Einwohner in Haltern: Ab 2020 soll es angeblich weniger Halterner geben

rnBevölkerungsentwicklung

Die Einwohnerzahl in Haltern ist bislang stets gestiegen. Das soll sich jetzt ändern, meint das Statistische Landesamt NRW. Die Stadt Haltern am See aber sieht das ganz anders.

Haltern

, 17.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Bis zum vergangenen Jahr noch hatte sich die Einwohnerzahl in Haltern am See positiv entwickelt. Anders als in vielen Städten der Region machte das Statistische Landesamt für die Seestadt eine Steigerung um rund 800 Bürger innerhalb von sieben Jahren aus. So lebten 2011 insgesamt 37.216 Menschen in der Stadt, 2018 waren es 38.013. Damit trotzte Haltern bislang dem Trend der schrumpfenden Landgemeinden und kleineren Städte in Nordrhein-Westfalen.

Wanderungssaldo trug zur positiven Entwicklung bei

Der Zuwachs war einem positiven Wanderungssaldo zu verdanken, der das Geburtendefizit ausgleichen konnte. Zwar sind 2018 in NRW 37.990 Personen mehr gestorben als Kinder geboren wurden, aber es zogen 52.471 mehr Menschen zu, als das Land verließen.

Das Statistische Landesamt Information und Technik Nordrhein-Westfalen (Landesbetrieb IT.NRW) wartet nun aber mit neuen Zahlen auf. Die Einwohnerzahl werde bis zum Jahr 2040 lediglich in 119 der 373 kreisangehörigen Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen steigen, heißt es. In 254 Gemeinden allerdings seien Rückgänge zu erwarten. So auch in der Seestadt Haltern. Im Rathaus reagiert man mit Kopfschütteln auf diese Zahlen.

Halterner Bevölkerung geht laut Prognose um 2,8 Prozent zurück

Die Landesbehörde prognostiziert nach den rund 38.000 Einwohnern in 2018 noch 37.931 für 2020, für das Jahr 2015 dann 37.788 Einwohner. 2030 werde die Zahl weiter auf 37.633 und 2035 auf 37.358 fallen, um schließlich im Jahr 2040 den Tiefstand von 36.896 zu erreichen. Damit verringere sich die Bevölkerung Halterns zwischen 2018 und 2040 um 2,8 Prozent, fasst die Behörde zusammen.

Widerspruch dazu kommt aus dem Rathaus. „Nach allem, was wir in der Vergangenheit festgestellt haben, rechnen wir in der Stadt Haltern auch künftig

mit einer Steigerung der Einwohnerzahl“, sagte Sprecher Georg Bockey auf Anfrage. „Haltern ist eine Zuzugsgemeinde.“ Diese Tatsache beachteten die Statistiker womöglich nicht, mutmaßt er.

Kritik aus der Halterner Stadtverwaltung

Insbesondere gebürtige Halterner zöge es, nachdem sie nach der Schule die Stadt verlassen hätten, später wieder zurück nach Haltern. Zudem zögen viele Senioren in die Seestadt, um ihren Lebensabend hier zu verbringen. „Wir haben viele Neubürger“, betonte Georg Bockey.

Die Zahlen der Statistiker werden demnach bei der Planung der Infrastruktur Halterns kaum beachtet. Mit den Zahlen aus dem städtischen Melderegister könne weit besser vorausschauend geplant werden, beispielsweise hinsichtlich des Bedarfs an Kitas oder Schulen, meinte der Stadtsprecher.

Rückgang in Dülmen und Marl noch drastischer

In der Nachbarstadt Dülmen übrigens wird die Bevölkerung laut IT.NRW noch drastischer zurückgehen - von 46.507 (2018) auf 43.384 (2040/-6,7 Prozent). In Marl beträgt der Einwohnerschwund gar 6,9 Prozent - von 83.695 (2018) auf 77.932 (2040).

Insgesamt wird die Bevölkerung in NRW nach der aktuellen Modellrechnung zur zukünftigen Bevölkerungsentwicklung in den Städten und Gemeinden des Landes dagegen von 17,9 Millionen bis zum Jahr 2040 um 0,9 Prozent auf rund 18,08 Millionen ansteigen.

Immer mehr Menschen werden immer älter

Die aktuelle Vorausberechnung zeigt auch, dass die Bevölkerung in den Kreisen stärker altern wird als in den kreisfreien Städten: Den höchsten Anstieg des Durchschnittsalters bis 2040 erwarten die Statistiker in den Kreisen Borken (+4,9 Jahre), Coesfeld (+4,6 Jahre) und Olpe (+4,5 Jahre). Die geringsten Anstiege des Durchschnittsalters ergeben sich für Düsseldorf (+0,1 Jahre), Essen (+0,5 Jahre) und Aachen (+0,6 Jahre).

In Haltern ist die Zunahme der 65-jährigen und älteren Einwohner besonders auffällig. Während die Zahl der Menschen im Alter von 65 bis 80 von 5942 im Jahr 2018 auf 8706 im Jahr 2040 (+46,5 Prozent) zunimmt, werden 4696 Menschen im Jahr 2040 80 Jahre und älter sein - nach 2455 im Jahr 2018 (+91,3 Prozent). Besonders stark zurückgehen wird im selben Zeitraum die Zahl der 40- bis 65-Jährigen von 14.921 auf 11.055 (-25,9 Prozent) und der unter Dreijährigen von 983 auf 764 (-22,3 Prozent).

Zahlen und Fakten der Statistiker

Knapp 18 Millionen Menschen lebten 2018 in NRW

Das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen hatte die Modellrechnung in Auftrag gegeben.
  • In Nordrhein-Westfalen lebten Ende 2018 insgesamt 17.932.651 Menschen. Damit war die Bevölkerungzahl im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 Prozent angewachsen.
  • Der Altersdurchschnitt der Bevölkerung lag 2018 in Nordrhein-Westfalen bei 44,1 Jahren (Frauen: 45,5 Jahren; Männer: 42,7 Jahren).
  • „Jüngste“ Gemeinde war Augustdorf im Kreis Lippe mit einem Altersdurchschnitt von 38,7 Jahren, „älteste“ Gemeinde war Bad Sassendorf im Kreis Soest mit 49,7 Jahren.
  • In Haltern liegt in puncto Altersdurchschnitt nur eine Angabe aus dem Jahr 2015 vor. Danach lag das Durchschnittsalter der Einwohner bei 45,2 Jahren.
  • Für 22 der 53 kreisfreien Städte und Kreise des Landes erwarten die Statistiker bis zum Jahr 2040 einen Zuwachs der Bevölkerung. Die höchsten Anstiege werden für Köln (+15,8 Prozent), Düsseldorf (+14,0 Prozent) und Münster (+13,9 Prozent) erwartet. Die stärksten Rückgänge ergeben sich für den Märkischen Kreis (-12,6 Prozent), den Hochsauerlandkreis (-10,4 Prozent) und den Kreis Höxter (-9,3 Prozent).
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