Dr. Stefan Leifert zur Lage Europas und der Journalisten

Der Takt ist atemberaubend

Die Nahaufnahme eines journalistischen Beobachters aus Brüssel fesselte 250 Gäste beim 16. Halterner Wirtschaftsgespräch. ZDF-Korrespondent Dr. Stefan Leifert berichtete über den Ausnahmezustand Europas. Auch erklärte er, wie Politiker und Journalisten miteinander reden, lästern oder sich offenbaren.

HALTERN

, 22.11.2015, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dr. Stefan Leifert, ZDF-Korrespondent in Brüssel, berichtete beim 16. Halterner Wirtschaftsgespräch im Hotel Seehof über die Lage Europas und die Anforderungen an den Journalismus.

Dr. Stefan Leifert, ZDF-Korrespondent in Brüssel, berichtete beim 16. Halterner Wirtschaftsgespräch im Hotel Seehof über die Lage Europas und die Anforderungen an den Journalismus.

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Eindrücke vom 16. Halterner Wirtschaftsgespräch HALTERN

250 Gäste hörten im Hotel Seehof einen Vortrag von ZDF-Korrespondent Dr. Stefan Leifert, einem gebürtigen Halterner, über den Zustand von Politik und Journalismus in Brüssel, dem Hauptsitz der EU.
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© Blanka Thieme-Dietel
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Bürgermeister Bodo Klimpel begrüßte den Gast im Seehof: „Stefan Leifert ist ein Halterner Junge, der einen überaus guten Ruf genießt und den wir wegen seiner kompetenten Berichte zu komplexen Themen sehr schätzen.“ Der 38-Jährige ist seit 14 Monaten Korrespondent in Brüssel. „Mir kommen sie vor wie drei Jahre.“

Die Abfolge von Krisen, der Wechsel von Themen, der Takt an großen Nachrichtenlagen sei atemberaubend. Ob Politiker oder Journalisten, Akteure oder Beobachter – alle seien sich einig, solche Monate in der europäischen Politik noch nie erlebt zu haben.

Weg von üblichen Routinen

Stefan Leifert fächerte über eine Stunde lang das Panorama vom ständigen Ausnahmezustand Europas auf: vom jüngsten Terror in Paris über die inzwischen in den Hintergrund gedrängte Griechenland-Rettung bis hin zur Flüchtlingskrise.

Der Pariser Terror und seine Wurzeln in Brüssel führten Journalisten und Politiker weit weg von den üblichen Routinen im Europaviertel. „Wenn ich morgens das Fenster öffne, muss ich mich nicht weit herauslehnen, um nach Molenbeek zu schauen, den Stadtteil, der nun als Dschihadisten-Hochburg von sich reden macht“, berichtete Stefan Leifert. Seine morgendliche Joggingstrecke führt nach zwei Minuten an der Rue Delaunoy vorbei, in der mit Sonderkommandos nach einem der Massenmörder von Paris gefahndet wurde. Lageberichte, Einschätzungen, Nachrichtensendungen im Stundenrhythmus – das alles möglichst schnell und in richtigem Ton verlangen den Journalisten alles ab. Und die Politik: „Ratlos und im Ausnahmezustand.“

Ein Megathema

Die Flüchtlingskrise ist ebenso ein Megathema: „Nicht die Tatsache der Flucht, sondern Europas Umgang mit ihr haben sie zur Krise werden lassen, die die Qualität hat, die EU in ihrer Existenz zu bedrohen.“ Die Verhandlungen um Griechenland brachten schon vorher Europa ins Wanken. „Mit Tsipras und Varoufakis schienen zwei Polit-Anarchos in den trägen Brüsseler Politikbetrieb einzumarschieren, die erklären wollten, wie es zu laufen hat.“

Wie kommen Journalisten angesichts solcher Schicksals-Wochen zu ihren Bewertungen? Stefan Leifert: „Je besser ein Journalist in Brüssel vernetzt ist, desto näher kommt er dem Geschehen. Wir können noch so viel Wissen über Europa und seine Verträge mitbringen, für einen Journalisten ist das alles nichts, wenn er nicht mit denen spricht, die verhandeln, streiten, pokern, tricksen und entscheiden.“

"Europa ist zusammengerückt"

Aufbruchstimmung bringe im Moment keiner mit, der aus der „EU-Hauptstadt“ berichte. Aber nach der Nacht von Paris sei Europa plötzlich wieder zusammengerückt.

Jochen Heckmann, Vorsitzender des veranstaltenden Vereins Haltern aktiv dankte: „Das war ein brillianter Vortrag. Er hat ein Bild vermittelt von der Not und dem Druck der Politiker, die unsere Welt drehen in schwierigen Zeiten.“

Das Vortragshonorar stiftet Dr. Stefan Leifert an NGO (Relief and Reconciliation"), eine Organisation, die sich um syrische Flüchtlingskinder im Libanon kümmert.

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