Dr. Stephan Berke legt seit Jahrzehnten die Halterner Römer-Geschichte frei

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Schon sein ganzes Leben lang begleitet Dr. Stephan Berke die Halterner Historie. Jetzt fand er neue Anhaltspunkte für die These, dass Haltern wirklich das legendäre Römerlager „Aliso“ war.

Haltern

, 26.10.2018, 09:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sich mit dem Tod zu beschäftigen, ist für viele Menschen unangenehm. Für Dr. Stephan Berke ist es jedoch eine faszinierende Berufung. Er ist als Kustos der klassischen Archäologie an der Universität in Trier angestellt und begleitet seit 1981 Ausgrabungen in den römischen Anlagen in Haltern. „Im Garten der Familie Etterich, an der Varusstraße 68“, sei seine erste Ausgrabung in Haltern gewesen. „Seitdem habe ich mich häufig mit Halterner Themen und Ausgrabungen beschäftigt. Das“, blickt er zurück, „ist schon eine lange Zeit“.

Der Archäologie ist er schon immer verfallen gewesen. „In der Schule habe ich das Buch ‚Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit‘ von Rudolf Pörtner gelesen“, erinnert sich Berke. In diesem Buch gibt es auch einen Teil über Haltern. „Das hat mich schon damals interessiert“, so der 61-Jährige. Schnell war klar, dass er Archäologie studieren wollte. Um das zu erreichen, musste auch Griechisch und Latein gelernt werden. 1978 ging das Studium in Münster los, die erste Ausgrabung in Bergkamen folgte nur ein Jahr später. Und dann kam Haltern. Nach dem ersten Einsatz 1981, leitete er 1982 als junger Student zum ersten Mal als örtlicher Grabungsleiter eine Ausgrabung am Grünen Winkel. Hierbei wurde das römische Gräberfeld entdeckt, das ihn bis heute begleitet.

Dr. Stephan Berke legt seit Jahrzehnten die Halterner Römer-Geschichte frei

Dr. Stephan Berke © Sandra Weber-Berke

Von 1985 bis 1987 arbeitete Berke als wissenschaftlicher Volontär beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). 1988 war seine vorerst letzte Grabung in Haltern. „Dann habe ich 30 Jahre Pause gemacht, war selbstständig, habe 2009 an der großen Varusausstellung in Detmold teilgenommen und habe für die Deutsche Forschungsgemeinschaft gearbeitet“, berichtet Berke. Auch hat er in der Zeit den Auftrag bekommen, die Ausgrabungen zwischen der Weseler und der Dorstener Straße wissenschaftlich zu publizieren. Denn die Grabungen gingen natürlich auch ohne ihn weiter. „An der Publikation sitze ich noch“, sagt der in Lingen/Ems geborene Archäologe. Insgesamt wurden rund 55.000 Quadratmeter Fläche ausgegraben. „Da gibt es entsprechend viele Funde und Befunde. Das ist schon eine Hausnummer und sehr aufwendig“.

Vor Weihnachten soll jedoch noch ein Beitrag erscheinen, der sich mit der „relativen und absoluten“ Chronologie des Halterner Gräberfeldes beschäftigt. Die bietet neue Erkenntnisse: „Bisher war die Lehrmeinung immer, dass im Jahr 9 nach Christus für die Römer in Haltern Schluss war“, sagt Berke. „Damit wäre ausgeschlossen, dass Haltern das sogenannte Aliso ist. Aber mit gebotener Vorsicht lässt sich anhand des Gräberfeldes erkennen, dass die Anlagen in Haltern in jedem Fall bis 17 nach Christus belegt waren, was wiederum dafür spricht, dass Haltern Aliso ist“, erklärt Berke.

Viertes Grab gefunden

Auch wegen dieser Erkenntnisse zog es ihn in diesem Sommer zurück nach Haltern. Mit einigen Studenten der Uni Trier grub er im Garten der Familie Matyla bei deren Neubau, und wurde dabei fündig (wir berichteten). Statt, wie zuvor vom LWL mitgeteilt, drei Gräber, wurden mittlerweile vier Grabanlagen gefunden. „Dazu muss man wissen, dass es etwas anders ist, als bei einem modernen Friedhof. Dort sind es immer sehr kleine Grabbezirke, in der römischen Zeit waren die viel größer. Ein Grabbau kann sieben bis vierzehn Meter Umfang einnehmen“, erklärt der Wissenschaftler. Die bedeutsamen Funde haben den Archäologen schon überrascht. „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass sie in solch einer Dichte da sind“, gibt er zu.

Im nächsten Jahr möchte er wiederkommen, wenn es irgendwie geht. Denn die Ausgrabungen faszinieren ihn immer wieder. „In meinem Forscherleben würde ich gerne noch herausfinden, wie weit der römische Friedhof in Haltern nach Westen reicht. Und es gibt immer etwas Neues.“ Auch deshalb sagt er: „Das Erstaunliche an Haltern ist, dass sich hier mit archäologischen Mitteln Geschichte ausgraben lässt. Das kann man sonst ganz selten“.

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