«Echt griechisch» begehrt

Haltern Waren das noch ruhige Zeiten, als im Römermuseum quirlige Schulklassen zwischen den Exponaten herumwuselten.

11.07.2007, 18:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Zurzeit sieht es besonders auf den Fluren aus, als hätten dort Möbelpacker ungeordnet die Inhalte von Containern abgestellt. «Das ist alles gut geplant», beruhigt Museumsleiter Dr. Rudolf Aßkamp. Obwohl die Einrichtung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe derzeit geschlossen ist, herrscht Hochbetrieb: Die Vorbereitung der Ausstellung «Luxus und Dekadenz» hat ihre praktische Vorbereitungsphase erreicht.

In dieser Woche ist die Ausstellungsarchitektur eingetroffen, von Spezialisten eigens entworfen. Das hat seine guten Gründe, denn die Dauerausstellung im Halterner Museum wird nur zum Teil abgebaut. Mit Hilfe von Sonderanfertigungen werden einige Stücke geschickt ummantelt, um zum Beispiel Platz für griechische Luxus-Kunst zu machen.

«Made in Greece» war vor 2000 Jahren ein gefragtes Qualitätsmerkmal. In Griechenland gefertigt worden zu sein, zeichnete Kunstwerke und Ausstattungsgegenstände als hochwertige Produkte aus. Bei den wohlhabenden Römern standen vor allem Originale berühmter griechischer Künstler hoch im Kurs - begehrt waren zum Beispiel die Werke der Bildhauer Polyklet und Praxiteles. Die bronzenen oder marmornen Stücke waren größtenteils Kriegsbeute oder durch Mittelsmänner in römischen Privatbesitz gelangt. Sie sollten dort nach der Devise «Hauptsache echt» Eindruck machen.

Antiker Kunsthandel

Wer sich heute Marmor aus der Toskana, Pralinen aus Belgien oder gar ein echtes Bild von Andy Warhol kommen lässt, dürfte die Verzückung der antiken Kunstsammler und -liebhaber beim Anblick der importierten Luxusware verstehen. Doch genau wie heute waren Originale auch in der Antike ausgesprochen rar.

Die Ausstellung im Römermuseum lässt den regen Kunsthandel der Antike wieder aufleben und zeigt unter anderem wertvolle importierte Skulpturen und ein Prunkgefäß, das die Inschrift des griechischen Künstlers aufweist und deshalb «echt griechisch» ist.

Silvia Wiethoff

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