Eltern fühlen sich nach Übergriffen in Kita von der Kirche im Stich gelassen

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Als Reaktion auf sexuelle Übergriffe in der Kita Hullern lädt die Sixtus-Pfarrei als Träger für Mittwoch (23. Januar) zu einer Elternversammlung ein. Aber die Fronten haben sich verhärtet.

Hullern

, 21.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Eltern-Versammlung im St.-Andreas-Kindergarten in Hullern findet hinter verschlossenen Türen statt, moderiert wird sie nach Auskunft von Pfarrer Michael Ostholthoff von einer Kirchenmitarbeiterin aus Osnabrück. Neben Verbundleiterin Iris Hillenbrand und dem Kindergarten-Team wird auch ein Vertreter des städtischen Jugendamtes dabei sein. Nach der Versammlung werde es eine Pressemitteilung des Bistums Münster geben, kündigt Pfarrer Ostholthoff an.

Eltern hatten vorab schriftlich gebeten, an diesem Abend die Vorfälle neutral und lückenlos darzustellen. Dabei müsse deutlich werden, dass es sich nicht um einvernehmliche Doktorspiele gehandelt habe, sondern um außergewöhnliche Übergriffe. Durch bislang unzureichende Informationen sei es zu Meinungsverschiedenheiten gekommen, diese müssten ausgeräumt werden. Dazu sollte auch die Presse vor Ort sein.

„Objektivierung schwierig“

Doch Pfarrer Ostholthoff antwortete in einer E-Mail an die Eltern, die unserer Redaktion vorliegt, am Freitag ablehnend. Dem Wunsch nach lückenloser Darstellung werde man beim Elternabend nicht entsprechen können, da die behaupteten Sachverhalte noch nicht als abgeschlossene Tatsachen betrachtet und beurteilt werden könnten. Da die involvierten Kinder alle sehr jung sind, würden sie gesetzlich als nicht einsichtsfähige Personen gelten. Das heißt, dass sie das Unrecht ihrer Handlungen nicht erkennen können. Das mache eine Objektivierung der erlittenen Handlungen überaus schwierig. Der Elternabend sei nicht das Forum, um über einzelne Kinder zu beraten.

Damit unterstelle der Pfarrer, dass die von den Übergriffen betroffenen Kinder nicht die Wahrheit sagen, erbost sich eine Mutter. Sie gehört zu den Eltern, die von dem ersten Übergriff Ende 2017 wussten und nach den wiederholten Übergriffen Kontakte zur Verbundleitung, zum Jugendamt und den Münsteraner Bischof aufgenommen hatten.

Gewalt und Drohungen

In einem Gespräch mit der Halterner Zeitung schildern mehrere Eltern, was Kindern in der Einrichtung durch ein anderes übergriffig gewordenes, älteres Kind geschehen ist. Sie berichten von psychischer und körperlicher Gewalt (im Intimbereich), Einschüchterungen und Drohungen. Die verletzten Kinder reagierten mit Verhaltensauffälligkeiten: Sie wollten keine Minute mehr ohne Schutz der Eltern sein, hätten Angst vor Toilettengängen, müssten zum Verlassen des Hauses überredet werden, seien appetit- und freudlos.

Mehrere Kinder werden in der Kinderschutzambulanz der Kinderklinik Datteln betreut, drei Kinder haben ein ärztliches Attest, dass sie die Einrichtung nicht mehr besuchen können. Der Kindergarten selbst habe den Eltern geraten, die Kinderschutzambulanz aufzusuchen, sagen Eltern. Hätte er es getan, wenn es nur Bagatellen gewesen wären, fragen sie sich. Das sei allerdings auch fast die einzige Hilfe seitens der Einrichtung beziehungsweise der Verbundleitung gewesen. Sie fühlten sich allein gelassen und hätten sich in ihrer Not unbedingt Unterstützung gewünscht. So hätten sie den Eindruck, der Träger und die Kita-Leitung wollten das Problem aussitzen und aufschieben.

Wechsel in andere Kitas

Bis zu 14 Kinder blieben in den letzten Wochen der Einrichtung fern, ein Kind ist von der Verbundleitung in eine andere Einrichtung vermittelt worden, zwei warten noch auf Plätze außerhalb Hullerns. Das Jugendamt hat Hilfe zugesagt.

Die Eltern betonen ausdrücklich, dass sie niemanden an den Pranger stellen wollen, sondern dass ihnen allein das Wohl aller Kindergarten-Kinder am Herzen liege.

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