Eine Extra-Wohnung für die Kinder

Besondere Idee einer Tagesmutter

Seit ein paar Monaten - genau seit Oktober 2015 - kann Steffi Kullick wieder sagen: "Ich gehe zur Arbeit." Nicht, dass die Halternerin davor untätig gewesen wäre: Seit sieben Jahren arbeitet sie als qualifizierte Tagesmutter. Dass sie das seit Kurzem nicht mehr in den eigenen vier Wänden tut, sondern in einer eigens dafür angemieteten Wohnung, macht sie in Haltern zu etwas Besonderem.

HALTERN

von Marie Rademacher

, 11.01.2016, 16:28 Uhr / Lesedauer: 2 min
Zwergentreff: So nennt die Tagesmutter Steffi Kullick die Kinderwohnung, die sie seit Oktober 2015 als Arbeitsplatz nutzt. Als erste und bisher einzige Tagesmutter in Haltern hat sie diese Idee in die Tat umgesetzt.

Zwergentreff: So nennt die Tagesmutter Steffi Kullick die Kinderwohnung, die sie seit Oktober 2015 als Arbeitsplatz nutzt. Als erste und bisher einzige Tagesmutter in Haltern hat sie diese Idee in die Tat umgesetzt.

Der Zwergentreff: So nennt Tagesmutter Steffi Kullick (Foto) die 60 Quadratmeter große Wohnung im Zentrum von Haltern am See. Täglich betreut sie hier fünf Kinder - alle noch keine drei Jahre alt. Von der Stadt oder von anderer Stelle erhält sie keine Förderung für die Extra-Wohnung - die selbstständig arbeitende Tagesmutter zahlt die Miete aus eigener Tasche. "Das war es mir einfach wert", sagt Steffi Kullick. Wenn die eigene Wohnung gleichzeitig auch Arbeitsplatz ist, leidet das Privatleben, sagt sie.

Fördern und fordern

Ein weiterer Grund für den "Umzug" liege außerdem auf der Hand: "So kann ich die Kinder ganz anders fördern und fordern", so Steffi Kullick und weist auf die vier Kinder, die sich in einer Art Spielzimmer gerade in einem Bällebad eine gute Zeit machen. Dass in den drei Zimmern, die die Wohnung umfasst, Kinder den Ton angeben, ist auf den ersten Blick sichtbar: Die Wände sind mit Kindermotiven bemalt, auf dem Teppich ist eine Rennbahn zu sehen, es gibt viele Bücher zum Anschauen und Vorlesen, eine Kuschelecke, eine Tischgruppe mit Hochstühlen, neben der richtigen Küche sogar eine Spielküche. "Das reinste Kinderparadies", meint Steffi Kullick.

Fördermöglichkeiten

In der Regel, so bestätigt es die Stadt, ist es für Tageseltern möglich, eine Förderung zu beantragen. "Es besteht für Tageseltern die Möglichkeit, einmalig investive Mittel für maximal fünf Plätze von bis zu 500 Euro je U3-Platz zu beantragen", so Stadtsprecher Georg Bockey.

"Gut frequentiert"

Mit der Betreuung von fünf Kindern ist Steffi Kullick, die selbst Mutter eines Sohnes ist, "ausgebucht". Das war eigentlich schon immer so, erzählt sie. Der Bedarf in Haltern sei also da. Der geplante neue städtische Kindergarten wird nach Einschätzung der Stadt deshalb auch nicht in Konkurrenz zu den Tageseltern treten. "Aufgrund der hohen Nachfrage gehen wir derzeit davon aus, dass sowohl die Tageseinrichtungen als auch die Tagespflege in den nächsten Jahren gut frequentiert sein werden", so Georg Bockey.

Voraussetzungen werden geprüft

Die Pläne für den neuen städtischen Kindergarten, der in Haltern entstehen soll (wir berichteten), sind noch nicht konkreter geworden. „Aktuell werden verwaltungsintern verschiedene mögliche Standorte für eine neue Kindertageseinrichtung sowie die planungsrechtlichen Voraussetzungen geprüft“, teilt die Stadt auf Anfrage der Redaktion mit. Weiter heißt es: „Aus diesem Grunde können derzeit noch keine verbindlichen Aussagen über Größe, Gruppenstruktur und damit verbunden die Anzahl der dort betreuten Kinder gemacht werden.“ Geplant sei aber, dass der Kindergarten im Kindergartenjahr 2017/2018 den Betrieb aufnehmen kann.

Bedarf gedeckt?

Aktuell – auch das haben wir bei der Stadt erfragt – sieht der sogenannte Kindergartenbedarfsplan, den der Ausschuss für Generationen und Soziales aufgestellt hat, für das im August beginnende Kindergartenjahr 1129 Plätze in Einrichtungen vor – 860 für Ü3- und 269 für U3-Kinder. Ob das reicht? „Aktuell werden die Anmeldelisten der einzelnen Träger ausgewertet. Danach kann in Verbindung mit der Auswertung der Wartelisten festgestellt werden, wo noch Handlungsbedarf besteht und wie diesem begegnet werden kann“, so die Stadt auf Nachfrage.

 

Wie die Stadt auf Anfrage der Redaktion bekannt gab, gibt es derzeit 31 Tageseltern, die in Haltern Kinder betreuen. Von diesen 31 sind 30 Tagesmütter. Einen Tagesvater gibt es außerdem in Haltern. 77 U3- und 19 Ü3-Kinder werden in Haltern von Tageseltern betreut. Die Stadt gibt Eltern außerdem einen Tipp: „Wenn Eltern den Wunsch auf Kindertagesbetreuung haben, sollten Sie diesen Wunsch frühzeitig und möglichst konkret über die Bedarfsanzeige, die auf der Homepage des Bereichs ,Familie und Jugend‘ zu finden ist, mitteilen.“
 www.haltern-am-See.de

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