ihres verunglückten Mitglieds geht. „Gleiten war sein Leben, er flog auf sehr hohem Niveau“, heißt es im AD.

In diesem Segelflugzeug starb der 29 Jahre alte Pilot aus den Niederlanden.

In diesem Segelflugzeug starb der 29 Jahre alte Pilot aus den Niederlanden. © Ingrid Wielens

Segelfliegen ist in den Niederlanden eine relativ kleine Sportart. „Die Leute, die es intensiv machen, kennen sich alle“, erklärte der Clubvorsitzende in Lemelerveld dem niederländischen Blatt. An jenem Samstagmorgen waren die beiden von unterschiedlichen Flugplätzen gestartet - der 29-Jährige in Lemelerveld (auf halber Strecke zwischen Almelo und Zwolle), der 25-Jährige in Soesterberg (bei Amersfoort). Beide Flugplätze sind rund 100 Kilometer voneinander entfernt. Es sei eines der ersten guten Flugwochenenden gewesen. Die Thermik war gut.

Gepackt von der Thermik?

Über die Unfallursache indes grübeln auch die Niederländer. Es könne doch sein, dass die Segelflieger untereinander flogen und dass einen von ihnen „die Thermik gepackt“ habe und er den oberen Segelflieger dann von unten traf, wird beispielsweise gemutmaßt. Das würde sich decken mit der Beobachtung, die ein Ehepaar in dem gut 1000 Meter vom Unfallort entfernten Wohngebiet machte.

Die beiden Segelflieger seien in großer Höhe unterwegs gewesen. „Einer flog etwas höher“, sagt Jürgen C. Dann hätten beide Segelflugzeuge fast zeitgleich eine Kurve geflogen. Dabei seien sie in eine Wolke geraten und es habe geknallt, wie bei einer Explosion, erinnert sich Marion C. Und dann seien die Flieger ineinander verkeilt aus der Wolke heraus „sehr langsam“ zu Boden gestürzt.

Feuerwehrmann traf Eltern am Unglücksort

Die Eltern des 29-jährigen Niederländers waren noch am Samstagabend zusammen mit dem Sicherheitsmanager des Aeroclubs Salland am Unglücksort eingetroffen – in Begleitung von Polizeikräften und Notfallseelsorgern. Auch Hans B. (Name von der Redaktion geändert) zog es an diesem Abend noch einmal dorthin. Zusammen mit seinem Einsatzteam hatte der Dülmener Feuerwehrmann am Nachmittag den toten jüngeren Piloten in einem Waldstück gefunden.

Zum Gedenken an die Opfer habe er Blumen und eine Engelsfigur am Absturzort abgelegt, erzählt er im Rückblick. „Die Eltern konnten das ja nicht aufgrund der Entfernung.“ Außerdem habe er den Eltern der Opfer zum Ausdruck bringen wollen, „dass auch hier Anteil an dem Unglück genommen wird“. Hans B. bot den Eltern an, sich auf Wunsch auch künftig um Blumen an dem Unfallort zu kümmern. Mit dem Sicherheitsmanager tauschte er die Telefonnummern aus. „Er konnte kaum sprechen.“

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