„eMS Lebensfreude“: Der Name erinnert an Kaffeeklatsch mit Heizdecke

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Das alte Fahrgastschiff Möwe wurde ausgemustert.
Das alte Fahrgastschiff Möwe wurde ausgemustert. © Winkelkotte
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Als Marektingstrategie war es vermutlich gut geplant von den Halterner Stadtwerken: Über den Namenswettbewerb für das neue Stauseeschiff wollte man die Nähe zu den Kunden unterstreichen, sie an der Investition in Halterns Zukunft teilhaben lassen und so seine Marke stärken. Nun ist der Schuss allerdings nach hinten losgegangen. Das liegt einerseits an der unglücklichen Namenswahl und an der Art und Weise, wie diese zustande gekommen ist.

Man kann nicht nachvollziehen, wie die Jury nach ernsthafter Diskussion über die 160 Vorschläge im Wettbewerb auf den Namen „eMS Lebensfreude“ kommen konnte. Es spricht allenfalls die Verbindung zum Stadtwerke-Motto „Energie und Lebensfreude“ für diese Entscheidung. Aber sonst?

Der Titel „Lebensfreude“ für ein Schiff wirkt wie Kaffeefahrt mit Heizdecke, erinnert an gute alte Zeit im Sonntagsstaat. Leser mit Geschichtsbewusstsein fühlen sich gar an das Dritte Reich erinnert, als die Organisation „Kraft durch Freude“ als Teil der Kriegsvorbereitung die Volksgesundheit ins Visier nahm.

Tatsächlich aber lassen die Halterner Stadtwerke ein hochmodernes, umweltfreundliches Schiff vom Stapel, das für die Mobilität der Zukunft steht und auf dem man auch mal Party machen kann.

Der gewählte Titel „eMS Lebensfreude“ ist vielleicht gut gemeint, aber nicht gut geraten. Deshalb sollten die Stadtwerke ihre Wahl noch einmal überdenken. Es liegen genügend kreative Vorschläge der Halterner Bürger auf dem Tisch.