Dr. Beythien: "Zeit ist Gehirn"

06.11.2007 / Lesedauer: 2 min

Haltern Dr. Rolf-Dieter Beythien Zeit ist der wichtigste Faktor bei der Behandlung eines akuten Schlaganfalls. "Sie haben bei einem akuten Hirninfarkt keine Zeit mehr, erst noch von Haltern nach Gelsenkirchen in die Klinik zu fahren", weckte Kardiologe und Chefarzt (Foto) das Bewusstsein für die zumeist unterschätzte Krankheit. Nur, wenn die Therapie nach erfolgter Computertomographie innerhalb der ersten drei Stunden beginne, gäbe es eine reelle Chance auf eine Rehabilitation der neurologischen Ausfälle. "Time is brain" (Zeit ist Gehirn) überschrieb er deshalb auch seinen Vortrag im Alten Rathaus, der den Auftakt zur 6. Halterner Herzwoche bildete. Rund 50 Zuhörer kamen zum Teil aus eigener Betroffenheit. Viele Betroffene, so Dr. Beythien, suchen mit ihren Symptomen viel zu spät die Hilfe des Arztes. Sie bagatellisieren die Merkmale wie Koordinations-, Schluck-, Sprach- oder Sehstörungen, weil sie im Gegensatz zu Herzinfarkt-Patienten keine Schmerzen haben. Dabei bedeute ein Schlaganfall absolute Lebensgefahr: "Die Schaltzentrale des Organismus bricht zusammen." Nur, wer schnell handelt, hat eine Chance, dass andere Gehirnteile die Arbeit ausgefallener übernehmen. "Dann ist nicht alles verloren." Ernstnehmen müsse man bereits vorübergehende Symptome. Dann l öse sich ein Gerinnsel im Gehirn in Minuten wieder auf. Man spreche von einem so genannten "Schlägle", aber Dr. Beythien warnte: "In der Ferne donnert es schon." Bei einem Schlaganfall sterben Nervenfasern auf einer Länge von 7140 Kilometern, der Mensch altert um 36 Jahre und 1,2 Milliarden Neuronen gehen zugrunde. Unheimliche Zahlen, die die Zuhörer aufschreckten. Deshalb öffnete Dr. Beythien noch einmal das Zeitfenster: "Ein Schlaganfall wächst wie ein Feuer, wer nichts tut, hat schlechte Karten." esc

Am Donnerstag (8.11.) geht es im Vortrag von Dr. Ramon Martinez ab 19.30 Uhr im Alten Rathaus um "Fortschritte in der Behandlung von Herzerkrankungen".

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