Diskussionen um rückwärts fahrende Müllwagen

Stadt will abwarten

Dürfen Müllfahrzeuge in Stichstraßen bald gar nicht mehr rückwärts fahren? Werden Anwohner in Sackgassen verpflichtet, ihre Abfalltonnen zu Sammelpunkten zu rollen? Haltern reagiert abwartend auf diese neu erhobene Forderung der Unfallkasse (wir berichteten überregional).

HALTERN

, 24.01.2016, 18:29 Uhr / Lesedauer: 1 min
ARCHIV - Ein Mitarbeiter einer Entsorgungsfirma hebt am Mittwoch (15.04.2009) in Monschau im Kreis Aachen eine Mülltonne an einen Entsorgungswagen. Am Mittwoch gibt der Bund der Steuerzahler in Düsseldorf eine Pressekonferenz zum Vergleich kommunaler Abfall- und Abwassergebühren.  Foto: Oliver Berg dpa/lnw +++(c) dpa - Bildfunk+++

ARCHIV - Ein Mitarbeiter einer Entsorgungsfirma hebt am Mittwoch (15.04.2009) in Monschau im Kreis Aachen eine Mülltonne an einen Entsorgungswagen. Am Mittwoch gibt der Bund der Steuerzahler in Düsseldorf eine Pressekonferenz zum Vergleich kommunaler Abfall- und Abwassergebühren. Foto: Oliver Berg dpa/lnw +++(c) dpa - Bildfunk+++

Man müsse abwarten, ob und wie sich die Gesetzgebung entwickelt. "Falls sich entscheidende Punkte ändern, müssen wir klären, ob wir den Vertrag mit unserem Entsorgungsbetrieb anpassen müssen", sagt Stadtsprecher Georg Bockey. Sicherheit müsse natürlich immer Vorrang haben. Möglicherweise könne sie ja auch durch technische Lösungen gewährleistet werden.

Rückwärtsfahrkameras

Das meint auch Michael Schneider, Pressesprecher des Unternehmens Remondis, das in Haltern die Tonnen leert. "Rückwärtsfahrkameras sind bei uns in allen Fahrzeugen schon jetzt Standard", erklärt er. Darüber hinaus werden die Fahrer regelmäßig geschult und müssen je nach Verkehrssituation und Wetterlage immer wieder neu entscheiden, ob eine sichere Zufahrt zur Abholstelle möglich ist.

Den Wunsch nach mehr Sicherheit könne er nachvollziehen. In den neun Jahren, in denen er für Remondis arbeite, sei ihm jedoch noch kein Unfall durch Rückwärtsfahren bekannt geworden - und das bei einigen tausend Fahrzeugen.

Grundsätzlich müsse man daher festhalten, "dass die flächendeckende Durchsetzung eines Rückfahrverbots für Entsorgungsfahrzeuge an der Lebenswirklichkeit der Abfallentsorgung nicht nur in Haltern, sondern in ganz Deutschland vorbeigeht", so Schneider.

Ältere Menschen betroffen

Die Durchsetzung eines generellen Rückwärtsfahrverbots träfe vor allem jene Bürger, die ihre Abfalltonne und/oder Gelben Sack zum Abholtag an die nächstgrößere, durchgängig vorwärts befahrbare Straße bringen müssten. Dies stelle in vielen Fällen - zum Beispiel bei älteren Menschen und Menschen mit körperlichen Behinderungen - eine unzumutbare Belastung dar.

Eine individuelle Abholung durch die Fahrer käme hingegen einer ständigen Unterbrechung der Abfuhr mit so drastischen Zeitverlusten gleich, dass die pünktliche Entsorgung ganzer Stadtgebiete gefährdet oder sogar unmöglich wäre. Schneider: "Ein generelles Rückwärtsfahrverbot erscheint vor diesem Hintergrund absolut unrealistisch."

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