Edeka-Überfall war organisierte Kriminalität

Ermittlungen dauern an

Noch immer haben die Ermittlungen im Fall des Überfalls auf einen Edeka-Marktes nicht zum Erfolg geführt. Der stellvertretende Pressedezernent beim Essener Landgericht, Rainer Kock, hat mit uns über die Ermittlungen gesprochen.

HALTERN

, 19.05.2015, 15:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Edeka-Überfall war organisierte Kriminalität

Am Samstagabend wurde der Edeka-Markt in Sythen überfallen.

Für die Mitarbeiter, drei Männer und eine Frau, des Sythener Edeka-Marktes an der Thiestraße, wird der Abend des 25. Oktobers 2014 wohl ewig in Erinnerung bleiben. Gegen 21 Uhr überfielen zwei maskierte, mit Pistolen bewaffnete Männer das Geschäft und raubten die Tageseinnahmen.

„Der Fall ist bei uns mittlerweile im Bereich ,Organisierte Kriminalität‘ als offener Fall angesiedelt“, erklärt Rainer Kock, stellvertretender Pressedezernent beim Landgericht Essen. „Die Videoaufnahmen brachten leider aufgrund der Maskierung der Täter keine weiteren erfolgversprechenden Ermittlungsansätze“, so Kock. Zum Stand der Ermittlungen und zum Inhalt des Verfahrens will sich die Essener Staatsanwaltschaft zurzeit nicht äußern, man müsse abwarten.

Definition

Der Fachbereich der „Organisierten Kriminalität“ wurde 1990 vom Bundeskriminalamt (BKA) als bundesweit gemeinsame Arbeitsgruppe für Justiz und Polizei (GAG) entwickelt. Er definiert sich folgendermaßen:

„Organisierte Kriminalität ist die von Gewinn- oder Machtstreben bestimmte planmäßige Begehung von Straftaten, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit von erheblicher Bedeutung sind, wenn mehr als zwei Beteiligte auf längere oder unbestimmte Dauer arbeitsteilig

  • a) unter Verwendung gewerblicher oder geschäftsähnlicher Strukturen,
  • b) unter Anwendung von Gewalt oder anderer zur Einschüchterung geeigneter Mittel oder
  • c) unter Einflussnahme auf Politik, Medien, öffentliche Verwaltung, Justiz oder Wirtschaft zusammenwirken.“

Staatsanwaltschaft

Im Falle des Edeka-Marktes war es die Anwendung von Gewalt durch Waffeneinsatz.

Die von der Polizei ermittelten Verfahren werden hierbei nach einem bundesweit einheitlichen Raster erhoben, das beim Sythener Überfall zur Eingruppierung durch die Staatsanwaltschaft führte.

Ermittlungserschwerend

Auf der Homepage des BKA sind dazu die Statistiken der Jahre 2000 bis 2013 zu lesen und stehen dort zum Download bereit. Die Statistik zeigt auch, dass nur etwa 50 Prozent der Taten durch die Polizei aufgeklärt werden können. Der Polizeiwissenschaftler Prof. Dr. Clemens Lorei führt die geringe Aufklärungsquote auf sogenannte „ermittlungs-erschwerende Hürden“ zurück.

Als Beispiele nennt er: Der Täter oder die Täter sind meist maskiert; es gibt mangelhafte Zeugenaussagen; die Video-Aufzeichnungen sind oft von unzureichender Qualität; die Frage: einer oder mehrere Täter lässt sich erst im Verlauf der Ermittlungen klären, falls überhaupt; die Motive sind individuell und deshalb unklar. Kurz: Man weiß nicht viel, vor allem nichts Entscheidendes. Jedes Mal sind die Bedingungen anders gewichtet. 

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