Mareike Beermann gehört der Elterninitiative Raumluftfilter für Haltern an. © Silvia Wiethoff
Mobile Luftfilter

Eltern starten eine Petition für weitere Luftfilter in Halterner Schulen

Die Stadt Haltern macht es sich zu einfach damit, keine weiteren Luftfilter in den Schulen zu installieren, meinen Eltern. Sie fordern mehr Sachkenntnis und starten eine Petition.

Halterner Eltern wehren sich gegen die Haltung der Stadt, dass die Anschaffung weiterer Luftfilter in Klassenräumen, die gelüftet werden können, nicht geboten ist. Die Verwaltung beruft sich unter anderem auf das Bundesumweltamt (BUA) und weist darauf hin, dass weitere Luftfilter für die Halterner Schulen vom Land nicht gefördert würden.

Diese Erklärung ist bei der „Elterninitiative Mobile Raumluftfilter für Haltern“ auf Kritik gestoßen. „Es hat uns geärgert und schockiert, dass die Stadt immer noch mit veralteten Aussagen des BUA argumentiert, obwohl diese wissenschaftlich widerlegt sind. Lüften reicht nicht“, sagt Mareike Beermann für die Halterner Initiative.

Das Netzwerk der Initiative breitet sich aus

Diese hat eine Petition online gestellt, um Unterschriften für die Anschaffung von Luftfiltern in allen Klassenräumen in Haltern zu sammeln. Binnen weniger Tage haben bereits 280 Personen, davon 216 in Haltern (Stand: Sonntagnachmittag, 3. Oktober), das Anliegen unterstützt. Interessierte sind außerdem aufgerufen, sich der Initiative anzuschließen (luftfilter@haltern-seestadt.de). Bisher hat sich das Netzwerk in Haltern schon zur Silverbergschule ausgebreitet.

In Kooperation mit dem landesweiten Zusammenschluss von Eltern, die sich für mobile Raumluftfilter einsetzen, haben die Halterner eine Vielzahl an wissenschaftlich fundierten Informationen zusammengestellt. Darin geht es im Kern darum, den positiven Einfluss der technischen Luftreinigung als notwendige Schutzmaßnahme auf das Infektionsgeschehen vorzustellen. Geltende Basishygienemaßnahmen, insbesondere die regelmäßige Fensterlüftung ohne technische Luftreinigung, machten den Unterricht nicht sicher genug.

So sieht eines der Modelle zur Luftfilterung aus, das in einer Schule in Iserlohn installiert wurde.
So sieht eines der Modelle zur Luftfilterung aus, das in einer Schule in Iserlohn installiert wurde. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

„Lehrpersonal der Stadt Haltern beklagt, dass die vollumfängliche Umsetzung dieser Hygienemaßnahmen mit den jungen Schülerinnen und Schülern fraglich ist“, erklären Mareike Beermann und Britta König. Unter anderem sei „das regelmäßige Lüften je nach Wetterlage und Lärmsituation eingeschränkt“.

Neuere Studien zeigen Vorteile der Luftfilter

Neuere Studien hätten gezeigt, dass Luftfilteranlagen zur Absenkung der Aerosolkonzentration überwiegend wirksamer als die Stoßlüftung sind. Die kontrollierte technische Luftreinigung mit Filtern sei weniger anfällig für beeinflussende Faktoren (Wind, Temperatur, Fensteröffnung, Lage der Heizkörper etc.) als die passive Lüftung durch Öffnen von Fenstern. Die Kombination von passiver Lüftung und technischer Luftreinigung sei das wirksamere Konzept.

„Wir nehmen an, dass die Studien, die den guten Nutzen von Luftfilteranlagen belegen, nicht ausreichend von der Stadt Haltern berücksichtigt worden sind. Es gibt Erkenntnisse, die kann man nicht wegreden“, wünschen sich Mareike Beermann und Britta König, dass sich die Verwaltung und auch die Politik in Haltern noch einmal intensiver mit dem Thema auseinandersetzen.

Die Deltavariante bereitet große Sorgen

Die Halterner Elterninitiative betont, dass sie den Dialog und nicht die Konfrontation mit der Stadt sucht. „Wir möchten als Stimme für unsere Kinder laut werden, die in den letzten 1,5 Jahren von der Politik vernachlässigt wurden. Sie konnten nicht mit ihren Freunden spielen, konnten ihre Hobbys nicht ausüben und nun, da die Älteren einen Schutz durch Impfung haben, werden sie schutzlos dem Virus überlassen“, so die Initiative für Luftfilter. Die Eltern sind vor allem aufgrund der Ausbreitung der Deltavariante des Coronavirus und der bisher nicht abschätzbaren Langzeitfolgen einer Erkrankung besorgt.

Deshalb dränge nun die Zeit, denn weitere Luftfilter in Haltern sollten möglichst schnell angeschafft werden. „Lässt die Politik das Virus durch die Kinder rauschen, werden aufgrund der durchschlagenden Statistik auch Kinder aus Haltern hospitalisiert werden“, sagt Mareike Beermann.

Mit ihrer Mithilfe wurden im Kindergarten St. Joseph gerade mobile Luftfilteranlagen installiert, die durch Spenden finanziert wurden. „Der Kindergarten mit dem zuständigen Träger der Pfarrei St. Sixtus (Bistum Münster) habe das Erfordernis erkannt und den Eltern nach kurzfristiger Prüfung die Anschaffung der Geräte erlaubt.

In vielen Städten wurden Luftfilteranlagen angeschafft

Die Halterner Elterninitiative weist darauf hin, dass sich zahlreiche Städte in NRW mit eigenem Geld auf den Weg gemacht hätten, um mobile Luftfilteranlagen anzuschaffen. „Unsere Nachbarstädte Dülmen und Marl haben ihre Hausaufgaben hinsichtlich des Schutzes ihrer Kinder gemacht und sind endlich aktiv geworden. Dülmen wird mobile Luftfilteranlagen leasen und Marl verbaut Lüfter in den Grundschulen“, nennen Mareike Beermann und Britta König Beispiele aus der Nachbarschaft.

Die Stadt Haltern sei aufgefordert, in ihren Schulen die größtmögliche Sorge zu tragen und die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus mit allen Mitteln zu verhindern.

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Redaktion Haltern
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Silvia Wiethoff