Fahrradklau in Haltern: E-Bike-Betrüger muss zurück ins Gefängnis

rnLandgericht Essen

Er war noch nicht lange aus der Haft entlassen. Monatelang hat ein Betrüger in Haltern und Umgebung sündhaft teure E-Bikes ergaunert. Jetzt muss er wieder ins Gefängnis.

Haltern

, 15.08.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Fahrradverkäufer witterten ein Geschäft, der Angeklagte nutzte ihre Gutgläubigkeit schamlos aus: Monatelang hat ein 49-jähriger Serienbetrüger sündhaft teure E-Bikes ergaunert - auch in Haltern. Jetzt muss er ins Gefängnis. Doch da kennt er sich bereits bestens aus.

Das Essener Landgericht hat den Mann aus Gelsenkirchen am Freitag zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Dass die Strafe nicht noch höher ausgefallen ist, hat der 49-Jährige nicht nur seinem umfassenden Geständnis zu verdanken, sondern auch seiner Kooperation. Im Prozess hatte er erstmals seine mutmaßliche Mittäterin benannt.

Freundlich und gemütlich

Leicht übergewichtig, die kurzen Haare grau und licht, der Blick freundlich: Dass ausgerechnet dieser eher gemütlich wirkende Mann sie übers Ohr hauen würde, hätte wahrscheinlich keiner der betroffenen Fahrradhändler gedacht. Doch genau das ist passiert.

Dabei hat der 49-Jährige weite Wege auf sich genommen. Er war nicht nur in Haltern, sondern auch in Münster, Ochtrup, Köln und Koblenz. „Ich habe von Hartz-IV gelebt und wollte mir neue Sachen besorgen – ein Handy, ein Laptop, Anziehsachen“, so der Angeklagte im Prozess. Die Fahrräder habe seine Komplizin später weiterverkauft. Sein Anteil habe sich auf 500 Euro pro Rad belaufen.

Angeklagter saß schon lange in Haft

Die Masche war immer die gleiche: Man sei als Paar aufgetreten, habe sich meist zwei E-Bikes ausgesucht, dann mit einer ungedeckten EC-Karte bezahlt oder die Verkäufer überredet, eine Rechnung zu schicken. Insgesamt ging es im Prozess um über 20 Räder. Der Gesamtschaden belief sich auf knapp 67.000 Euro.

Rund vier Jahre hatte der 49-Jährige zuvor schon in Haft gesessen. Nach seiner Entlassung im November 2016 wollte er mit seiner kriminellen Vergangenheit eigentlich abschließen. Doch das ist gründlich schief gegangen. Ausgerechnet über die Familie seiner neuen Frau rutschte er wieder ab.

Flucht nach Holland

Als die Fahrrad-Betrügereien auffielen, war der Gelsenkirchener abgetaucht und nach Holland geflohen. Doch das Versteckspiel war nicht von Dauer. Als er zurückkam, um sich um seine kranke Mutter zu kümmern, wurde er in einem Getränkemarkt festgenommen. Dort hatte man offenbar gehört, dass er gesucht wird und die Polizei alarmiert.

Ursprünglich war auch noch wegen einer Reihe von Einbruchdiebstählen gegen den 49-Jährigen ermittelt worden. Doch damit will er nichts zu tun haben. Das sei ausschließlich Sache seines kriminellen Ex-Schwagers gewesen.

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