Die Vorbereitungen für den Abriss der Seestern-Ruine sind in der Endphase

rnWarten auf Gutachten

Im Juni 2018 hat der Rat den geänderten Bebauungsplan beschlossen und einen Abriss des Seesterns für Anfang 2019 in Aussicht gestellt. Die Ruine steht aber immer noch und das hat Gründe.

Haltern

, 12.04.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das ehemalige Hotel Seestern wurde 1999 von Familie Ridder aufgegeben, seit der Versteigerung im Jahr 2006 rottet es nach mehreren Bränden vor sich hin. Im vergangenen Jahr kristallisierte sich endlich eine Lösung heraus: Anstelle des Seesterns baut die Eigentümergesellschaft Ferienappartements, direkt daneben errichtet das Franz Sales Haus aus Essen ein Inklusions-Hotel. Ein Abriss der Ruine war für Anfang 2019 angekündigt. Aber Fledermäuse durchkreuzten die Pläne: Sie hatten die Ruine in Beschlag genommen. Doch jetzt zeichnet sich laut Auskunft der Stadt endlich eine Wende ab.

Die Vorbereitungen für den Abriss der Seestern-Ruine sind in der Endphase

An der Seestern-Ruine wird aktuell gearbeitet. © Michael Rath

„Die Vorbereitungen für einen Abriss laufen“, erklärte Stadtsprecher Georg Bockey auf Nachfrage. Die endgültige Entscheidung steht allerdings noch aus, weil die Eigentümergemeinschaft weitere Unterlagen für das Artenschutzgutachten nachreichen muss. Dieses Gutachten geht dann zum Kreis. „Wir warten auf Post aus Haltern“, bestätigte Kreissprecher Jochem Manz. Mit ganz viel Optimismus, so Georg Bockey, geht die Halterner Verwaltung von einer Abrissgenehmigung in der Woche nach Ostern aus. Vorausgesetzt, alle Beteiligten liefern zügig ihre Arbeit ab.

Zweistellige Millionensumme
Vom Neubau zur Ruine

Ab 2006 wurde der Seestern zu einem Zankapfel

  • Am 31. April 1958 feierte das Ehepaar Maria und Walter Ridder mit lokaler Prominenz die Einweihung des Seesterns. Es wurde zu einem renommierten Quartier für internationale Gäste.
  • 1991 verkaufte Klaus Ridder das Hotel an eine Schweizer Unternehmensgruppe.
  • Im Dezember 2003 wurde der Seestern geschlossen, bautechnische Mängel machten eine Wiedereröffnung ohne Renovierung unmöglich.
  • Eine Investorengruppe ersteigerte den Seestern 2006. Sie kündigte den Bau einer Altenresidenz an; der Betreiber, die Hansa-Gruppe, meldete allerdings 2010 Insolvenz an.
  • Nächster Plan war, das Haus für Kraftwerksmitarbeiter herzurichten, das Vorhaben wurde aber nicht umgesetzt. Ebenso wenig ließen sich weitere Hotelpläne realisieren.
  • 2012 zerstörte ein Feuer den Dachstuhl. Die Ruine wurde gesichert, sie wurde zum Zankapfel von Stadt und Eigentümern. Die Stadt beharrte auf einem Hotel, die Eigentümer wollten Ferienwohnungen bauen.

Der Abriss der Seestern-Ruine ist für Hubert Vornholt, Direktor und Vorstandsvorsitzender des gemeinnützigen Dienstleisters aus Essen, Voraussetzung, um am Stauseeufer eine zweistellige Millionensumme zu investieren. Das hatte er bereits im Juni 2018 im Rathaus gesagt, als er die Hotelpläne vorstellte.

„Ich bin sicher, dass sich der Standort an der Hullerner Straße hervorragend für einen inklusiven Hotelbetrieb eignet“, sagte Hubert Vornholt. 25 Menschen mit Behinderungen sollen in dem neuen 80-Zimmer-Hotel Arbeitsplätze finden, das sind 40 Prozent der Mitarbeiter. Zielgruppe der Hotelbetreiber sind Geschäftsleute, Kurzurlauber und Individualgäste. Mit Themen-Restaurant, Tagungsräumen, Platz für private Feierlichkeiten, barrierefreien Zimmern und Freizeitangeboten wie Minigolf und Boulebahn wollen die Betreiber für ihr Hotel werben.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Bilder aus der Geschichte des Seesterns

14.06.2018
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„Der Seestern ist neuer Mittelpunkt des Fremdenverkehrs am Halterner See“ titelte die Halterner Zeitung zur Einweihung.
So sah der Seestern einmal aus.© Holger Steffe
Mit dieser Karte warb Familie Ridder für ihr neues Hotel am Stauseeufer.© Repro Elisabeth Schrief
Anwohner und Gleichgesinnte übten auf die Seestern-Besitzer mit Flyern und Unterschriftenaktion öffentlichen Druck aus.© Elisabeth Schrief
Ein Blick ins Innere des ehemaligen Hotel "Seestern".© Stephen Kraut
Brennender Müll im leer stehenden Hotel "Seestern" rief die Feuerwehr 2010 auf den Plan.© Inga Tawadrous
1967 gab es neben dem „Seestern“ noch kein Wohnhaus.© Archiv Backmann

Nach Auskunft von Barbara Steiner, Sprecherin von Franz Sales Haus, konzentriert sich die aktuelle Arbeit auf die Auswahl eines Architekten. Außerdem sei man in weiteren Verhandlungen mit der Stadt.

Ferienappartements

Die Stadtverwaltung steht seit 2015 mit dem Franz Sales Haus in Verhandlungen, um die Voraussetzungen für die Einrichtung des integrativen Hotels zu schaffen. Die damalige Leitung war bereit, das Hotel auch trotz der Hotel-Ruine zu realisieren. Nach einem Wechsel im Vorstand wurde diese Absichtserklärung aber revidiert.

Die Seestern GmbH & Co.KG, Eigentümerin der Ruine, ließ sich nach langem Tauziehen mit der Stadt im Mai 2018 auf verbindliche Gespräche ein. Sie hat zugesichert, die Ruine abzureißen, um dann auf dem Grundstück eine moderne Ferienappartement-Anlage als Ergänzung zum Hotelangebot zu bauen.

Sorge wegen Verkehrslärm

Eine Erschließung der neuen Häuser erfolgt über die abgebundene Hullerner Straße. Einige Anwohner hatten sich bereits an die Ortspolitiker gewandt, weil sie „unerträglichen“ Verkehrslärm fürchten. Der Landesbetrieb Straßen.NRW lehnt allerdings eine direkte Anbindung der neuen Anlagen an die Bundesstraße 58 ab.

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