Ehemaliger Halterner Handballer berichtete aus Paris

"Es waren schreckliche Bilder"

In der Saison 2008/2009 spielte Rafael Buschmann Handball beim HSC Haltern-Sythen. Während dieser Zeit war er auch als freier Mitarbeiter für unsere Redaktion tätig. Nun erlebte der 33-Jährige hautnah, wie Terroristen die Welt in Angst und Schrecken versetzten.

HALTERN/PARIS

, 15.11.2015, 18:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Freitag war er nach Paris gereist, um für das Nachrichtenmagazin "Spiegel" über das Fußballspiel zwischen Frankreich und Deutschland zu berichten. Themen rund um die DFB-Nationalmannschaft gehören zu seinem Aufgabengebiet. Eigentlich also ein ganz normaler Auftrag. Eigentlich. Doch dann kam alles ganz anders. Im Gespräch mit unserer Redaktion schildert er seine Erlebnisse.

Knall war sehr laut

Er habe an seinem Reporterplatz im Stadion gesessen, als es den ersten Knall gab. "Ich habe mich erschrocken und war verwundert. Der Knall war sehr laut, aber im Stadion war nirgendwo Rauch zu sehen. Nur wenige Minuten später folgte ein zweiter Knall." Kurz vor der Halbzeitpause habe auf der Pressetribüne zum ersten Mal die Nachricht die Runde gemacht, dass sich in der Nähe ein Attentat ereignet habe. "Und dann hat es ein drittes Mal geknallt", so Buschmann. Die ersten Zuschauer hätten daraufhin versucht, das Stadion zu verlassen. "Aber sie sind nicht rausgekommen. Einige Ausgänge waren bereits abgeriegelt."

Geiselnahme

Im Laufe der zweiten Halbzeit habe er nach und nach weitere Informationen erhalten. "Nach dem Schlusspfiff wollte ich mich zum Konzertsaal Bataclan begeben, aber rund um das Stadion ging nichts mehr", erinnert er sich. Zunächst sei er drei Kilometer zu Fuß gelaufen. "Dann hat mich ein Franzose mitgenommen und mit seinem Auto dorthin gefahren."

Als der 33-Jährige an dem Klub ankommt, läuft die Geiselnahme noch. Er steht nur wenige hundert Meter entfernt von dem Ort, an dem in diesem Augenblick zahlreiche Menschen ums Leben kommen. "Ich habe Schüsse und Detonationen gehört, gesehen, wie die Polizisten das Gebäude stürmten, um die Geiselnahme zu beenden. Es waren natürlich sehr schreckliche Bilder", sagt er.

Online-Bericht

Auf der Straße, so beschreibt er, hätten rund 100 Rettungswagen gestanden. Ein japanisches Restaurant in der Nähe sei spontan als ärztliche Notversorgungsstelle für Verletzte umfunktioniert worden. "Selbstverständlich ging mir das nah und natürlich hatte ich auch großen Respekt vor der Situation, aber ich habe in diesem Moment nicht lange nachgedacht. Ich habe einfach nur versucht, so gut es geht meinen Job zu machen."

Noch in der Nacht schreibt Rafael Buschmann seinen ersten ausführlichen Bericht für den Online-Auftritt des Magazins: "Terroranschläge während des Länderspiels", lautet die Überschrift. "Richtig realisiert", so erzählt er, "habe ich die Geschehnisse erst am Tag danach, als ich mit meiner Frau telefoniert habe. Sie hatte sich verständlicherweise auch Sorgen um mich gemacht."

Tätersuche

Die Anschläge von Paris werden den Journalisten auch in den kommenden Tagen beschäftigen. Mittlerweile ist er von Paris nach Brüssel gereist, wo im Stadtteil Molenbeek mehrere Personen festgenommen wurden, darunter auch ein Verdächtiger, der am Freitag in Paris gewesen sein soll. "Für mein Team und mich beginnt nun die Tätersuche", erklärt er. An Fußball denkt schon lange keiner mehr.

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