Meinung

Eine Chance für alle, denen ihre Kirche noch etwas bedeutet

Die evangelische Gemeinde setzt auf die Kreativität ihrer Mitglieder: Neue Gottesdienstformen sollen ausprobiert werden. Das ist ein vielversprechender Ansatz.
Die evangelische Gemeinde will neue Gottesdienstformen ausprobieren. © Benjamin Glöckner

Viele Christen haben in den letzten Jahren ihren Kirchen den Rücken gekehrt, sowohl in der katholischen als auch in der evangelischen Kirche. Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Es sind zum Teil die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche und ihre oft mangelhafte Aufarbeitung, mit denen viel Kredit verspielt wurde, es ist aber auch ein Auseinanderdriften des Alltags vieler Familien und der liturgischen Konzepte der Gemeinden. Wie kann Glaube zeitgemäß vermittelt werden?, lautet die Gretchenfrage. Insbesondere, nachdem die Coronapandemie mit ihren Lockdowns persönliche Treffen und vor allem Gottesdienste lange unmöglich gemacht hat. Viele Besucher, die einmal weggebelieben sind, kommen nicht mehr wieder.

Die evangelische Gemeinde in Haltern unternimmt jetzt einen neuen Versuch, gegenzusteuern. Nicht, indem sie Konzepte vorschreibt, sondern, indem sie auf die Ideen und die Kreativität ihrer Gemeindemitglieder setzt und auch auf die Nicht-Mehr-Gottesdienstbesucher zugehen will. Das ist der richtige Ansatz. Wer mit kirchlichen Ritualen unzufrieden war, hat hier die Gelegenheit, seine eigenen Ideen einzubringen, vorausgesetzt, dass er das noch will. Neue Orte, neue Konzepte, Rockgottesdienste, Gottesdienste im Dunkeln oder auch nach strenger traditioneller Liturgie? Nichts ist undenkbar. Das Presbyterium ist gespannt und diskussionsbereit.