Diskriminierungsvorwurf gegen Türsteher: Stadtmühle weist Anschuldigungen zurück

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Ist ein Deutsch-Italiener nicht in die Stadtmühle gelassen worden, weil er betrunken wirkte oder weil er nicht „deutsch genug“ aussieht? Seine Freunde erheben Vorwürfe, der Club wehrt sich.

Haltern

, 23.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schwere Vorwürfe erhebt die Halternerin Thaias Apelt gegen die Türsteher der Disco Stadtmühle. Zum Geburtstag ihres Freundes wollte die 26-Jährige in der Nacht zu Sonntag mit einer etwa zehnköpfigen Gruppe in den Club gehen. Doch daraus wurde nichts.

„Meine Freundinnen, ein Freund und ich haben als erste den Eingang passiert“, erzählt Apelt: „Ohne Probleme.“ Als die anderen Männer nicht folgten, sah sie draußen nach. „Für euch heute kein Einlass“, habe einer der Türsteher gesagt, berichtet das Geburtstagskind Felix Falke: „Ihr seid fremd und ich kenne euch nicht.“

Stark alkoholisiert oder nüchtern als Autofahrer?

Thaias Apelt fragt sich: „Fremd, weil sie aus Bochum kommen? Oder weil der ein oder andere einen Migrationshintergrund hat?“ Laut Türsteher sei einer der Männer zu stark alkoholisiert gewesen. Die Halternerin versichert aber, dass ausgerechnet dieser keinen Schluck Alkohol getrunken habe, weil er noch Auto fahren musste.

Der Halb-Italiener sagt selbst: „Das ist ein generelles Problem.“ Mit südländischem Touch gebe es häufiger keinen Einlass, auch wenn man nüchtern und adrett gekleidet sei. Am Ende entschied sich die ganze Gruppe, lieber zu Hause weiterzufeiern.

Um ein größeres Erfahrungsbild einzuholen, haben wir unsere Instagram-Abonnenten zum Thema befragt - daraufhin bestätigen mehrere Halterner mit Migrationshintergrund die Schilderungen: „Obwohl ich Akademiker bin und seit dem siebten Lebensjahr hier lebe, schaut man mir erst auf die Haare“, schreibt einer. „Ich kann nur da feiern gehen, wo man mich bereits seit Jahren kennt.“

„Generalverdacht ist alles andere als in Ordnung“

Thaias Apelt betont: „Wir haben vollstes Verständnis dafür, wenn die Mitarbeiter der Stadtmühle aufgrund der Vorfälle aus den vergangenen Wochen vorsichtiger und kritischer entscheiden, wer eintreten darf.“ Sie sieht aber einen Generalverdacht gegenüber „Fremden“: „Das ist alles andere als in Ordnung.“ Mitte August war ein Mitarbeiter der Stadtmühle von herausgeworfenen Gästen schwer verletzt worden.

Tatsächlich gebe es seit dem Vorfall striktere Einlasskriterien, sagt Stadtmühlen-Chef Heiko Kausch auf Anfrage. Die bezögen sich aber ausschließlich auf angetrunkene Kunden und nicht auf die Herkunft der Gäste. „Bei uns gibt es definitiv keine Fremdenfeindlichkeit“, sagt er: „Wir haben selbst Mitarbeiter mit Migrationshintergrund.“

„Die Gruppe ist schon vom Parkplatz aus aufgefallen“

Kausch hat sich von den Türstehern den Vorfall schildern lassen und sagt: „Die Gruppe ist schon vom Parkplatz aus aufgefallen, sie hat rumgebrüllt und geschwankt.“ Im Gespräch mit einem der Türsteher sei ein Mann aggressiv geworden - deshalb habe man ihn nicht hineingelassen. „Alle Ausländer kommen in die Stadtmühle“, so Kausch: „Aber nur wenn sie sich benehmen können, so wie alle anderen auch.“ Am Ende heißt es in dem Fall: Aussage gegen Aussage.

Kommentar

Wie sich die Situation in der Nacht zu Sonntag abgespielt hat, ist nicht objektiv zu klären. Unabhängig von der Stadtmühle ist es aber grundsätzlich so, dass Menschen, deren Großeltern nicht in Deutschland geboren wurden, häufig Probleme haben, wenn sie abends tanzen gehen wollen. Das ist kein neues Ärgernis - das gab es auch vor mehr als zehn Jahren schon. Die Abendplanung war damals schon nicht einfach, weil Freunde mit ausländischen Wurzeln sagten: „Da komm ich eh nicht rein.“ Dass die Betroffenen schon so resignieren, ist ein großes Alarmsignal. Das Verhalten solcher Türsteher treibt nur einen Keil in die Gesellschaft. Wie sind Ihre Erfahrungen zu diesem Thema? Werden Sie oder Bekannte mit Migrationshintergrund anders behandelt als andere Menschen? Oder läuft alles gut? Schreiben Sie Ihre Meinung in die Kommentare unter diesem Artikel.
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