Experte erklärt: Wertvolles (Un)Kraut am Halterner Wegesrand

Kräuter

Botaniker Dr. Götz Loos ist Experte wenn es um Kräuter aller Art geht. Bei einem Rundgang gibt er wertvolle Tipps rund um Spitzwegerich, Holunder und Brennnessel.

Haltern

, 17.07.2021, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Botaniker Dr. Götz Loos (l.) führte Interessierte in die Welt der Kräuter ein.

Botaniker Dr. Götz Loos (l.) führte Interessierte in die Welt der Kräuter ein. © Horst Lehr

Auf Einladung des Nabu Haltern begleitete der Botaniker Dr. Götz Loos 30 Naturinteressierte bei einem Kräuterspaziergang zu einer Streuobstwiese am Hellweg. Dabei lenkte er das Augenmerk der Teilnehmer von der Pflaster-Ritzen-Vegetation über Wiesenflächen bis hin zu einem ökologisch wertvollen Biotop.

Spitzwegerich hat eine antiseptische Wirkung.

Spitzwegerich hat eine antiseptische Wirkung. © picture alliance / dpa-tmn

Zunächst zeigte er auf den Spitzwegerich, der sich in den Pflaster-Ritzen einer von „Unkraut“ überwucherten Laderampe einen neuen Lebensraum erkämpft hatte. Mit der antiseptischen Wirkung seiner zerriebenen Blätter sei er bei Insektenstichen die ideale Erstversorgung für unterwegs.

Nachtkerzen werden zu hochwertiger Kosmetik verarbeitet.

Nachtkerzen werden zu hochwertiger Kosmetik verarbeitet. © Pixabay

Direkt neben den wilden Möhren gediehen auch die gelb blühenden Nachtkerzen. Letztere werden in Teilen zu hochwertiger Kosmetik verarbeitet.

„Hier ist ein wahres Paradies für Bienen“, rief Götz Loos später auf der Streuobstwiese und erläuterte die charakte­ristischen Besonderheiten der blühenden Kleepflanzen. Sie werden in der Medizin unter anderem zur Verdauungsförderung und zur Blutreinigung genutzt. Dazwischen findet sich aber auch Gänsefingerkraut und Sauerampfer, die beide frischen Salatgerichten eine ganz besondere Note geben.

Kleepflanzen werden in der Medizin unter anderem zur Verdauungsförderung genutzt.

Kleepflanzen werden in der Medizin unter anderem zur Verdauungsförderung genutzt. © Pixabay

Zur Brombeere sagte der Botaniker: „Sie liefert uns nicht nur süße Früchte, ihre Blätter ergeben als Tee aufbereitet eine hervorragende Medizin gegen Magenentzündungen“.

Zum Themendienst-Bericht von Geraldine Friedrich vom 25. Mai 2021: Aus Holunderblüten lässt sich einfach leckerer, süßer Sirup herstellen.

Zum Themendienst-Bericht von Geraldine Friedrich vom 25. Mai 2021: Aus Holunderblüten lässt sich einfach leckerer, süßer Sirup herstellen. © picture alliance/dpa/dpa Themendienst

Sehr häufig findet sich in unseren Breiten auch der Holunder. Hier rät Götz Loos: „Um Unverträglichkeiten zu vermeiden, bitte die Früchte vor der Verwendung abkochen“.

Ein weiteres wertvolles „Unkraut“ ist die Brennnessel. Sie wird als Tee ebenfalls in der Medizin eingesetzt. Daneben dienen die Blattspitzen als würzige Suppenbeigabe oder können klein zerhackt als Spinat verkostet werden.

Brennnessel wird als Tee in der Medizin eingesetzt.

Brennnessel wird als Tee in der Medizin eingesetzt. © picture alliance/dpa

Götz Loos sagte überzeugt: „Selbst zunächst unscheinbare Pflanzen haben in der Natur einen hohen Nutzwert“ und nennt als Beispiel blühende Disteln. Diese könnten als hervorragende Nahrungsquelle für verschiedene Insektenarten dienen.

Dies bestätigt sich auch bei einer weiteren Pflanze, dem „Gundermann“. Der findet sich oft in Gärten und wird als Heilpflanze als natürliches Mittel gegen Entzündungen und zur Anregung des Stoffwechsels eingesetzt.

Kinderstube und Rückzugsraum für Amphibien

Zum Ende der rund zweistündigen Exkursion zeigte Loos noch die wichtige ökologische Bedeutung von Feuchtgebieten und stehenden Kleingewässern. Im Umfeld der sogenannten „Blänken“ bilden Schilf und Weidengebüsch zugleich Kinderstube und Rückzugsraum für Amphibien, wie zum Beispiel die Kreuzkröte.

Die Lehrerin Sabina Robert aus Dorsten sagte: „Das fand ich besonders spannend, denn das steht in diesem Jahr noch im Lehrplan“. Auch Vanessa Kluss aus Arnsberg gefiel die Führung gut: „Es ist gut zu wissen, was man so alles im eigenen Garten hat“.

Nur verwenden, was eindeutig erkennbar ist

Götz Loos, der mit seinen Beiträgen auch die allgemeine Pflanzenkenntnis verbessern will, stellte fest: „Nur, was man kennt, kann man nutzen und schützen.“ Er warnte aber auch allzu eifrige Kräutersammler: „Bitte immer nur verwenden, was wirklich eindeutig erkennbar ist.“

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