Die Angst vor Einbrechern ist in der dunklen Jahreszeit groß. Im ersten Teil unserer Serie „Sicher wohnen“ beantwortet Experte Steffen Klahn zehn Fragen über Maßnahmen für Türen.

Haltern

, 12.11.2018, 05:56 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ihrer Erfahrung nach: Sind Türen bevorzugte Einstiegsziele für Einbrecher?

Türen sind neben Fenstern definitiv bevorzugte Einstiegsziele für Einbrecher, insbesondere dann, wenn sie aus Kunststoff sind. Kunststofftüren laden Einbrecher nämlich besonders ein – diese sind oft schon älter und somit auch leicht zu knacken.

In den meisten Neubauten wird vermehrt auf Aluminiumtüren gesetzt, welche allein durch ihre statische Überlegenheit dem Kunststoff gegenüber mehr Gegenwehr leisten. Ebenfalls interessant sind auch versteckte Hauseingangs-, Nebeneingangs- oder Balkontüren. Dort kann sich der Einbrecher bewegen ohne gesehen zu werden und sich dementsprechend etwas mehr Zeit lassen.

Wie gelangen die Einbrecher durch die Türen in das Haus?

Die Variante „Scheibe zerstören“ nutzt der Einbrecher in der Regel selten, da dies mit Lärm und Spuren verbunden ist. Sollte der eine oder andere Einbrecher aber doch den Weg durch die Scheibe wagen, hat er es damit auf jeden Fall oftmals am leichtesten, da er so den direkten Zugang zum Türgriff hat.

Sicherer ist es, die Hauseingangstür aufzuhebeln. Gerade in Mehrfamilienhäusern ist dies besonders einfach, da diese oft nur über eine Einfachverriegelung verfügen. Wohingegen in einigen Einfamilienhäusern mindestens Dreifachverriegelungen vorhanden sind. In welcher Form und Widerstandsklasse diese vorhanden sind, ist dann wieder unterschiedlich.

Einige Einbrecher werden sicherlich auch versuchen über das Schloss ins Haus zu kommen. Hier gibt es auf dem Schwarzmarkt einige Tools, die dem Einbrecher das Leben beim Einstieg ins Haus etwas leichter machen.

Generell kommt es immer darauf an, was der Einbrecher meint, für eine Tür vor sich zu haben. Außerdem macht es auch einen bedeutenden Unterschied, ob die Tür verriegelt ist oder nur zugezogen.

Bringen zusätzliche Schlösser oder gar eine Türkette etwas?

Türketten bringen in der Regel nur ein Gefühl von Sicherheit, allerdings keine wirkliche Sicherheit. Mit einem einfachen Stoß mit dem gesamten Körpergewicht gibt eine Türkette schnell nach und öffnet dem Einbrecher die Tür ins Heim. Absperrbare Zusatzsicherungen ergeben sicherlich Sinn, wenn man den Austausch der Tür nicht finanzieren möchte, oder man an einen Vermieter gebunden ist. Ansonsten ist von solchen Türsicherungen immer dann abzuraten, wenn man in der Lage ist, die momentane Tür gegen eine mit einbruchhemmenden Eigenschaften auszutauschen. Allgemein sollte man bei Zusatzsicherungen immer auf namhafte Hersteller vertrauen. Diese haben in der Regel eine um einiges bessere Qualität als Billigpreisprodukte.

Machen ein Weitwinkelspion oder gar Türkontakt Sinn?

Ein Weitwinkelspion wird keinen Einbrecher daran hindern in sein gewünschtes Objekt einzudringen. Der Weitwinkelspion dient eher dazu, vor dem Öffnen der Tür sicherzustellen, dass sich keine weiteren Personen im Bereich der Tür aufhalten, um somit einen Überfall zu verhindern.

Türkontakte ergeben dann Sinn, wenn sie kompatibel mit der bereits verbauten oder der gewünschten Alarmanlage sind. Jedoch dienen auch diese eher der Einbruchmeldung, als der aktiven Einbruchhemmung. Türkontakte beziehungsweise sogenannte Reed-Kontakte sind für den Einbrecher unsichtbar und werden den Einbrecher womöglich erst dann abschrecken, wenn er sich bereits Zugang verschafft hat.

Auf die Frage ob ein Weitwinkelspion oder ein Türkontakt Sinn ergeben, kann man daher zusammenfassend sagen, dass es oft mit der persönlichen Vorliebe und dem Sicherheitsbedürfnis des Kunden zu tun hat.

Welche Alarmanlagen bieten sich an?

In erste Linie Alarmanlagen mit einer Öffnungs- und Verschlussüberwachung, welche bei einem unbefugten Eindringen auch direkt eine Meldung an einen Sicherheitsdienst geben. Ebenfalls sollten auch alle Fenster und Türen mit der Alarmanlage über Reed-Kontakte zur Öffnungs- und Verschlussüberwachung verbunden sein. Solange ein oder zwei Fenster ungesichert sind, bieten sich hier für den Einbrecher neue Angriffspunkte, an denen er womöglich unbemerkt eindringen kann.

Woran erkennt man, ob Türen einbruchhemmend sind. Gibt es ein Siegel?

Neben den einbruchhemmenden Eigenschaften lässt sich eine geprüft und zertifizierte einbruchhemmende Tür oft auch am Aufkleber mit der Prüfberichtsnummer des prüfenden Instituts am Inneren des Türflügels erkennen. Des Weiteren erhalten Erwerber einer geprüften und zertifizierten Sicherheitstür (beispielsweise in RC2) auch eine Werks- und Montagebescheinigung.

Gibt es Türen, von deren Anschaffung Sie abraten würden?

Nein. Auch Haustüren, Balkontüren oder Nebeneingangstüren mit einer Glasfüllung bieten durch moderne Folien (zum Beispiel P4A-Sicherheitsfolie) den gleichen einbruchhemmenden Standard wie es Aluminiumtüren ohne Glasfüllung tun. Spätestens bei einer Balkontür möchte man auch ungern auf das Glas verzichten. Entscheidend in punkto Einbruchhemmung ist immer, ob man sich eine an RC2 angelehnte Tür oder eine geprüfte und zertifizierte Tür einbauen lässt.

Muss beispielsweise bei Haustüren und Terrassentüren auf unterschiedliche Dinge geachtet werden?

Nicht direkt. Selbstverständlich unterscheiden sich die Verriegelungsmethoden bei einer Haustür und einer Balkontür. Wer allerdings eine geprüfte und zertifizierte Haustür oder Balkontür in der Sicherheitsklasse RC2 kauft und einbauen lässt, dem wird bei beiden Türen die gleiche Stufe an Einbruchhemmung geboten.

Wer neu baut, kann direkt Sicherungsmaßnahmen mit einplanen. Lassen sich sichere Türen aber auch gut nachrüsten?

Sicherlich lassen sich Türen durch oftmals eher unschöne Querverriegelungen auf der Innenseite der Tür nachrüsten, jedoch erhält man so keine geprüfte und zertifizierte Tür. Es ist also durchaus ratsam, die alte Tür gegen eine neue geprüfte und zertifizierte Tür auszutauschen. So erspart man sich auch den „verbastelten“ Anblick, der gerade bei einer Hauseingangstür, welche als Visitenkarte des Hauses gilt, eher weniger gewünscht ist.

Müssen sich Interessierte Sorgen um die Kosten machen? Gibt es vielleicht sogar Förderungsmittel?

Nicht unbedingt. Natürlich sind geprüfte und zertifizierte Türen etwas teurer als gewöhnliche Haustüren aus dem Baufachmarkt. Allerdings erhält der Interessent für das Geld einen Mehrwert an Sicherheit, den eine Standard „Sicherheitstür“ aus dem Baumarkt nicht bieten kann! Es gibt von der KFW-Bank (Kreditinstitut für Wiederaufbau) für den Einbau einer geprüften und zertifizierten RC2 Haustür bis zu 20 Prozent Förderung auf den gesamten Auftragswert inklusive der Montage.

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