Ein Missionar zwischen Gemüse und Mathematik

17.07.2007, 18:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Haltern Der Halterner Gunnar Loose ist seit September 2006 "Missionar auf Zeit" in Rumänien. In loser Folge informiert er über seine Arbeit im Kinderheim Schineni:

"Der Garten ist für den Winter fertig hergerichtet. Für mich besonders interessant war die Maisernte, weil wir alles per Hand gemacht haben. Der Mais wird dann als Schweinefutter benutzt. Der hausgemachte Wein, den es hier in der Gegend wohl fast überall gibt, ist schon recht sauer, aber ich habe mich daran gewöhnt und trinke ihn sehr gerne. Gemüse wurde auch geerntet und eingemacht.

Das Pflügen mussten wir zum Glück nicht von Hand machen, ein Mann aus dem Dorf ist mit einem Traktor gekommen. Außerdem haben wir unser Schwein geschlachtet. Es war schon unangenehm, das Tier sterben zu sehen. Aber es war sehr interessant und eigentlich sollte jeder Fleisch essende Mensch so etwas mal gesehen haben.

Kinderbetreuung

Mit den Kindern verstehe ich mich immer noch bestens. Donna Maria und ich helfen den Kindern bei den Hausaufgaben. Am Anfang dachte ich, dass das nicht vernünftig funktionieren würde, aber mit den näher rückenden Ferien hat die Menge der Hausaufgaben auch abgenommen. Die Schulergebnisse sind zwar nicht berauschend, aber auch nicht schrecklich. Den meisten Kindern fehlt es etwas an Konzentrationsfähigkeit, außerdem scheint mir, dass der Unterricht auch nicht der beste ist.

Zum Beispiel sollen die Kinder in Mathe theoretische Sätze auswendig lernen, die sie dann vielleicht gar nicht verstehen. In Englisch und Französisch wird aber niemand gezwungen ein Vokabelheft zu führen, was auch bedeutet, dass niemand eines führt.

Aufmüpfig

Ein Junge macht in letzter Zeit wieder mehr Probleme, indem er heimlich zum Rauchen abhaut oder sich einfach daneben benimmt. Wenn er dann Momente hat, in denen er sich konzentriert und mit irgendetwas beschäftigt ist, sieht man, dass er eigentlich ein guter, sehr intelligenter Junge ist. Leider kommt oft genug das Gegenteil vor. Aber auch die anderen Kinder streiten sich immer wieder und ich denke manchmal, dass es schon ganz gut ist, wenn Schwester Theodora die Schimpfwörter nicht versteht, die da durch die Gegend fliegen.

In letzter Zeit haben wir viele Geburtstage gefeiert. Da kommen dann die Kinder vom anderen Haus und die Schwestern aus dem Casa Sf. Maria zu Besuch. Nach dem Tischgebet singen alle ein Geburtstagsständchen und es ist Tradition, dass die zwei Freiwilligen (Christian und ich) das Kind so oft in die Luft werfen wie es an dem Tag alt geworden ist. Zum Glück fühlen sich die älteren Kinder inzwischen zu alt dafür."

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