Haltern bezeichnet er als eine sichere Stadt. Bernd Vogel, neuer Leiter der Polizeiinspektion 1, spricht im Interview über Kriminalität, Lärm und besondere Einsätze in der Seestadt.

Haltern

, 19.10.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Sie sind seit 42 Jahren im Polizeivollzugsdienst und waren in verschiedenen Dienststellen in leitender Funktion tätig - worin liegt der Reiz Ihrer neuen Tätigkeit?

In den vielen Dienstjahren habe ich viele Funktionen in verschiedenen Dienststellen der Polizei NRW wahrgenommen. Immer aber habe ich eine besondere persönliche Nähe zum „Einsatzgeschäft“ der Polizei verspürt. 1980 habe ich im Streifendienst meine Arbeit bei der Polizei begonnen und nun komme ich quasi dorthin zurück.

Wie homogen sind die Städte in Ihrem Zuständigkeitsbereich, wo unterscheiden sie sich besonders?

Die Polizeiinspektion West des Polizeipräsidiums Recklinghausen umfasst die Städte Haltern am See, Marl, Dorsten, Gladbeck und Bottrop. Natürlich gibt es vielfältige, regionale Unterschiede zwischen diesen Städten. Die Polizei Recklinghausen ist für die kleinen und insbesondere großen Sorgen und Nöte der Bürger in allen Städten gleichermaßen da. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von Einsatzanlässen und die sind in allen fünf Städten meines Zuständigkeitsbereichs sehr ähnlich.

Wo sehen Sie als Regionalbeauftragter Einsatzschwerpunkte?

Mir ist es sehr wichtig, die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen in den Städten der Region fortzusetzen. Öffentliche Sicherheit ist und bleibt eine Gesamtaufgabe für viele Verantwortliche. Um erfolgreich zu sein, müssen diese Partner eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Nach meiner Einschätzung klappt das zurzeit, im Hinblick auf die verschiedenen gesellschaftlichen Herausforderungen, sehr gut. In meinen bisherigen Gesprächen mit den Bürgermeistern habe ich die Erfahrung gemacht, dass man sich auf eine Zusammenarbeit mit der Polizei freut.

Zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit ist die Kooperation mit den Kommunen besonders wichtig, sagen Sie. Wo ist die Zusammenarbeit mit der Stadt Haltern besonders angezeigt? Welche konkreten Projekte stellen Sie sich vor?

Der Bürgermeister, Herr Klimpel, und ich haben Anfang August miteinander über die besonderen Herausforderungen im Bereich der Stadt Haltern am See gesprochen. Wir sind uns einig, dass Stadt und Polizei bestimmte Feste und Ereignisse weiterhin gemeinsam effektiv begleiten wollen. Auch beim Heimatfest haben wir erfolgreich zusammengearbeitet.

Besondere Herausforderungen für die Stadt und ihre Bürger sind darüber hinaus der 1. Mai und bei gutem Wetter der Ausflugsverkehr im Bereich Silbersee II. Auch hier sind die Stadt Haltern am See und die Polizei Recklinghausen bemüht, die dadurch auftretenden Belastungen für die Wohnbevölkerung in Haltern am See weitgehend zu reduzieren. Auch dazu finden seit geraumer Zeit regelmäßig Gespräche zwischen Polizei und Stadt statt.

Welche anderen Kooperationen mit Institutionen, Gremien und Einrichtungen hier vor Ort streben Sie an?

Im Wesentlichen ist die Stadt Haltern am See mit ihren verschiedenen Ämtern der wichtigste Ansprechpartner für die Polizei. Durch den Aufstieg des TuS Haltern in die Regionalliga West haben sich auch für die Polizei Recklinghausen einige Zusatzaufgaben ergeben. Daher arbeiten wir zurzeit auch eng mit dem Verein zusammen.

In Haltern hat die Gesamtzahl der Straftaten im Jahr 2018 mit 2079 ihren niedrigsten Wert seit zehn Jahren erreicht. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist von 158 auf 50 Fälle in 2018 gesunken. Wo sehen sie besonderen Handlungsbedarf in der Seestadt?

Jeder Einbruch in eine Wohnung oder ein Haus ist eine Straftat zu viel, denn es geht auch darum, dass die Täter in den intimsten Lebensbereich eindringen. Für viele Menschen ist das durchaus eine traumatische Erfahrung.

Wohnungseinbruchsdiebstähle werden durch die Polizei Recklinghausen weiterhin sehr ernst genommen. Die Bekämpfung der Einbrüche ist und bleibt ein gesamtbehördliches Thema und reicht von der Analyse und Prognose über die anlassbezogene, polizeiliche Präsenz, einer möglichst schnellen Tatortaufnahme und guten Spurensicherung, der Fahndung nach entwendeten Sachen und flüchtigen Tatverdächtigen bis hin zu einer wirksamen Opfernachsorge. Ich möchte an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen und die Bürger der Stadt Haltern am See darum bitten, bei verdächtigen Wahrnehmungen möglichst frühzeitig die Polizei anzurufen. Dazu darf auch die die Notrufnummer der Polizei - 110 - genutzt werden.

Gewaltkriminalität ist allerdings auch in Haltern ein Thema: 82 Fälle wurden registriert. Wie kann die Polizei dieser Entwicklung begegnen?

Auch diese Straftaten können zumeist schon durch das polizeiliche Erscheinen vor Ort verhindert werden. Die Polizei Recklinghausen ist daher bemüht, an bestimmten Orten nachhaltig präsent zu sein.

Allerdings können wir nicht überall gleichzeitig vor Ort sein. So sind wir auch im Hinblick auf die Gewaltkriminalität auf öffentlichen Wegen und Plätzen auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Auch hier gilt mein Appell an die Bürger der Stadt Haltern am See, bei verdächtigen Feststellungen den polizeilichen Notruf 110 zu nutzen. Mit Blick auf die Kriminalstatistik möchte ich aber darauf hinweisen, dass Haltern am See durchaus als sichere Stadt bezeichnet werden kann. Meine Kolleginnen und Kollegen, die jeden Tag in Haltern am See präsent sind, nehmen aber die Sorgen und Ängste der Bürger weiterhin sehr ernst.

Streifenwagen sowie Besatzung werden in Haltern von der Polizeiwache Marl bereitgestellt. Das Einsatzgebiet der Stadt ist allerdings immerhin 160 Quadratkilometer groß. Zudem steigt die Zahl der Menschen, die sich in Haltern aufhalten, insbesondere im Sommer extrem an. Tausende Badetouristen sind dann beispielsweise an Silbersee und Stausee. Damit steigt auch die Gefahr von Unfällen oder aggressiven Auseinandersetzungen. Auch die Parksituation ist dann angespannt. Ist ein zweiter Streifenwagen vor Ort – zumindest zeitweise - angebracht?

Die Polizei setzt sich täglich intensiv mit vielen verschiedenen Einsatzanlässen auseinander. Es gibt Einsätze im täglichen Dienst und besondere Einsätze, die mit besonderen Konzepten unterlegt werden. Wenn es der Einsatzanlass gebietet, werden mehrere Streifenwagen eingesetzt. Neben dem Fahrzeug aus Marl, das dauernd in Haltern am See vor Ort ist, ist auch der Bezirks- und Schwerpunktdienst in der Stadt präsent. Darüber hinaus können weitere Streifenwaren nötigenfalls schnell vor Ort sein.

Für besondere Einsatzanlässe, wie z.B. an heißen Tagen am Silbersee oder am Stausee bestehen besondere Einsatzkonzeptionen. Dann werden auch Kräfte in einem Umfang eingesetzt, die die Sicherheit im Zusammenhang mit dem Ereignis gewährleisten sollen. Das gilt für alle besonderen Ereignisse, die polizeilich relevant sind.

Motorradlärm und Raserei am Drügen Pütt, an Hullerner und Sythener Straße – die Anwohner fordern mehr Geschwindigkeitskontrollen. Was halten Sie davon?

Auch hier gilt, dass die Polizei Recklinghausen sehr daran interessiert ist, diese Verkehrs- und Ordnungsverstöße zu verhindern und nach Möglichkeit zu verfolgen, also zu ahnden. Die Direktion Verkehr der Polizei Recklinghausen, die hier vorrangig zuständig ist, ist sehr oft auch im Bereich der Stadt Haltern am See unterwegs und ahndet diese Art von Verkehrsverstößen. Selbstverständlich erfolgt das auch im Zusammenhang mit den üblichen Streifenfahrten in Haltern am See. Nicht zuletzt führt auch der Bezirks- und Schwerpunktdienst Haltern am See häufig Maßnahmen durch, die die Verkehrssicherheit beeinflussen, dazu gehören auch Geschwindigkeitskontrollen.

Immer wieder wird in der Öffentlichkeit über eine 24-Stunden-Öffnung der Halterner Wache debattiert, um zu jeder Zeit Anlaufstelle für die Bevölkerung sein zu können. Wie stehen Sie dazu?

Am schnellsten erreichen Sie die Polizei über den Notruf 110. Ich darf deutlich machen, dass die polizeiliche Präsenz in Haltern am See durch den Streifendienst rund um die Uhr gewährleistet ist. Die Stadt Haltern am See ist polizeilich effektiv und gut versorgt. Das bestätigen auch die polizeilichen Auswertungen, Lagebilder und Statistiken.

Wenn Sie hinsichtlich Ihrer neuen Tätigkeit einen Wunsch frei hätten – welcher wäre es?

Eingangs habe ich schon darauf hingewiesen, wie wichtig es mir ist, die bewährte und gute Zusammenarbeit mit den Verantwortungsträgern in Städten und Gemeinden zu erhalten.

Zur Person Bernd Vogel

Ein erfahrener Polizeibeamter

Seit dem 1. Juli hat Polizeioberrat Bernd Vogel die Leitung der Polizeiinspektion 1 (West) des Polizeipräsidiums Recklinghausen übernommen. Er tritt die Nachfolge von Polizeidirektor Arno Langanke an, der die Behörde verlassen hat. „Mit Bernd Vogel gewinnt das Polizeipräsidium Recklinghausen einen erfahrenen Polizeibeamten“, hatte Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen erklärt. Bernd Vogel kann auf 42 Jahre im Polizeivollzugsdienst zurückblicken. Tätig war er im Streifendienst, bei der Sachbearbeitung im Kriminalkommissariat und in verschiedenen leitenden Funktionen in mehreren Polizeibehörden des Landes. Zuletzt war er Dezernatsleiter beim Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei NRW. Als neuer Leiter der Polizeiinspektion 1 übernimmt Bernd Vogel zugleich die Aufgabe des Regionalbeauftragten. „Ich freue mich auf meine Aufgaben als Leiter der Polizeiinspektion 1 und Regionalbeauftragter“, sagt er. Es sei sein Ziel, „die bewährte Zusammenarbeit mit den Kommunen fortzuführen“.
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