Die Straßen im Neubaugebet Elterbreischlag sind fertiggestellt. © Blossey
Erschließungskosten

Elterbreischlag: Die Stadt Haltern fordert restliche Erschließungskosten

Rechnungen für Erschließungskosten, und das Jahre nach Fertigstellung von Straßen, sind so beliebt wie Fußpilz. Die Stadt Haltern fordert Rest-Zahlungen für Anwohner im Elterbreischlag.

Nach der Fertigstellung der Straßen im Neubaugebiet Elterbreischlag in Sythen erhebt die Stadt nun die restlichen Erschließungskosten von den Grundbesitzern. Beim Melkenweg beträgt die Höhe der Nachzahlung insgesamt 241.474 Euro, bei Maximilian-Kolbe-Straße, Eltritt, Dietrich-Bonhoeffer-Weg und Mosskamp 647.760 Euro und bei Sophie-Scholl-Straße und Emilie-Schindler-Weg sind es 173.528 Euro.

Ein entsprechender Beschlussvorschlag der Verwaltung wurde vom Haupt- und Finanzausschuss einstimmig angenommen. Anwohner sind von den Nachzahlungen überrascht und beschweren sich, dass ihnen von der Stadt versprochen worden sei, dass keine Nachzahlungen bei den Erschließungskosten zu erwarten seien. Das Presseamt der Stadt informierte am Freitag in einem Gespräch mit der Redaktion darüber, dass die Schreiben mit der Nachzahlungsforderung am Morgen herausgegangen seien.

FDP-Fraktionsvorsitzender Kai Surholt erklärte im Ausschuss, er hätte sich die Finanzierung über höhere Vorauszahlungen gewünscht. „Das hätte ich besser gefunden, denn jetzt werden junge Familien noch einmal sehr belastet und das kurz vor Weihnachten und vor dem Jahreswechsel“, sagte er.

Stadt: Belastungen sind vertretbar

Die Verwaltung argumentierte, dass sich die Höhe und der Zeitpunkt der Nachzahlungen in einem vertretbaren Rahmen bewegten. Im Durchschnitt würden 1500 bis 2000 Euro von den Beitragspflichtigen verlangt. Wie hoch die Kosten pro Quadratmeter ausfallen, könne nicht mitgeteilt werden, ließ die Verwaltung auf Anfrage wissen. Auch bei einer Lösung über eine Nachzahlung bleibe außerdem die Belastung immer dieselbe, sagte Bürgermeister Andreas Stegemann.

CDU-Ratsherr Ralf Bürgers merkte an, dass er mit höheren Nachtragsbeiträgen gerechnet hätte, denn in den vergangenen drei Jahren sei eine Kostensteigerung von 35 Prozent zu Buche geschlagen, die sich auch noch auf die letzten Baumaßnahmen im Elterbreischlag ausgewirkt habe.

Am Rande wurde außerdem erwähnt, dass auch Alt-Anwohner am Melkenweg zur Zahlung von Erschließungskosten herangezogen würden.

Alternative Wohnformen wurden nicht verwirklicht

Das Baugebiet in Sythen ist mit 280 Einheiten eines der größten in Haltern. Ursprünglich war vorgesehen, hier alternative Wohnformen wie das Mehrgenerationenwohnen zu ermöglichen. Außerdem sollte Betreutes Wohnen realisiert werden. Daraus wurde jedoch nichts.

Stattdessen sind auf einer zentralen Fläche im Baugebiet lediglich Häuser entstanden, die den Standard seniorengerecht und barrierefrei erfüllen. Wie im Haupt- und Finanzausschuss von der Verwaltung bestätigt wurde, steht ein Großteil dieser 35 Wohnungen weiterhin leer. Sie sind seit Mai 2020 bezugsfertig. Dem Internetauftritt des Immobilienmaklers ist zu entnehmen, dass zehn Prozent der Wohnungen vermarktet sind.

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Redaktion Haltern
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Silvia Wiethoff