Eichenprozessionsspinner-Befall in Haltern - So sollten Sie jetzt vorgehen

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Seit über 10 Jahren breitet sich der Eichenprozessionsspinner in Haltern aus. Ein Ende ist nicht abzusehen. Was Sie jetzt tun können, verraten wir Ihnen in unseren Fragen und Antworten.

Haltern

, 12.06.2019 / Lesedauer: 5 min

Die Meldungen von Eichenprozessionsspinnern in Haltern nimmt kein Ende. An immer mehr Stellen der Stadt werden die Raupen mit ihren giftigen Haaren entdeckt. Wir sagen Ihnen, was zu tun ist, wenn Sie den giftigen Tierchen begegnen.

? Warum sind die Tierchen so gefährlich?

„Häufig kommt es nach einem Kontakt mit den Brennhaaren zu Symptomen an der Haut, die mit Rötungen und einem teils starken, mehrere Tage andauernden Juckreiz einhergehen (Raupendermatitis)“, schreibt das Umweltbundesamt auf seiner Internetseite. Schuld daran sind die mit dem Eiweißgift Thaumetopoein gefüllten Brennhaare, die die Raupen ab dem dritten Larvenstadium ausbilden, so der Naturschutzbund (Nabu).

Werden die Brennhaare eingeatmet, kommt es durch die Reizung der Schleimhäute zu Husten, Bronchitis und Asthma. Gelangen die Haare in die Augen, entstehen Rötungen, Juckreiz oder es kommt zu einer Bindehautentzündung. Außerdem sind Fieber und Schocks möglich.

? Wie sollte ich mich verhalten, wenn ich Eichenprozessionsspinner entdecke?

„Befallene Gebiete sollten grundsätzlich gemieden werden“, schreibt die Stadt Haltern auf ihrer Internetseite. „Raupen und Gespinste sollten nicht berührt werden. Nackte Hautbereiche (z.B. Nacken, Unterarme) sollten durch Kleidung geschützt werden.“ Kommt es trotzdem zum Kontakt, empfiehlt die Stadt, Körper und Haare gründlich zu waschen und Kleidung bei mindestens 60 Grad Celsius in die Waschmaschine zu geben. „Bei Krankheitserscheinungen sollte unbedingt ein Arzt ausgesucht und auf den Kontakt mit den Raupenhärchen hingewiesen werden.“

? Wo in der Stadt wurden schon Eichenprozessionsspinner gemeldet?

Auf der folgenden Karte sehen Sie Stellen in Haltern, an denen unsere Leser in diesem Jahr Eichenprozessionsspinner entdeckt haben:

Auf Nachfrage beim Kreis Recklinghausen heißt es, dass die Städte auch an Kreisstraßen zuständig sind, da es sich um eine Angelegenheit „vor Ort“ handele, so Jochem Manz, Sprecher des Kreises. Finden Bürger befallene Eichen, bittet die Stadt, diese an die Grünflächenpflege der Stadt unter Tel. (02364) 933478 oder baubetriebshof@haltern.de zu melden.

Längerfristige Sperrungen hat die Stadt wegen des Eichenprozessionsspinners in diesem Jahr noch nicht vornehmen müssen, so Stadtsprecher Georg Bockey. Am Dienstagmorgen war die Stadt am Spielplatz an der Heerstraße zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners im Einsatz. Zuvor hatten wohl Anwohner den Spielplatz mit Klebeband gesperrt, heißt es von der Stadt. Offenbar hatte sich hier ein Vogel in den Klebestreifen verfangen.

? Treten die Tiere in diesem Jahr vermehrter auf als in anderen Jahren?

„Der Eindruck ist schon da“, sagt Nikolai Eversmann von der Biologischen Station des Kreises Recklinghausen in Dorsten. Verantwortlich sei dafür seiner Meinung nach wahrscheinlich das trockene und warme Wetter im Frühjahr, wenn sich die Raupen entwickeln, und im Sommer, wenn sich die Nachtfalter ausbilden. Das könne auch mit dem Klimawandel zusammenhängen.

„Eigentlich stammt die Art aus dem Mittelmeerraum, sie wandert aber seit einigen Jahrzehnten nordwärts.“ Dass sich dieser Wettertrend in den kommenden Jahren ändern wird, denkt Eversmann nicht. Laut der Stadt Haltern wurde 2008 erstmals ein Fund in Lippramsdorf und 2009 in Haltern-Mitte gemacht worden. „Seit 2010 ist das gesamte Stadtgebiet betroffen“, so die Stadt.

? Wer ist für die Bekämpfung zuständig, wenn ich einen Befall auf meinem eigenen Grundstück habe?

“Hier ist jeder selber verantwortlich“, heißt es von der Stadt Haltern auf Nachfrage. Was eingesetzte Biozide angehe, gebe es seitens der Stadt keine Auflagen. „Chemische und biologische Bekämpfungsmittel töten nicht nur Schadinsekten, sondern können auch andere zum Teil geschützte Tierarten schädigen“, warnt das Umweltbundesamt. Nur wenn die Anwendung wegen fehlender schonenderer Alternativen unumgänglich sei, sollten derartige Mittel angewendet werden. Weitere Hinweise zum Vorgehen und zu Mitteln zur Bekämfung gegen die Raupen finden Sie hier und auf der Seite des Nabu.

? Was kann ich selber gegen die Eichenprozessionsspinner tun?

Sowohl Frank Vofrei als auch Nikolai Eversmann raten von einem Kampf auf eigene Faust gegen die Prozessionsraupen eher ab. „Die Bekämpfung als Privatperson ist schwierig“, sagt Vofrei. Er rät davon ab, die betroffenen Bäume abzuflämmen, weil dadurch die Brennhärchen verwirbelt würden. Und auch davon, die Tiere in den Hausmüll zu werfen. Denn spätestens bei der Entleerung der Mülltonne würden die Haare wieder aufgewirbelt.

Auch deshalb rät Frank Vofrei zu besonderer Vorsicht, etwa beim Rasenschneiden unter Eichen, die schon einmal von einem Nest befallen waren. „Irgendwann fallen die Nester auf den Boden. Die Brennhärchen sind bis zu sieben Jahre aktiv.“ Durch das Schneiden könnten die dann in der Luft aufgewirbelt werden. Sofern es nur einen geringen Befall gebe, sei es sinnvoller, die Bäume zu meiden, so Eversmann. Sind Allergiker oder kleine Kinder im Spiel, solle aber am ehesten ein Unternehmen mit der Bekämpfung beauftragt werden.

? Wie gehen die Unternehmen gegen die Eichenprozessionsspinner vor?

Laut Frank Vofrei, Inhaber vom Baumdienst Vofrei in Lavesum, gehen spezielle Firmen mit Schutzkleidung, Atemschutz, Schutzbrille und Handschuhen gegen die Raupen vor. Mit einem speziellen Sauger, der eigentlich für das Aufsaugen von Asbest vorgesehen ist, werden die Tiere von den Bäumen in spezielle Filtertüten gesaugt. Ein Filter in dem Sauger saugt die kleinen Härchen auf. Dadurch werde ein Aufwirbeln in der Luft verhindert, so Vofrei.

Im Anschluss kommen die Tiere in einen 200-Liter-Behälter, der neben Krankenhausabfällen als Sondermüll im Abfallkraftwerk RZR in Herten verbrannt wird. Und das sei ein zusätzlicher Kostenfaktor für ein Unternehmen in puncto Eichenprozessionsspinner.

? Was kostet mich die Bekämpfung durch ein Unternehmen als Privatperson?

Frank Vofrei rechnet generell mit Kosten zwischen 50 und 250 Euro pro befallenem Baum. „Es kommt auch auf die Zahl der Nester an und darauf, ob mit einem Hubsteiger gearbeitet werden muss“, so Vofrei. Würde nur am Boden gearbeitet, sei es natürlich günstiger. Meistens befinde sich aber das Doppelte oder Dreifache in den Bäumen. In den Kosten inbegriffen sind die Schutzkleidung im Wert von 70 Euro, die nach dem Einsatz entsorgt werden muss sowie die speziellen Saugtüten, die allein jeweils 40 Euro kosten.

? Was macht die Stadt gegen einen Befall?

Vorbeugend wie die Stadt Castrop-Rauxel wollte die Stadt Haltern dieses Frühjahr nicht gegen den Eichenprozessionsspinner vorgehen.

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„Wir werden prioritär aktiv, wenn die Eichenprozessionsspinner an Spielplätzen, Kindergärten und Schulen sind. Zudem natürlich auch dort, wo konkrete Gefahren abzusehen sind“, hieß es dazu vergangene Woche von der Stadt.

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