Dritter Prozesstag endet mit "traurigem Eindruck"

Jugendstrafkammer

DORSTEN Wegen dreifach versuchten Mordes müssen sich drei Jugendliche aus Dorsten und einer aus Gladbeck vor der Jugendstrafkammer des Landgerichts Essen verantworten

von Von Martina Ricken

, 19.05.2009, 15:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dritter Prozesstag endet mit "traurigem Eindruck"

Die Dorstenerin lebt heute in einem Heim in der Nähe von Berlin. Zwei Betreuerinnen begleiteten die auf den ersten Blick kindlich wirkende 14-Jährige im grauen Jogginganzug. „Ich weiß, dass dir das unangenehm ist. Aber die Angeklagten haben schon alles frank und frei erzählt. Du haust hier also niemanden in die Pfanne“, versuchte Richter Busold das Eis zu brechen. Doch er biss auf Granit. Nur sehr wenige unbedeutsame Sätze kamen leise aus ihrem Mund. Der Richter hielt der Zeugin ihre Aussage vor, die sie bei der Polizei gemacht hatte. Dort hatte sie erzählt, dass die Eltern mit Beilen umgebracht werden sollten, weil bei ihnen Geld zu holen gewesen sei. „Wie sollte das denn zuhause bei dir ablaufen?“, fragte der Richter nach. „Ich will da drüber nicht reden“, lautete die Antwort. „Du hast gesagt, dass du auf deine Mutter einen unwahrscheinlichen Hass gehabt hast. Du hast sie in der Badewanne liegen sehen und am liebsten einen Fön rein geworfen“, bohrte der Vorsitzende nach. Die Reaktion der 14-Jährigen bestand aus einem zustimmenden Nicken. Auch Rechtsanwalt Rudolf Bockholt, der den Freund des Mädchens verteidigt, versuchte sein Glück. „Erzähl doch mal, wie ihr euch die Zukunft vorgestellt habt. Ihr wolltet doch zusammen eine Wohnung nehmen. Habt ihr darüber gesprochen, wie ihr das finanzieren wolltet?“ „Ich weiß das im Moment nicht. Ich habe andere Probleme“, antwortete die Zeugin mit trotzigem Unterton.

Richter Busold unternahm einen letzten Versuch, drohte mit der Möglichkeit der Erzwingungshaft bei Aussageverweigerung: „Backen zusammenkneifen und wie ein kleines trotziges Mädchen nichts sagen, das geht nicht.“ Die Zeugin schwieg trotzdem. Erst auf dem Gerichtsflur brach es aus ihr heraus – ein Weinkrampf mit lautem Schluchzen, der trotz geschlossener Türen bis in den Gerichtssaal zu hören war.

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