Ein Landschaftsfenster erinnert am Silbersee II an das ehemalige Kriegsgefangenenlager

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Ein Denkmal der Erinnerung und eine Mahnung für die Zukunft - am Silbersee II wird jetzt die Vergangenheit präsent.

Haltern

, 04.09.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bis zu 10.000 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter waren hier zeitweise untergebracht: Dort, wo heute Badegäste im Sommer den Silbersee genießen, befand sich im Ersten Weltkrieg ein Lager mit 78 Baracken. Daran erinnert jetzt ein Landschaftsfenster, das am Mittwoch offiziell vorgestellt wurde.

Schüler der Kardinal-von-Galen-Hauptschule aus Dülmen lasen Briefe von und an Kriegsgefangene, die sie aus ihrer heutigen Sicht verfasst haben. „Wenn du nicht in den Krieg gemusst hättest, hättest du alt werden können“, schreibt beispielsweise eine Schülerin an der jungen Soldaten Sergej, der den Aufenthalt im Lager nicht überlebte. Vor allem hat die Schüler beeindruckt, dass die jungen Soldaten, die hier gefangen waren und starben, genau so alt waren wie sie selbst.

Schüler haben bei der Dokumentation geholfen

Schüler haben sich auch immer wieder an Ausgrabungen und der Dokumentation des Lagers beteiligt - unter der Anleitung ihres Lehrers Rudolf Herrmanns, der sich lange Jahre für diese Gedenkstätte eingesetzt hat. Er nahm gemeinsam mit den Bürgermeistern der Städte Dülmen und Haltern, Lisa Stremlau und Bodo Klimpel, an der offiziellen Vorstellung des Landschaftsfensters teil.

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Landschaftsfenster zum Kriegsgefangenenlager Dülmen eröffnet

Franzosen, Belgier, Russen und Briten waren im Lager untergebracht. Sie mussten in den umliegenden Zechen und auch in der Sprengstoffproduktion arbeiten. Zwar werden die Zustände im Lager zunächst als relativ human beschrieben, dennoch kam es vor allem im kalten Winter 1916/17 zu Hungersnot und Sterbefällen. 750 Gefangene, vor allem Russen, überlebten den Winter nicht.

Gute interkommunale Zusammenarbeit

Daran erinnerte auch Bürgermeister Bodo Klimpel, der außerdem die gute interkommunale Zusammenarbeit zwischen den beiden beteiligten Städten hervorhob. Lisa Stremlau, Bürgermeisterin von Dülmen, dankte den Schülern für ihren Einsatz. „Dieses Landschaftsfenster dient nicht nur der Erinnerung, es mahnt uns auch nicht zu vergessen, dass es auch heute überall auf der Welt Gefangenenlager gibt. Wir sollten es als Aufforderung zum friedlichen Zusammenleben verstehen.“

Transparente Durchsicht auf die Landschaft

Das Landschaftsfenster fasst in einem kurzen Text die Geschichte des Lagers zusammen. Zu sehen ist außerdem ein Foto, das die Eingangssituation ins Lager und die lange Reihe der Holzbaracken zeigt. Darunter veranschaulicht eine Grafik die Lage des Lagers. Vom Standort des Betrachters aus befindet man sich direkt an der Eingangsseite. Die damaligen Baracken standen dort, wo sich heute das Wasser des Silbersees ausbreitet.

Ein Landschaftsfenster erinnert am Silbersee II an das ehemalige Kriegsgefangenenlager

Dieses Foto vom Kriegsgefangenenlager ist auch auf dem Landschaftsfenster zu sehen. © Archiv Backmann

Text und Bilder sind transparent gehalten. Man nimmt also die Informationen wahr, gleichzeitig bleibt der Blick in die Landschaft erhalten. Mehrere Sponsoren haben das Projekt unterstützt und zur Finanzierung des Landschaftsfensters beigetragen: Die Kulturstiftung Masthoff aus Haltern, der Rotary Club Dülmen, die Bürgerstiftung Dülmen und dar Heimatverein Dülmen.

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