Ein Leben voller Höhen und Tiefen

Trio"-Drummer Peter Behrens

Es war ein zwiespältiger Freitagabend (17.4.) in der Stadtbücherei, als Peter Behrens seine Biographie „Der Clown mit der Trommel“ vorstellte.

Haltern

, 20.04.2015, 16:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Leben voller Höhen und Tiefen

Zum Schluss ließ Peter Behrens alte Zeiten wieder aufblitzen, als er ans Schlagzeug trat und zusammen mit dem Musiker Ecki Schrader alte Trio-Hits wieder aufleben ließ.

Auf der einen Seite war da ein sympathischer älterer Mann, der mit der Band „Trio“ Musikgeschichte geschrieben hatte. Auf der anderen Seite stand dort ein Mensch, der vom jahrelangen Drogen- und Alkoholkonsum und von einem Schlaganfall im letzten Jahr gezeichnet war.

Zusammen mit seinem Co-Autor Klaus Marschall trat er ans Mikrophon, war aber oft schwer zu verstehen. Immer wieder fragte Peter Behrens nach einer Pause. Dann aber, zum Schluss, ließ er alte Zeiten wieder aufblitzen, als er ans Schlagzeug trat und zusammen mit dem Musiker Ecki Schrader alte Trio-Hits wieder aufleben ließ: „Los Paul, du musst ihm voll in die Eier hau’n, das ist die Art von Gewalt, die wir seh’n woll’n ....“ Man merkte sofort, dass das sein Ding war und er sich wohl fühlte – nicht reden, sondern trommeln. Das Publikum wartete gespannt auf die Geschichten aus dem Musikerleben.

Viele Hintergründe

Im ersten Teil des Abends las Klaus Marschall aus der Biographie von Peter Behrens und dieser selbst erzählte Hintergründe zu den gelesenen Passagen. Es fing an mit Geschichten aus der Kindheit und Jugend. Von einem Beamtenpärchen adoptiert und aufgezogen war Peter sportlich aktiv und dreimal Niedersachsen-Meister im Schwimmen. In seiner Jugend begann das, was ihn sein Leben lang verfolgte: die Unzufriedenheit mit seiner momentanen Situation. Seine Ausbildung zum Fotografen befriedigte ihn wenig und er startete ein Studium, um Volksschullehrer zu werden. „Der Gedanke, den ganzen Tag vor gelangweilten Kindern zu reden, machte mir Angst.“

Er brach sein Referendariat ab und besuchte eine Mailänder Artistenschule, Schwerpunkt Clownerie. In der Zeit der beruflichen Findung tingelte Peter als Schlagzeuger in erfolglosen Schlager- und Swingbands durch Deutschland. Auch dabei drohte er, aus Langeweile im Zigaretten- und Alkoholkonsum zu versumpfen. Dann lernte er Stephan Remmler und Kralle Krawinkel kennen und gründete mit ihnen die Band „Trio“. Mit ihren innovativen und minimalistischen Titeln waren sie das Aushängeschild der Neuen Deutschen Welle. Es folgten ein steiler Aufstieg, ein kurzer Höhenflug und ein tiefer Fall. „Wir wurden durch die Welt gescheucht“.

Heroinsucht verfallen

Nach der Trennung von „Trio“ folgten für Peter Behrens lange Jahre der Drogensucht, finanzielle Schwierigkeiten und Arbeitslosigkeit. Peter Behrens beschönigte nichts und redete über seine Heroinsucht: „Die Sucht hatte mich im Griff. Dumpfheit breitete sich aus und der Bezug zu meiner eigenen Persönlichkeit ging verloren.“ „Welche Freunde sind Ihnen aus der NDW-Zeit geblieben“, wollten die Zuhörer in der Stadtbibliothek wissen. „Keine“, antwortete Peter Behrens sofort.

Am Freitagabend gab es eine recht desillusionierende Lebensgeschichte eines Rock’n’Rollers. Wenig Licht, viel Schatten. Die Geschichte eines Menschen, der seinen Weg nicht finden konnte und zudem am kurzzeitigen Erfolg scheiterte. Zum Abschluss der Lesung sagte Peter Behrens: „Ich bin heute zufrieden mit meiner Unzufriedenheit“. Nach der Lesung gab es fünf Songs von Trio, die er mit Ecki Schrader spielte. Ein in Haltern gedrehtes Video zeigte das aktuelle Projekt der beiden: „I Am The Nowhere Man“.

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