Ein unvollendeter jiddischer Abend in der Erlöserkirche

11.11.2007 / Lesedauer: 3 min

Haltern Aaron Eckstaedt hat sein Gastspiel in der Erlöserkirche nicht beenden können. Hätte das Publikum nur einmal gefragt, was sich in dem abgewetzten Koffer befindet, den der Künstler mit in den Altarraum schleppte, wäre das nicht passiert. Das Publikum machte einen unbewussten Fehler: Es forderte keine Zugaben ein, dabei hätte eine von den üblichen dreien eine hochprozentige, nachhaltige Wirkung gehabt. Aaron Eckstaedt hätte den Koffer geöffnet und all seinen Gästen einen Wodka kredenzt. Aber der Koffer blieb verschlossen. Aaron Eckstaedt war nicht wirklich zufrieden.

Unbekannte Welt

Stadt und der Kunst-und-Kirche-Kreis der evangelischen Kirchengemeinde hatten den Musikwissenschaftler und Künstler anlässlich des Jahrestages der Pogromnacht nach Haltern eingeladen. Zum Gedenken an den 9. November 1938, als, so Kulturreferent Georg Nockemann, die Nazis endgültig die Maske von scheinbarer Rechtsstaatlichkeit ablegten. Am Freitagabend ging es vor allem um das Erinnern an die jüdische Kultur, was sie gewesen ist und was aus ihr wird. Aaron Eckstaedt sei ein gutes Beispiel dafür, wie scheinbar Verlorenes wieder zurückgebracht werden kann. "Er wird uns eine unbekannte Welt mitbringen", leitete Georg Nockemann zum Gastspiel über.

Liebe und Tradition

Aaron Eckstaedt spielte virtuos auf seinem Akkordeon Klezmermusik, erzählte auf Jiddisch wunderbare, humorvolle Geschichten und Anekdoten, plauderte über das Leben und die Liebe, Tradition und Religion. "Kommt her zu sitzen, is besser", bat er um mehr Nähe und schließlich auch um Heiterkeit: "Vor 100 Jahren haben die Juden zu dieser Musik getanzt, gesungen und gelacht und nicht so ernst gesessen wie ihr." Sonst habe "ich nischt kein Ruh." Aber, es "is a bisserl kalt" rieb sich der Musiker die Hände, die Gäste in den hinteren Kirchenbänken klagten über eine schlechte Akustik, die Darbietung ganz in Jiddisch und Hebräisch verlangte 90 Minuten volle Konzentration - die Leidenschaft des Künstlers sprang nicht auf das Publikum über.

Wie beginnt das dann mit der Liebe? Neuer Ort, neuer Versuch: Der sympathische Künstler Aaron Eckstaedt sollte unbedingt wiederkommen. Mit seinem Koffer. esc

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