Die Stadt Haltern prüft die Aufnahme von Flüchtlingsfamilien aus Moria

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Das Flüchtlingscamp Moria in Griechenland ist nach einem Brand völlig zerstört. Die Stadt Haltern ist von der Landesregierung angefragt worden, ob sie Familien aus Moria aufnehmen kann.

Haltern

, 11.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stadt Haltern ist vom Innenministerium NRW angefragt worden, ob es Kapazitäten für die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem zerstörten Flüchtlingscamp Moria auf Lesbos in Griechenland gibt. Das bestätigte Helmut Lampe, Fachbereichsleiter für Ordnung und Soziales, am Freitagmorgen auf Anfrage.

Es handele sich konkret um die Aufnahme von zwei Familien. Die Verwaltung prüfe gerade, wo diese am besten in Haltern untergebracht werden können. Dabei werde beispielsweise darauf geachtet, dass eine separate Wohneinheit zur Verfügung steht, wie sie in den neueren Unterkünften hinter den Stadtwerken an der Wasserwerkstraße eingerichtet wurden.

Konfliktpotenzial vermeiden

Zu den Überlegungen gehörte nicht nur, auf die soziale Struktur in einem Wohnheim zu achten und Familien nicht inmitten allein stehender Geflüchteter unterzubringen, sondern auch mögliches ethnisches Konfliktpotenzial im Blick zu haben.

Bis spätestens Mitte nächster Woche will die Stadt ihre Prüfung abgeschlossen haben. Sie hat bereits den Asylkreis Haltern über die neue Entwicklung informiert. Die Mitglieder kümmern sich ehrenamtlich um Flüchtlinge in der Stadt und unterstützen so maßgeblich die Integration.

Auf Initiative des Asylkreises ist die Stadt Haltern im Oktober 2019 dem „Bündnis Sichere Häfen“ beigetreten. „Sichere Häfen fordern im Namen ihrer Bürger die Entkriminalisierung der Seenotrettung und neue staatliche Rettungsmissionen. Sie heißen Geflüchtete in ihrer Mitte willkommen – und sind bereit, mehr Menschen aufzunehmen, als sie müssten“, nennt dieses den Kern seiner Zielsetzung.

Beitritt zum „Bündnis Sichere Häfen“ einstimmig vom Rat beschlossen

Die Entscheidung zum Beitritt für das Bündnis wurde in Haltern einstimmig vom Rat beschlossen. Wie die Verwaltung mitteilte, habe sich das Innenministerium aber nicht nur an die Kommunen im Land gewandt, die sich zum sicheren Hafen erklärt haben. Alle Städte und Gemeinden seien aufgerufen, über die Aufnahme von Flüchtlingen aus Moria nachzudenken.

Nach dem Brand im Flüchtlingscamp auf Lesbos sind dort über 10.000 Menschen obdachlos. Darunter sind viele Familien, die mit Kindern auf der Straße leben und nächtigen. Ohnehin wird die Lage in dem griechischen Camp seit Jahren als katastrophal beschrieben.

Zehn große Kommunen wollen Flüchtlinge aufnehmen

Bisher steht fest, dass die deutsche Bundesregierung rund 150 unbegleitete Jugendliche aus Moria aufnehmen will. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) erklärte Freitagmittag in einer Pressekonferenz, das Wichtigste sei die Hilfe vor Ort.

Die Stadtoberhäupter von zehn großen deutschen Kommunen haben in einem gemeinsamen Brief an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) ihre Bereitschaft erklärt, Flüchtlinge aus Moria aufzunehmen.

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