Einzelhändler wollen Beratungsgebühren vermeiden

Kampf gegen Online-Konkurrenz

Unternehmer aus Münster haben eine Servicegebühr eingeführt, weil sich zu viele Menschen im Laden beraten lassen, aber im Internet kaufen. Die Halterner Geschäftsleute befassen sich auch mit dem Thema - solche Gebühren gab es sogar schon mal in der Stadt.

HALTERN

, 19.09.2017, 10:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Einzelhändler wollen Beratungsgebühren vermeiden

Vor allem Produkte, die man anprobieren muss, wie Rucksäcke und Schuhe, seien vom „Beratungsklau“ betroffen, berichten unter anderem Antonius Wolter (v.l.), Karin Nelke-Mertens und Dominik Schwarzer von „Nelke Outdoor“.

Das Kinderkaufhaus Mukk in Münster will gegen den sogenannten „Beratungsklau“ vorgehen, und auch in Haltern am See gab es schon ähnliche Fälle von Beratungsgebühren. Bei teureren Produkten, die im Internet günstiger zu haben sind, mache das Sinn, sagt Karin Nelke-Mertens von „Nelke Outdoor“ an der Annabergstraße: „Bei GPS-Geräten haben wir tatsächlich schon mal solche Gebühren erhoben.“ Wenn das Gerät schlussendlich im Laden gekauft wurde, wurde die Gebühr aber erlassen. „Wenn wir uns viel Zeit nehmen und manchmal extra für den Kunden bestimmte Karten auf das Gerät aufspielen, ist es für uns sehr ärgerlich, wenn er es im Internet kauft.“

Manchmal würden sich Kunden im Laden Preise notieren oder Fotos von Produkten machen, um hinterher vergleichen zu können. Solche Fälle seien in dem Laden für Freizeitausrüstung aber seltener geworden: „Es gibt das Phänomen auch andersrum“, so Nelke-Mertens: „Im Moment kommen viele Kunden, die sich vorher im Internet sehr gut informiert haben, dann zum Beispiel Rucksäcke aber bei uns anprobieren und auch kaufen.“

Ganz spezielle Rucksäcke sorgen bei Büro und Spielwaren Pieper an der Rekumer Straße allerdings für Probleme: Schul-Tornister. „Die sind schließlich höherpreisig und sehr beratungsintensiv“, sagt Nina Ronzeck. Die Kinder müssen die Ranzen anprobieren, damit alles richtig sitzt: „Aber es kommt häufiger vor, dass wir die Kunden nach der Beratung nicht wiedersehen“, so Ronzeck.

Bei etwas teurerem Spielzeug, von Lego oder Playmobil, komme der „Beratungsklau“ auch häufig vor, „diese Sachen sind aber auch nicht so beratungsintensiv“, sagt Nina Ronzeck. Über eine mögliche Gebühr für die Beratung habe man intern schon mal gesprochen, aktuell soll sie aber nicht eingeführt werden. „Der Handel muss aber sicher in den kommenden Jahren einen Strukturwandel vollziehen“, sagt Ronzeck.

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Von der Elektronik-Kette Medimax (Muttergottesstiege) heißt es: „Medimax holt seine Kunden dort ab, wo sie einkaufen wollen – im Fachmarkt oder im Onlineshop“, so der Geschäftsführende Direktor Frank Kretzschmar. Die Beratung sei ein selbstverständlicher Service, der keinen Aufpreis verlange. Mark Wachowiak vom Fahrradhandel MCW Trendbikes meint: "Ich kann dazu sagen, dass die Kaufinteressenten doch sehr gezielt zu uns kommen und wir dienen nicht nur als Infopunkt oder zum Preisvergleich, sondern der Kunde möchte wirklich etwas kaufen."

Werner Eikelschulte vom gleichnamigen Schuhhaus an der Mühlenstraße sagt: „Wir leiden nicht so sehr unter dem Thema.“ Durchaus käme es vor, dass Kunden einen Artikel mit dem Handy fotografieren, vor allem jüngere Generationen. „Aber vor allem im Kinderschuhbereich ist schon eine gute Beratung erforderlich“, so Eikelschulte: „Und dann kaufen die Leute im Regelfall auch bei uns.“ Die jungen Leute, die genauer auf die Preise achten, würden nach ein paar Jahren wieder im Laden einkaufen, wenn sie selbst Eltern geworden sind. Mittleren und älteren Generationen sei das persönliche Gespräch ohnehin viel wichtiger.

 

Und Werner Eikelschulte stellt generell fest: „Wir hatten immer schon viele Kunden aus Marl und jetzt werden es immer mehr auch aus Recklinghausen, weil sich die Leute dort anscheinend nicht mehr wohlfühlen. Sie legen Wert auf die Qualität, die sie in Haltern am See bekommen.“

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