Nach dem Einsturz des WIndrades am 29. September in der Hohen Mark in Haltern liegen die Trümmerteile auch im Wald verstreut. © Guido Bludau
Windrad-Einsturz

Eingestürztes Windrad in Haltern: Gutachter haben Vortritt vor Umweltamt

Immer wieder kommen Schaulustige in die Hohe Mark, um das eingestürzte Windrad zu betrachten. Wir haben beim Umweltamt nachgefragt, ob von den Trümmern Gefahren ausgehen.

Die Trümmerteile des am 29. September eingestürzten Windrades verteilen sich rund um das Fundament und in etwa 200 Metern im Umkreis. Die Unfallstelle seitlich eines Wanderweges in der Hohen Mark ist für etliche Menschen zu einer „Sehenswürdigkeit“ geworden. Aber der Windrad-Standort ist weiträumig abgesperrt.

Eine Security-Firma achtet darauf, dass niemand unbefugt das Gelände betritt. Auch das Umweltamt des Kreises darf aktuell das Trümmerfeld mitten im Wald nicht betreten. Den Vortritt haben die Gutachter, die die Ursache des Einsturzes ermitteln müssen. Zunächst einmal aber gehe von den zerborstenen Windradteilen keine Gefahr aus, sagt Kreissprecherin Lena Heimers in Absprache mit dem Umweltamt.

Befürchtungen waren grundlos

Das Amt ist mit zwei Behörden beteiligt: mit der Unteren Abfallwirtschafts- und Bodenschutzbehörde sowie mit der Unteren Wasserbehörde. Mitarbeiter der Wasserbehörde waren direkt nach Bekanntwerden des Einsturzes in Haltern-Lippramsdorf. Sie kontrollierten, ob es Grundwasserbelastungen durch austretende Stoffe geben könnte. Doch Befürchtungen erwiesen sich als grundlos.

Der Boden rund um das Windrad ist derart verdichtet, dass er undurchlässig ist. Außerdem liegt an dieser Stelle das Grundwasser 25 bis 30 Meter tief und ein Gewässer ist auch nicht in der Nähe. „Die Wasserbehörde konnte noch in der Nacht Entwarnung geben“, erklärt Lena Heimers und verweist ebenso darauf, dass die Unfallstelle nicht Teil eines Wasserschutzgebietes ist.

Weitere Untersuchungen bezüglich einer möglichen Umweltbelastung sind derzeit ausgeschlossen. Die Ursachenforscher haben Priorität. Doch im Hintergrund werden, so Lena Heimers, intensiv Informationen über die Bestandteile des Windrades gesammelt. Welche Materialien gibt der Hersteller des Windrades an, worauf ist bei einer Entsorgung zu achten, welche Schmiermittel wurden verwendet…? Es sind viele Fragen, die geklärt werden müssen. Das Umweltamt des Kreises hofft, in der nächsten Woche Zugang zur Unglücksstelle zu erhalten. Dann werden auf jeden Fall auch Bodenproben entnommen.

Eine spätere Entsorgung der zertrümmerten Windenergieanlage, die nach Einschätzung von Dr. Bernhard Klocke (einer der Geschäftsführer der Windparkgesellschaft AV 9) eine Million Euro kosten könnte, wird in jedem Fall vom Umweltamt überwacht.

Weder verarbeiteter Beton noch der Stahl sind das Problem, sondern glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK), der die Flügel stabil hält. Er gehört zur Kategorie Sondermüll.

So aufwendig ist eine Entsorgung

Im April 2020 zerbarst an der Bundesstraße 58 der Flügel eines Windrades der Betreibergesellschaft WiKoNo. Ein Flügel besteht maßgeblich aus glasfaserverstärkten Kunststoffen (GFK) und kohlefaserverstärkten Materialien (CFK).

Viele Teile des Blattes lagen auf den Feldern ringsum, sie waren zum Teil nur Fingernagel groß. Sie wurden per Hand eingesammelt und zur weiteren Schadensanalyse gelagert. Die Fläche rund um das Windrad wurde gemäht, die Mahd in Folie gewickelt und dann entsorgt. Anschließend wurden die freigeräumten Flächen abgesaugt, um die letzten Splitter zu sammeln. Der Hersteller war bei dieser Arbeit mit im Boot. Die Untere Immissionsschutzbehörde und die Bodenschutzbehörde des Kreises verlangten einen Nachweis über die fachgerechte Entsorgung.

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Elisabeth Schrief