Wie ist es, zum ersten Mal Blut zu spenden? Und was passiert nach der Blutspende mit meinem Blut? Wir haben Erstspenderin Annika Hahn bei ihrer Blutspende in der Hauptschule begleitet.

Haltern

, 03.01.2019, 16:59 Uhr / Lesedauer: 4 min

14.43 Uhr

Auf der Holzbank im Foyer der Joseph-Hennewig-Schule sitzen drei ältere Herren und warten. „Am Anfang kommen immer die alten Hasen“, sagt Evelyn Bergau. „Die kommen immer schon ein halbe Stunde eher.“ Zusammen mit Werner Mohr vom Bürgerbus-Verein sitzt sie zwischen Druckern und einem Laptop auf der anderen Seite des Foyers. Beide unterstützen den Blutspendedienst West des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) bei den Blutspenden in Haltern. Empfangen die Spender, teilen die Informationsblätter aus. Es ist einer der täglich rund 50 Blutspendetermine, bei denen der Blutspendedienst West jährlich etwa 850.000 Blutkonserven sammelt.

Das Foyer wird immer voller. Blutspendeausweis und Perso: Wer nicht zum ersten Mal hier ist, der holt schon im Gehen alles Nötige aus dem Portemonnaie.

Erstspenderin Annika Hahn (23): „Ich spende auf jeden Fall nochmal Blut“

Evelyn Bergau und Werner Mohr vom Bürgerbus-Verein unterstützen den Blutspendedienst West bei der Blutspende in der Halterner Hauptschule. © Eva-Maria Spiller

15.06 Uhr

Vor dem Tisch von Evelyn Bergau stehen Spender in zwei Reihen und warten. Eine der Wartenden ist Annika Hahn. Die 23-Jährige ist Erstspenderin. „Ich habe schon oft davon gelesen, dass es wichtig ist, Blut zu spenden. Damit kann man vielleicht etwas Gutes tun.“ Werde ich die Spende vertragen? Tut der Pieks in den Arm weh? Bin ich gesund genug, um zu spenden? „Ich bin schon etwas aufgeregt. Aber ich lass mich mal überraschen“, sagt die Vermessungstechnikerin. Direkt nach der Arbeit hat sie sich auf den Weg zur Blutspende gemacht. Evelyn Bergau gibt die Daten von Annika Hahn in den Computer ein. Mit einem Informationsblatt und einem Spenderfragebogen muss die 23-Jährige dann Informationen zu ihrem Gesundheitszustand beantworten.

Die nächsten Spendentermine

Hier können Halterner Spenden

  • 20. Januar (Sonntag): Grundschule Sythen, Mosskamp 27, 12 - 16 Uhr
  • 22. Februar (Freitag): Hauptschule, Holtwicker Straße 27, 15 - 20 Uhr
  • 10. März (Sonntag): Grunschule Lippramsdorf, Erzbi-Buddenbrock-Str. 1, 10 - 14 Uhr
  • 24. März (Sonntag): St.-Andreas-Hullern, Terwellenweg 13, 10 - 14 Uhr
  • Über die Internetseite des Blutspendedienstes kann man kostenlos per E-Mail an die Termine erinnert werden

15.21 Uhr

„Fühlen Sie sich krank oder sind Sie krankgeschrieben?“, „Konsumieren Sie Rauschmittel oder Medikamente missbräuchlich?“, „Wurde bei Ihnen jemals eine Infektion mit HIV (AIDS) oder HTLC nachgewiesen?“. Es sind drei der 30 Fragen, die mögliche Blutspender vor der eigentlichen Spende beantworten müssen. Vertraulich. Dafür sitzt Annika Hahn an einem langen Tisch. Direkt neben anderen Spendern. Damit auch niemand sieht, wo auf dem Fragebogen die 23-Jährige ihre Kreuzchen setzt, trennen sie und ihre Sitznachbarn Sichtschutzwände. „Man muss schon ganz genau überlegen. Etwa, wo man in den letzten vier Monaten alles hingereist ist“, sagt Annika. Nachdem das letzte Kreuz gesetzt wurde, geht es für Annika weiter zum Arztgespräch.

15.23 Uhr

Annika steht mit zehn anderen Spendern in einer Reihe und wartet darauf, mit dem Arzt zu sprechen. Der beurteilt, ob jemand fit und gesund genug ist, um zu spenden. „Als ich das erste Mal spenden wollte, ging das nicht, weil ich erkältet war“, erinnert sich die Halternerin. Ob sie dieses Mal darf? Annika verschwindet im Besprechungszimmer eines Flures. Nun wird der Fragebogen besprochen, Blutdruck, Temperatur und Puls gemessen. Fünf Minuten später kommt Annika mit dem „OK“ des Arztes wieder heraus. Allerdings mit einer Aufforderung: „Ich habe nicht genug getrunken,“ sagt Annika. Auf dem Flur stehen Colaflaschen und weiße Plastikbecher. Sie trinkt 2,5 Gläser Cola. Dann geht es in den Spendenraum. „Ich hoffe, dass mein Blut gut verwendet wird für Leute, die es wirklich brauchen.“

Erstspenderin Annika Hahn (23): „Ich spende auf jeden Fall nochmal Blut“

In den Laboren des Blutspendedienstes wird das Blut der Spender auf Infektionskrankheiten untersucht und in seine Bestandteile aufgeteilt. © Stephan David Kuepper Koeln

Aber was passiert eigentlich nach der Sepnde mit dem Blut? Dann wird das Blut in einem der Zentren für Transfusionsmedizin (ZTM) in Münster, Hagen oder drei weiteren Standorten auf Infektionskrankheiten wie HIV oder Hepatitis A, B oder C untersucht, heißt es seitens des DRK-Blutspendedienstes West. Danach wird das Blut in verschiedene Komponenten aufgeteilt: in Konzentrate aus roten Blutplättchen, die den Sauerstofftransport regulieren (Erythrozytenkonzentrate), aus Blutplättchen, die die Blutungsgefahr senken (Thrombozytenkonzentrate), und in Plasmapräparate, die zur Blutgerinnung wichtig sind oder Patienten mit geschwächtem Immunsystem helfen. „Der Patient bekommt immer nur den Teil des Blutes, den er für seine Genesung braucht“, so das DRK. So könne eine Spende bis zu drei Personen helfen.

Erstspenderin Annika Hahn (23): „Ich spende auf jeden Fall nochmal Blut“

Die Blutkonserven kommen Menschen mit verschiedenen Erkrankungen zugute. Fast jede fünfte Spende geht an Menschen mit einer Krebserkrankung. © DRK

Wie viel Blut Krankenhäuser im Einzugsbereich des Blutdienstes brauchen, das wird laut DRK tagesaktuell abgefragt. Und so viel werde gesammelt. Werden aus den Blutkonserven Plasmaanteile nicht in Krankenhäusern benötigt, gehen diese zur Medikamentenherstellung an die Pharmaindustrie.

15.50 Uhr

Annika nimmt auf einem Hocker einen Meter von der Tür entfernt Platz. Hier nimmt ihr ein Mitarbeiter des Blutspendedienstes Blut ab – drei Proben. Einmal, um die Blutgruppe der Erstspenderin zu bestimmen. Und, um die Daten mit den geprüften Infos, die in der Datenbank bei bekannten Spendern bereits vorhanden sind, zu vergleichen. Mit einem Thermometer wird Annikas Körpertemperatur im Ohr gemessen. Mit einer kleinen Nadel ein paar Tropfen Blut aus dem linken Mittelfinger entnommen. Um den Hämoglobin-Wert zu bestimmen, der aussagt, wie viele rote Blutkörperchen ein Mensch hat. „Der Wert ist für den Sauerstofftransportweg wichtig“, sagt der Mitarbeiter. Und der Wert muss zwischen 12,5 und 15,1 Gramm liegen. Bei Annika liegt alles im Normalbereich.

15.57 Uhr

„Mir geht es gut, aber ich bin sehr gespannt“, sagt die 23-Jährige, während sie sich langsam auf eine der Spenderliegen zubewegt und neben einem anderen Spender Platz nimmt. Eine Arzthelferin gleicht Annikas Daten ab, desinfiziert ihre linke Armbeuge. Und sticht die Kanüle in ihren Arm. „Das tat nicht weh“, sagt Annika und lacht. Die Aufregung lässt nach. Langsam fließt das Blut über den Schlauch in den Beutel unter dem kleinen Tischchen neben Annikas Liege. „Sollte Ihnen schwummerig werden oder was auch immer, sagen Sie Bescheid“, sagt die Arzthelferin und legt Annika einen Ball zum Drücken in die Hand.

Erstspenderin Annika Hahn (23): „Ich spende auf jeden Fall nochmal Blut“

Eine Arzthelferin kümmert sich um die Blutspende, die der Halterner Philipp Schulte-Mecklenbeck abgibt. © Eva-Maria Spiller

Laut des DRK-Blutspendedienstes West kommt jede vierte Konserve nach der Aufbereitung der Behandlung krebskranker Patienten zugute, gefolgt von Magen- und Darmerkrankten. Rund 20 Prozent gehen an Menschen mit Herzerkrankungen. Mit 15 Prozent der Spenden werden Unfallopfer versorgt. Weitere Spendenempfänger sind Knochen- und Gelenkkranke, Mütter mit Komplikationen während der Geburt, Blutkranke und -arme sowie Leber- und Nierenkranke. Insgesamt deckt der Blutspendedienst West nach eigenen Angaben rund 70 Prozent des Krankenhausbedarfs im Einzugsgebiet (NRW, Rheinland-Pfalz und das Saarland) ab.

137,24 Euro kostete das DRK die Gewinnung einer Vollblutspende im Jahr 2015 nach eigener Aussage. Darin enthalten sind Kosten für die Blutspendeveranstaltungen, die Werbung und die Organisation ebenso wie Laboruntersuchungen, Verwaltungs- sowie Lagerkosten. Dem gegenüber stehen 137,28 Euro an Erlösen durch den Weitervertrieb je Vollblutspende von 500 Millilitern. Man verfolge mit dem Blutspendedienst keine Gewinnerzielung, so das DRK.

16.02 Uhr

319 Gramm. 468 Gramm. Langsam füllt sich Annikas Blutkonserve. 528 Gramm. Das Gerät, das den Blutbeutel hält, fängt an zu piepen. Die Konserve ist voll – elf Minuten, nachdem Annika auf der Liege Platz genommen hat. Die Arzthelferin entfernt die Kanüle aus dem Arm. Und klebt die kleine Wunde mit einem Pflaster ab. Zwei Stunden soll Annika das Pflaster drauf lassen, damit keine Keime in die Wunde kommen. Und nach der Spende viel trinken und auf Alkohol verzichten. Als Nächstes geht es in den Ruheraum.

16.08 Uhr

10 Minuten Liegen. „Das ist wichtig, damit sich die Wunde richtig schließt und der Körper zur Ruhe kommt“, sagt Alfred Dammann, der seit 40 Jahren ehrenamtlich beim DRK-Stadtverband Haltern arbeitet. Denn ansonsten könne es zu Nachblutungen kommen. Wie etwa bei einigen Feuerwehrmännern vor ein paar Jahren, die nach der Spende zu einem Einsatz losrannten und später wiederkamen, um die nachblutenden Wunden zu versorgen, erinnert sich Dammann.

Erstspenderin Annika Hahn (23): „Ich spende auf jeden Fall nochmal Blut“

Annika Hahn hat die Blutspende hinter sich. In der Kantine kann sich die Halternerin stärken, bevor es nach Hause geht. © Eva-Maria Spiller

16.20 Uhr

„Ich hätte gedacht, es würde mir schwerer fallen“, sagt Annika, als sie sich auf den Weg zur letzten Station macht: die Kantine. Hier warten auf alle Blutspender belegte Brötchen. Und ein kleines Dankeschön: ein Eiskratzer fürs Auto. Annika hat nach eineinhalb Stunden ihre erste Blutspende hinter sich. Und weiß schon jetzt: „Ich spende auf jeden Fall nochmal.“

Erstspenderin Annika Hahn (23): „Ich spende auf jeden Fall nochmal Blut“

Vom Empfang bis zur Kantine: So läuft die Blutspende ab. © DRK

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