Leidenschaftliche Exlibris-Sammler sind auch Cyriel und Lysette Gladines aus Belgien. © Antje Bücker
Hotel Seehof

Exlibris: Ungewöhnliches Hobby lockt Sammler aus aller Welt nach Haltern

Die Weltklasse der Exlibris-Künstler und ihre Sammler trafen sich zur Jahrestagung der Deutschen Exlibris-Gesellschaft in Haltern im Hotel Seehof. Doch was verbirgt sich hinter „Exlibris“?

„´Aus der Bibliothek` heißen die Kunstwerke im Kleinformat in der wörtlichen Übersetzung, oder sinngemäß ganz profan ´Bucheignerzeichen`“, erklärte Horstfried Masthoff aus Haltern am Freitag (22. Oktober) am Tag der offiziellen Eröffnung der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Exlibris-Gesellschaft.

Nachdem die Veranstaltung coronabedingt im vergangenen Jahr nicht stattfinden konnte, kamen vom 21. bis zum 24. Oktober rund 100 Sammler, Künstler und Interessierte aus Deutschland, Schweden, Holland, Belgien, Österreich, der Schweiz und Tschechien in der Seestadt zusammen, um Kunstwerke zu tauschen, neu zu erwerben oder Aufträge zu erteilen.

Dieses Exlibris zeigt den Schriftsteller Marcel Proust und nimmt Bezug auf sein berühmtes Werk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“.
Dieses Exlibris zeigt den Schriftsteller Marcel Proust und nimmt Bezug auf sein berühmtes Werk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. © Antje Bücker © Antje Bücker

Was es mit den Exlibris genau auf sich hat, erläuterte Horstfried Masthoff, der selbst Sammler ist und mehr als 70 der kleinen Kunstwerke sein Eigen nennt: „Zu Zeiten, als Bücher noch handschriftlich vervielfältigt wurden, war jedes einzelne Buch so wertvoll und so individuell, dass es einer speziellen Signierung durch den Besitzer nicht bedurfte. Zudem gab es wenige Bücher, nur die Kirche und der Hochadel waren in der Lage, sie zu lesen und zu bezahlen.

Das änderte sich aber mit der Erfindung des Buchdrucks Mitte des 15. Jahrhunderts. Mit dieser neuen Technik kam auch die Geburtsstunde des Exlibris. Fortan markierten Leser ihr Eigentum mit kleinen von Künstlern auf Auftrag angefertigten Bildern, die auf die Innenseite des Vorderdeckels geklebt wurden. Sein Eigentum bloß mit dem Namen zu dokumentieren, widersprach der Wertschätzung und dem kulturellen Verständnis der Zeit.“

Tauschobjekte für fünfstellige Summen

Heutzutage sind Bücher längst Massenware. Was aber blieb, ist die Liebe zur althergebrachten Kunst der Exlibris. Zwar werden sie heute von Sammlern nicht mehr in Bücher geklebt, haben aber dafür ihren Wert als Tauschobjekte vervielfacht. Hohe fünfstellige Summen sind manche Sammler bereit, für ihre Objekte der Begierde auszugeben. In Haltern wechselten die Kunstwerke jedoch für durchschnittlich 500 bis 800 Euro die Besitzer.

Die Motive der Grafiken sind so vielfältig wie die Künstler und Sammler. Während in alten Zeiten vor allem Familienwappen und Gemälde im Stil alter Meister gefragt waren, sind es heute auch zeitgenössische Techniken und sogar digital erstellte Werke.

Leidenschaftliche Sammler sind auch Cyriel und Lysette Gladines aus Belgien. Cyriel Gladines, der selbst Autor und Lyriker ist, war mit seiner Ehefrau angereist, um die Sammlung zu erweitern. Sein Steckenpferd sind Darstellungen im Stil der griechischen Mythologie. Aber auch für die Illustration der eigenen Bücher hat er bereits hochkarätige Künstlerinnen beauftragt.

Tauschen, kaufen, netzwerken

„Netzwerken ist auch in diesem Metier wichtig“, berichtete Jochen Kublik aus Altenberge. Der freischaffende Künstler betreibt seit 25 Jahren sein Atelier in der Nähe von Münster und beschäftigt sich seit zwölf Jahren auch mit der Anfertigung von Exlibris-Darstellungen. Seine farbenfrohen Werke stellt er im Tiefdruckverfahren her.

Jochen Kublik ist mit seinen Werken auf Ausstellungen in der ganzen Welt unterwegs. Zur Fachtagung nach Haltern hatte der Künstler aus Altenberge die kürzeste Anreise.
Jochen Kublik ist mit seinen Werken auf Ausstellungen in der ganzen Welt unterwegs. Zur Fachtagung nach Haltern hatte der Künstler aus Altenberge die kürzeste Anreise. © Antje Bücker © Antje Bücker

Bei Sammlern sind seine Bilder sehr beliebt, er stellt regelmäßig in aller Welt aus. „Leider sind in diesem Jahr coronabedingt kaum Osteuropäer und keine Asiaten hier“, bedauerte Kublik, der vor allem unter chinesischen Kunstliebhabern viele Sammler hat.

Von Dürer bis Picasso

Als eine der wenigen Besucher aus Osteuropa war Yulia Protsyshyn anwesend. Die junge Künstlerin aus der Ukraine blickt ebenfalls bereits auf einen Stamm von Sammlern, von denen viele im Seehof ihre neuen Werke bewunderten und erwarben. Das Zeichnen von Exlibris-Grafiken lohnt sich für sie so sehr, dass sie seit 2017 hauptberuflich in diesem Metier tätig ist. Ihr und den anderen anwesenden Künstlern sind Meister wie Dürer, Cranach und Picasso vorausgegangen, die sich ebenfalls ausgiebig dieser Kunstform gewidmet hatten.

Künstlerin Yulia Protsyshyn aus der Ukraine stellte dem Fachpublikum eine Auswahl ihrer Werke vor.
Künstlerin Yulia Protsyshyn aus der Ukraine stellte dem Fachpublikum eine Auswahl ihrer Werke vor. © Antje Bücker © Antje Bücker

Zum Programm der Tagung gehörte auch eine Mitgliederversammlung, der Besuch des Römermuseums mit Besichtigung der Gemmennachschnitte, ein Wettbewerb mit anschließender Prämierung des beliebtesten Bildes sowie ein abschließendes Festbankett am Samstagabend.

Über die Autorin
Journalistin und Fotografin wollte ich schon während der Schulzeit werden. Trotzdem bin ich erst nach vielen Umwegen zur Zeitung gekommen. Die Berichterstattung über die Ereignisse in der großen weiten Welt haben meinen Horizont erweitert, der Lokaljournalismus meinen Blick auf die wesentlichen Dinge vor der eigenen Haustür.
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Antje Bücker