Dienstags im Trigon wird Inklusion gelebt

Jugendeinrichtung

Disco, Musik, Kickern, Darten, Computerspiele spielen und gemeinsames Grillen mit Würstchen und Salaten von Behinderten und nicht behinderten Menschen. Seit zehn Jahren gibt es dieses Inklusionsprojekt jetzt schon. Das wurde am Dienstag, 2. Juni, mit einem Fest gefeiert.

HALTERN

, 03.06.2015, 15:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dienstags im Trigon wird Inklusion gelebt

Wenn die Grillwurst duftet, stürmen alle das Salatbuffet, um es sich gut schmecken zu lassen.

Jeden ersten Dienstag im Monat - außer in den Ferien - ist das Treffen von behinderten und nicht behinderten Menschen Teil des Programms in der städtischen Jugendeinrichtung Trigon an der Weseler Straße.

„Das ist ein tolles Kooperationsprojekt in Haltern“, sagt Michael Wiese. Der Sprecher der Diakonie im Kreis Recklinghausen spricht von einer im Kreis einmaligen Gegebenheit. Menschen mit geistiger Behinderung des Ernst-Lossa-Hauses, der Wohngruppe Im Wienäckern, „Haus der Freiheit“ in Lippramsdorf, sowie dem Haus Jona in Marl kommen im Trigon mit nicht behinderten Jugendlichen zusammen, tauschen sich aus und unternehmen Dinge gemeinsam.

Vorbehalten schnell zerstreut

„Am Anfang gab es zunächst bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund Vorbehalte, die sich schnell zerstreut haben“, berichtet Hausleiter Peter Dornbach aus der Zeit vor zehn Jahren. Spätestens als einer der behinderten Menschen die Jungs reihenweise beim Kicker schlug, war der Damm gebrochen und alle Anwesenden als gleichwertig anerkannt.

Das habe sich auch bei den alle zwei Jahre „wechselnden Generationen“ nicht geändert, berichtet der Leiter des Jugendhauses. Dornbach: „Das ist gelebte Inklusion, die seit Jahren gut funktioniert und behinderte Menschen aus der Isolation holt.“ Das bestätigen die Begleiter der Diakonie aus den verschiedenen Einrichtungen, Andre Schröder, Anne Stock, Sandra Wöste und Daniela Kutscher.

Immer mehr Menschen

Anne Stock: „Das Angebot hat sich mittlerweile herumgesprochen, denn es kommen immer mehr Menschen mit Behinderungen, die noch im Elternhaus oder ganz allein wohnen, um diese Gelegenheit der Freizeitgestaltung zu nutzen.“

Highlights der Abende von 18 bis 20.30 Uhr seien beispielsweise Spiele mit Verlosungen von drei Hauptpreisen, für die man nichts bezahlen muss, gemeinsame Kochaktionen mit Trigon-Mitarbeiter Andreas Lindner sowie die Disco mit DJ Michael Sasse.

Der richtige Ton

Michael Sasse (40), selbst ein Mann mit Behinderung störten die langen Pausen, die in der Disco durch das ständige Suchen in den mitgebrachten CDs entstanden. „Da habe ich mein Laptop mit zusammengeschnittenen MP-3-Titeln mitgebracht, die alle begeistert haben“, sagt Sasse. Seit sechs Jahren trifft er den richtigen Ton und spielt auch ausnahmsweise Lieder auf dem eigenen Keyboard, zur großen Freude der oft 80 Gäste zwischen 21 und 75 Jahren.

Als am Dienstag der Geruch von Grillwurst über die Tanzfläche weht, zieht es Jung wie Alt, mit und ohne Behinderung, in den Garten ans Salatbuffet und an den Grill und selbst das Kickerspiel ruht für kurze Zeit.

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